Drensteinfurter Bürgermeister bewertet den Vorgang

"Unverantwortlich": Scharfe Kritik nach Doggen-Angriff

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Deutsche Doggen haben die Ruhe weg - eigentlich.

Drensteinfurt - Nach dem beinahe tödlichen Doggen-Angriff findet der Drensteinfurter Bürgermeister Carsten Grawunder deutliche Worte in Richtung der Halterin. Der Ausgang mit vier dieser mächtigen Tiere ohne Maulkorb sei unverantwortlich.

Der Überfall von vier Doggen auf eine Spaziergängerin am vergangenen Samstag hat zunächst keine großen Konsequenzen für Hundehalter in Drensteinfurt. In der nächsten Zeit wird es dort eine ohnehin geplante Hundezählung geben, um einen Überblick über den Bestand in der Stadt zu erhalten.

Prinzipiell kann jeder so viele Hunde halten, wie er möchte. Werden Hundesteuer und Versicherung bezahlt, gibt es nach oben keine Begrenzung. Selbstverständlich sei jedoch, so Bürgermeister Carsten Grawunder, dies: „Der Halter muss die Gewähr geben, dass die Tiere keine Gefahr für die Allgemeinheit darstellen.“

Maulkorbpflicht und Leinenzwang außerhalb des Stadtgebietes gelten nach wie vor nicht. Hier sei, so Grawunder, die Landesregierung gefragt. „Ich würde mir eine Leinenpflicht für große Hunde auch außerhalb geschlossener Ortschaften wünschen“, so der Bürgermeister.

Grawunder appelliert an alle Hundehalter, sich ihre Verantwortlichkeit bewusst zu machen. Eine Person alleine könne keine vier großen Hunde im Zaum halten, von denen jeder 80 Kilogramm wiegt, auch nicht mit Leine; dies sei ein einfaches Rechenbeispiel. Als große Hunde gelten Hunde mit einer Widerristhöhe von mindestens 40 Zentimetern und einem Gewicht von mindestens 20 Kilogramm.

Trotzdem werde die Stadt jetzt nicht ohne Grund alle Halter großer Hunde in Kollektivhaftung nehmen, so der Bürgermeister. Selbstverständlich würde jedoch konkreten Hinweisen nachgegangen.

Einziger Hundeangriff der vergangenen Jahre

Carsten Grawunder

„Viele Hundebesitzer gehen verantwortungsbewusst mit ihren Hunden um“, versicherte Grawunder. In Drensteinfurt sei dies der einzige Fall von Hundeangriffen in den vergangenen Jahren gewesen. Wohl habe es Anzeigen wegen möglicher Gefährdung gegeben, aber passiert sei nichts Ernstes. Im konkreten Fall werden die Fakten von Staatsanwaltschaft und Ordnungsamt aufgearbeitet.

Als es zu dem tragischen Vorfall kam, habe die Hundehalterin instinktiv richtig gehandelt, urteilt Grawunder. Sie habe versucht, mit ihrem eigenen Körper das Opfer zu schützen und ihr möglicherweise so das Leben gerettet. Unverantwortlich sei es jedoch, dass die Frau allein mit vier Hunden unterwegs war, die sie nicht habe kontrollieren können. Hier sei sie sich ihrer Eigenverantwortlichkeit nicht bewusst gewesen.

Jagdverhalten mit Tötungsabsicht

Ein Hund sei nicht berechenbar, so der Bürgermeister. Deshalb solle sich jeder Hundehalter fragen: Kann ich bei dem, was ich tue, die Sicherheit für andere gewähren? Wenn mit mehreren großen Hunden gegangen werden muss, sollten diese einen Maulkorb tragen.

Auf dieser Straße hat sich das Drama am Samstagabend abgespielt.

Dass die Doggen noch vor Ort eingeschläfert wurden, hat im Internet für kontroverse Diskussionen gesorgt. „Die Hunde sind gezielt auf Hals und Genick losgegangen“, so Grawunder. Die Tierärztin vom Veterinäramt habe das Vorgehen der Hunde als Jagdverhalten mit Tötungsabsicht bezeichnet und klargemacht, dass es da nur eine Konsequenz gibt. Dieses Verhalten sei nicht mehr abzutrainieren gewesen. Alternativ hätte die Halterin zur Auflage bekommen, mit jedem Hund einzeln an der Leine und mit Maulkorb rauszugehen. In der Vergangenheit sei sie mit den Hunden nicht auffällig gewesen; eine Anzeige habe nicht vorgelegen.

Hitzige Debatten auf Facebook:

Der Doggen-Fall hat auch auf der WA-Facebookseite eine angeregte Leser-Diskussion ausgelöst. Auch der von Peta angeregte Hunde-Führerschein spielt eine Rolle – eine klare Linie gibt es aber nicht. Einig sind sich die Leser allein in ihrem Entsetzen über den beinahe tödlichen Angriff und bei ihren Genesungswünschen für die schwer verletzte Frau.

Quelle: wa.de

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