Schnellabschaltungen in Tihange: Bestätigung für Kritiker

+
Atomkraftwerk Tihange

Aachen - Nach Bekanntwerden von mehreren Schnellabschaltungen bei sogenannten Precursor-Fällen (deutsch: Vorbote) im belgischen Tihange sieht sich die Region im Kampf gegen das Atomkraftwerk bestätigt. Es seien weitergehende Sicherheitslücken in Tihange aufgedeckt worden, sagte Städteregionschef Helmut Etschenberg am Donnerstag.

Etschenberg steht an der Spitze einer Allianz von über 100 Kommunen im Dreiländereck gegen Tihange. Der Aachener Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) sagte, die nordrhein-westfälische Atomaufsicht müsse mehr Transparenz einfordern. Die belgische Atomaufsicht (FANC) bestätigte am Donnerstag acht "Precursor"-Fälle im Reaktor 1 zwischen 2013 und 2015. Ein Sprecher betonte aber, daraus könnten keine Rückschlüsse auf die Sicherheit des Meilers gezogen werden. "Da wird ein Zusammenhang hergestellt, aber es gibt keinen." 

Sobald die geringste Annahme auf Gefahr für Arbeiter, Bevölkerung oder Umwelt bestehe, handele die Behörde - und fahre den Meiler gegebenenfalls auch herunter. WDR-Hörfunk und das ARD-Magazin "Monitor" hatten zuerst berichtet, dass es eine deutliche Häufung sogenannter Precursor-Fälle gegeben habe. "Precursor"-Fälle seien sicherheitstechnisch bedeutsame Ereignisse, sagte Professor Wolfgang Renneberg vom Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und Berater der Städteregion. Wenn sicherheitstechnische Komponenten nicht funktionierten, dann greife eine Art Sicherung, die auch zu einer Schnellabschaltung führen könne. 

Lesen Sie hier mehr Artikel zum Thema Tihange

Wenn in der Mehrzahl dieser Notfälle - wie in Tihange - die Reißleine gezogen werde, dann müsse das zu denken geben. Im Nachgang werde in einer Studie untersucht, was zu der Situation geführt habe und wie weit sie von einem größeren Unfall entfernt gewesen sei. Die Anzahl dieser Vorkommnisse allein sage wenig über den Sicherheitszustand aus, teilte das NRW-Wirtschaftministerium als Atomaufsicht mit. Da die Unterlagen bisher nur der belgischen Atomaufsicht vorlägen, könne eine Bewertung nur in Belgien erfolgen. Mona Neubaur, Vorsitzende der Grünen in Nordrhein-Westfalen, forderte: "Landesregierung und Bundesregierung müssen beim Thema Tihange endlich den Schutz der Bevölkerung über sämtliche andere Interessen stellen." 

Alles müsse unternommen werden, um die "Bröckel-Reaktoren" möglichst schnell vom Netz zu bekommen. Das Thema Tihange finde sich bislang nicht in den Verhandlungspapieren der Groko. Neubaur warf dem NRW-Ministerpräsidenten Laschet als Energie-Verhandlungsführer und beiden Volksparteien CDU und SPD Versagen vor. Bisher waren wegen Tausender Haarrisse in den Reaktordruckbehältern vor allem Tihange-2 und Doel-3 von deutscher Seite als Sicherheitsrisiko eingeschätzt worden. - dpa

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.