Rückkehr zu G9: Das ist der Fahrplan der Schulministerin

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Die Gymnasien in NRW müssen sich umorientieren: Wer kann mitmachen bei G9? Was ändert sich bei den Schulfächern und Stundentafeln? Ministerin Gebauer hat am Dienstag in Düsseldorf erste Antworten gegeben.

  • Die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren Gymnasium (G9) soll nach einem Entwurf für ein neues Schulgesetz in Nordrhein-Westfalen im übernächsten Schuljahr mit den heutigen Dritt- und Viertklässlern beginnen. 
  • Danach soll das G9-Abitur wieder zur Regel werden.
  • Auch G8 bleibt aber möglich.
  • Die Kosten für den Umstieg sollen nicht an den Kommunen hängen bleiben. 

Detailfragen des neuen Gesetzes, das das Landeskabinett in seiner Sitzung am Dienstag gebilligt hat, sind in Eckpunkten für neue Ausbildungs- und Prüfungsordnungen geregelt, die Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) vorstellte. Im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten Veränderungen. 

DER ZEITPLAN: Die Umstellung von G8 auf G9 als Regelfall an öffentlichen Gymnasien startet im übernächsten Schuljahr mit den Klassen fünf und sechs. Gebauer sieht derzeit keine Grundlage, dem Drängen einer Elterninitiative nachzukommen, schon zu Beginn mehr Jahrgänge auf den G9-Bildungspfad mitzunehmen. "Das ist nicht vorgesehen und wäre auch nicht fach- und sachgerecht." Das Gesetz soll vor den kommenden Sommerferien verabschiedet werden. 

DIE ENTSCHEIDUNG: Die Schulkonferenz - zu je einem Drittel besetzt mit Schülern, Eltern und Lehrern - kann zum Schuljahr 2019/20 einmalig entscheiden, bei G8 zu bleiben. Ein solcher Beschluss müsste im Herbst 2018, spätestens aber bis Ende Januar 2019, mit einer Zweidrittel-Mehrheit plus einer Stimme getroffen werden. Allerdings können die kommunalen Schulträger bei gravierenden Gründen ein Vetorecht geltend machen. Bei späteren Wechselentscheidungen zu G8 oder G9 liegt die Entscheidungsgewalt nur noch beim Schulträger. Voraussetzung ist dann eine stichhaltige Bedarfsprüfung. Auch die G-8-Gymnasien sollen Unterstützung erhalten. "Wir arbeiten daran", versprach Gebauer. 

PLANUNGSSICHERHEIT: Das Schulministerium rechnet damit, dass über 90 Prozent der Gymnasien zu G9 zurückkehren werden. Wer seine Viertklässler anmelde, habe aber keine Gewissheit über den Kurs der Schule, monierten die Grünen. "Die Anmeldung wird zum Glücksspiel." SPD und Grüne warfen der Regierung vor, grundsätzliche Entscheidungen auf die Schulen vor Ort abgewälzt und damit Streit in die Gymnasien getragen zu haben. Gebauer bat die Schulen, den Eltern bei der Anmeldung ihrer Kinder möglichst schon eine Tendenz zu nennen, ob sie demnächst G8 oder G9 anbieten. 

DIE KOSTEN: Wie viele Millionen der Umstieg genau kostet, kann das Schulministerium derzeit nicht beziffern. Klar ist aber, dass mit den Kommunen eine pauschale Erstattung vereinbart werden soll. Bei Spätwechslern, die sich noch nicht zum übernächsten Schuljahr festlegen, ist die Kostenübernahme noch nicht geklärt. 

DIE LEHRER: In der Endphase des Umstiegs werden nach Berechnungen des Ministeriums etwa 2300 zusätzliche Lehrerstellen in NRW nötig sein. 

DIE KLASSENZIMMER: Die Jahrgangsstufe 13 wird in Großstädten wie Köln, Düsseldorf, Bonn oder Münster bis zum Schuljahr 2026/27 jeweils etwa 150 zusätzliche Klassenräume erforderlich machen. 

DER LEHRPLAN: Die Gespräche mit den Schulbuchverlagen laufen bereits. Die alten Schulbücher, die bis 2005 verwendet worden waren - also vor der Schulzeitverkürzung in NRW - sind nicht mehr brauchbar. Die schwarz-gelbe Landesregierung will neue Akzente setzen, vor allem in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik, bei digitalen Kenntnissen, aber auch in der Verbraucherbildung und bei ökonomischen Kompetenzen. 

DIE STUNDENTAFEL: Mehr Zeit zum Lernen bedeutet auch mehr Unterricht. In der Sekundarstufe I soll die Gesamtjahreswochenstundenzahl von derzeit 163 auf 188 steigen. Vor 2005 lag sie bei 179. Das Unterrichtsvolumen ist so bemessen, dass G9 sowohl im Halb- als auch im Ganztagesbetrieb angeboten werden kann. Von den 188 Wochenstunden sollen acht nicht verbindlich sein. Die Schulen können sie nutzen, um schwächere und besonders starke Schüler individuell zu fördern oder um das Profil der Schule zu schärfen - etwa mit einem bilingualen oder einem künstlerisch-musischen Schwerpunkt. 

FREMDSPRACHEN: Laut Schulministerin sprechen sich alle Fachverbände dafür aus, mit der zweiten Fremdsprache an allen Schulformen erst wieder in Klasse 7 statt schon in Klasse 6 zu beginnen. Dazu gebe es eine Tendenz, aber noch keine finale Entscheidung, sagte Gebauer. 

MITTLERE REIFE: Schülerinnen und Schüler an G9-Gymnasien nehmen künftig an den zentralen Prüfungen am Ende der 10. Klasse teil und können damit die Mittlere Reife erwerben. - dpa

Pressemitteilung des Schulministeriums 

Pressemitteilung der SPD

Quelle: wa.de

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