Angriff nach Gerichtsurteil: Schalke-Ultras müssen vor Gericht

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Vorspiel: Das Revierderby am 26. Oktober 2013. BVB-Hooligans wüten auf Schalke. Zwei Soester Ultras werden dafür ein Jahr später vor Gericht verurteilt – nach dem Prozess wartet eine Schlägertruppe aus Schalke-Hooligans auf sie.

Soest  - Mehr als drei Jahre liegt diese Attacke inzwischen zurück, die zwei Fußball-Hooligans aus Soest und ihr Anwalt nicht vergessen dürften. Die gewaltbereiten BVB-Ultras hatten sich am 22. Juli 2014 für ihre Randale beim Revierderby soeben saftige Strafen beim Amtsgericht Gelsenkirchen abgeholt, als sie auf dem Heimweg von einer Horde Schalke-Anhänger ausgebremst wurden. Die zertrümmerten mit Baseballschlägern den Wagen. Erst jetzt ist Anklage gegen fünf Schalke-Ultras erhoben worden.

Nur einen Kilometer vom Gericht in Gelsenkirchen entfernt trug sich die brutale Szene zu. Ein Dutzend Täter hatte den Wagen BVB-Ultras verfolgt, überholt und ausgebremst.

Die maskierten und vermummten Angreifer sprangen auf die Motorhaube und droschen mit Knüppeln auf das Auto ein. Die Scheibe splitterten. Nur weil die BVB-Fans geistesgegenwärtig die Türen verriegelten, blieben sie verschont. Noch bevor die Täter durch die zerfetzten Fenster klettern oder hindurchprügeln konnten, drückte der Anwalt das Gaspedal tief durch und flüchtete über den Gehweg.

„Die Ermittlungen waren äußerst aufwendig“, sagt Oberstaatsanwältin Anette Milk. Letztlich nur mit verdeckten Maßnahmen seien Polizei und Staatsanwaltschaft überhaupt zu den Tatverdächtigen vorgedrungen und konnten ihnen ihre Beteiligung zur Last legen.

Sechs Verdächtige wieder laufen gelassen

Gegen elf junge Männer ist ermittelt worden. Wann immer jemand verdächtigt oder beschuldigt wird, dauert es oft lange, bis er sich selber äußert (oder auch nicht), sein Anwalt womöglich Akteneinsicht beantragt und irgendwann später eine Stellungnahme abgibt. Sechs Verdächtige habe man nach diesen umfangreichen Recherchen, bei denen sogar Fingerabdrücke und DNA-Spuren am Autolack genommen und ausgewertet wurden, wieder laufen lassen müssen. „Wir haben kein Fleisch an den Fall kriegen können“, sagt Milk.

Bei den anderen fünf aber sind die Ermittler sicher, ihnen die Attacke und somit versuchte gefährliche Körperverletzung, Nötigung (das Ausbremsen des Autos) sowie Sachbeschädigung nachweisen zu können.

Allein für die gefährliche Körperverletzung sieht der Gesetzgeber einen Strafrahmen von sechs Monaten bis zehn Jahren Haft vor.

Unter den heute 23 bis 27 Jahre alten Angeklagten ist auch ein 27-jähriger Enser; seine Kumpel stammen aus Gelsenkirchen und Recklinghausen. Wie sie sich zu dieser Attacke verabredet und schließlich am Gerichtssaal getroffen haben, um die Soester abzufangen, wissen die Ermittler nicht.

Sie vermuten, die Täter haben womöglich im Vorfeld die Presseberichte über die Ausschreitungen beim Revierderby im Herbst 2013 und die Ermittlungen verfolgt.

Die beiden BVB-Ultras hatten damals (zusammen mit vielen anderen Gleichgesinnten) im Schalker Stadion mit Brachial-Gewalt im Gästeblock gewütet. Sie feuerten sogar Leuchtraketen in die Nachbarränge, in denen unbeteiligte Zuschauer, darunter auch Kinder, saßen. „Das war ein Mob!“, bescheinigte die Richterin damals den BVB-Hooligans.

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“

Die Gewalt-Exzesse im Stadion und danach die Revanche auf offener Straße belegten damals, wie tief der Hass zwischen den Ultras der beiden Bundesliga-Mannschaften sitzt. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte im Prozess 2014 Staatsanwalt Eberhard Buschmann, der die Gewaltdelikte in den Stadien seit Jahren beobachtet und die Täter zur Rechenschaft zieht.

Doch bis dato hatte Buschmann stets mit Tatorten in den Arenen und Stadien sowie im Umfeld zu tun. Dass jetzt sogar Hooligans auf die verhassten Mitbewerber nach einem Prozess losgingen und somit „Dritt-Ort-Auseinandersetzungen“ anzettelten, war selbst dem erfahrenen Fahnder völlig neu.

Quelle: wa.de

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