Neuaufnahme nur noch von Kunden mit deutschem Personalausweis

Essener Tafel: Wie beurteilen Sie Aufnahmestopp für Migranten?

+

[Update 11.27 Uhr] Essen - Nach dem Aufnahmestopp für Migranten bei der Essener Tafel hagelt es Kritik an der Entscheidung des Vereins.

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) hat den Aufnahmestopp für Migranten bei der Essener Tafel kritisiert, Ursache für den Andrang seien aber unzureichende staatliche Leistungen. 

"Ganz klar ist, was die Essener Tafel macht, ist nicht richtig. Aber dahinter steht ein größeres Problem", sagte der Leiter Sozialpolitik des NRW-Verbandes, Michael Spörke. "Die Tafeln sind Lückenbüßer dafür, dass staatliche Leistungen nicht reichen", sagte Spörke. 

Der Andrang sei deshalb groß. Die Menschen hätten dabei Ängste, wenn sie anstehen. "Das Eigeninteresse ist hoch, etwas zu bekommen." Ängste bei Älteren seien nachvollziehbar.

"Mangelnder Respekt gegenüber Frauen" beobachtet

Die Essener Tafel hatte den vorläufigen Aufnahmestopp für Migranten unter anderem damit erklärt, dass deren Anteil zuletzt bis zu 75 Prozent betragen habe. Gerade ältere Nutzerinnen der Tafel sowie alleinerziehende Mütter hätten sich von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt gefühlt, bei denen er teilweise auch "mangelnden Respekt gegenüber Frauen" beobachtet habe, hatte der Vorsitzende des Vereins, Jörg Sator, erklärt.

"Viele ausländische Mitbürger befinden sich in Notsituationen. Sie auszuschließen finde ich entsetzlich", sagte der Miguel Martin González Kliefken (CDU) vom Essener Integrationsrat der Bild-Zeitung.

Zuvor hatten die Grünen in Essen die Entscheidung der Tafel als nicht nachvollziehbar bezeichnet. "Ausschlaggebendes Kriterium dafür, wer die Tafel nutzen darf, sollte allein die nachgewiesene Bedürftigkeit der Kunden und Kundinnen sein", forderte Christine Müller-Hechfellner von der Ratsfraktion der Grünen. 

So lautet die aktuelle Mitteilung der Tafel Essen

Dass der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund an dieser Gruppe besonders hoch sei, könne auch kaum überraschen, denn diese Zahlen spiegelten die soziale Wirklichkeit in der Gesellschaft.

Das Straßenmagazin "fiftyfifty" will Abgewiesenen eine anwaltliche Unterstützung bieten. "Es ist schon schlimm genug, dass arme Menschen in einem reichen Land wie Deutschland auf Lebensmittelspenden angewiesen sind. Dass jetzt allerdings der Pass entscheidet, ob jemand etwas zu Essen bekommt, wenn er Hunger hat, ist unhaltbar und menschenverachtend", erklärte Julia von Lindern, Sozialarbeiterin bei "fiftyfifty". 

Die Essener Tafel verstoße gegen die eigenen Statuten. Die Tafel gibt Lebensmittelspenden an anspruchsberechtigte Bedürftige kostenlos weiter. Bei der Hilfsorganisation in der viertgrößten Stadt Nordrhein-Westfalens müssen sich Interessenten registrieren. 

"Da aufgrund der Flüchtlingszunahme in den letzten Jahren der Anteil ausländischer Mitbürger bei unseren Kunden auf 75 Prozent angestiegen ist, sehen wir uns gezwungen um eine vernünftige Integration zu gewährleisten, zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen", heißt es auf der Internetseite des Vereins.

Wohlfahrtsverband: Essens Tafel-Stopp spielt Rechten in die Hände 

Mit ihrem Aufnahmestopp für Migranten spielt die Essener Tafel nach Ansicht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes extremen Parteien in die Hände. 

"Natürlich kann ich nachvollziehen, dass Tafeln unter großem Druck stehen und ihre Ressourcen im Blick haben müssen", sagte Landesgeschäftsführer Christian Woltering am Freitagmorgen. "Aber Maßnahmen wie ein Aufnahmestopp sind Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten". 

Die Entscheidung widerspreche den Grundsätzen der Tafeln, sagte Woltering in Wuppertal. "Deren Ziel ist es, Bedürftigen zu helfen, unabhängig vom Pass." Nach seiner Einschätzung ist vor allem die Politik gefragt: "Migranten gehen vor allem zur Tafel, weil ihre Sozialleistungen nicht ausreichen", sagte Woltering. "Der Politik ist auch das Thema der Altersarmut bekannt und auch hier drückt sie sich vor einer Lösung." - dpa

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.