Sahnestücke des Waldes

Wertholzversteigerung: Heimisches Holz landet unter dem Hammer

Nottuln - Für edle Möbel und kostbares Furnier braucht man das beste Holz. Deswegen treffen sich Waldbesitzer, Förster und Holzhändler einmal im Jahr in Nottuln, wo die besten Hölzer Nordrhein-Westfalens versteigert werden.

„85 Zentimeter stark, eine vollholzige Walze!“, preist Auktionator Christoph Böltz im Bürgerzentrum „Schulze-Frenkings Hof“ das nächste Exponat an. Ein massives Stück Eichenholz, entsprechend hoch setzen die Gebote an. 600 Euro werden geboten, schnell klettert der Preis auf 800, 1000 Euro. 

Christoph Böltz schwingt seinen Hammer wie einen Taktstock und dirigiert die Interessenten. Beim Gebot von 1310 Euro fällt der Hammer. Eiche ist der Verkaufsschlager im Münsterland. 

Der Großteil des Sortiments stammt von der Eiche. Der Baum wächst hier besonders gut. Auch in der Soester Börde gibt es viele Stieleichen in den Wäldern, erklärt Christoph Hentschel vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Das kann Segen und Fluch zugleich sein, denn wie alle Märkte ist der Holzmarkt Trends und Moden ausgesetzt. „Eiche boomt momentan auf dem Möbelmarkt“, sagt Martin Scholz vom Regionalforstamt Soest-Sauerland. 

„Das kann sich aber schnell ändern. Wenn in zehn Jahren ein anderes Holz in Mode ist, interessiert sich niemand mehr für Eichen.“ Versteigert werden mehr als 300 Exponate und 2000 Kubikmeter oder auch Festmeter Holz. Auch Linde, Ulme und Lärche sind unter den Exponaten, allerdings nur in sehr geringen Mengen. Gemessen wird das reine Holz, Luft und Rinde zählen nicht. Geboten wird auf den Kubikmeter.

Im Holzlager bei Münster-Wolbeck lagern die Stämme, die versteigert werden. Mehr als 2 000 Kubikmeter Holz warten auf ihre neuen Besitzer. Die Käufer haben die Stämme bereits im Vorfeld inspiziert.

Erhält ein Gebot von 500 Euro den Zuschlag und besteht der Stamm aus fünf Kubikmetern Holz, kostet er also 2500 Euro. Neben dem geschäftlichen Teil läuft es auf der Versteigerung wie auf einem großen Klassentreffen ab. Man kennt sich, man scherzt und bringt sich gegenseitig auf den neuesten Stand. 

Die Waldbesitzer beraten sich mit den Förstern. Sie sind gespannt, welche Preise die Prunkstücke ihrer Holzernte erzielen werden. 

Die Waldbesitzer haben unterschiedliche Hintergründe. Zu den Landwirten gesellt sich alter Adel, viele Stämme stammen aus Grafschaften. Da es nicht möglich ist, die tonnenschweren Exponate im Bürgerzentrum vorzuführen, werden Bilder der Stämme auf eine Leinwand gebeamt. 

Trotzdem kauft niemand die Katze im Sack. Die Händler haben schon im Vorfeld das riesige Holzlager in Münster-Wolbeck inspiziert und sich die besten Stücke vermerkt. „Ich bin auf der Suche nach Raritäten. Ich brauche einen Meter Durchmesser für eine Tischplatte“, verrät Berthold Kortbus aus Ostbevern, dessen Sägewerk Holz für Luxusmöbel zurechtsägt. 

Doch auch für Furnier werden die Stämme genutzt. Es gibt nicht mehr viele Holzversteigerungen. Die meisten Holzgeschäfte werden über eine öffentliche Ausschreibung abgewickelt. Doch gerade im Bereich der Luxushölzer kommen alle gerne zusammen. Nirgendwo sonst gibt es die Prunkstücke in einer derartigen Anzahl. Und nirgendwo sonst trifft man so viele Kollegen.

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © Christoph Hentschel

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