Rekordtief für Währung

Trump-Berater Bolton: USA würden Johnsons No-Deal-Brexit „begeistert unterstützen“

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Boris Johnson am Montag bei einer Besprechung in Downing Street 10.

Boris Johnson hat den No-Deal-Breit zu einer ernsthaften Option gemacht. Nun gibt es Konsequenzen: Das Pfund rauscht in den Keller, die Briten horten. Die Regierung greift zu einer kuriosen Maßnahme.

Update vom 15. August 2019: Dem britischen Premier Boris Johnson droht nun Ungemach vonseiten der Opposition: Labour-Chef Jeremy Corbyn will Johnson bereits nach wenigen Tagen im Amt wieder stürzen - um einen No-Deal-Brexit zu verhindern und Neuwahlen zu veranlassen.

Trump-Berater Bolton: USA würden Johnsons No-Deal-Brexit „begeistert unterstützen“

Update vom 13. August 2019: Die US-Regierung befürwortet einen EU-Austritt Großbritanniens auch ohne Abkommen: Der Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, hat sich klar hinter den Brexit-Kurs des britischen Premierministers Boris Johnson gestellt.

"Wenn es einen No-Deal-Brexit gäbe, wäre dies eine Entscheidung der britischen Regierung. Wir würden diese mit Begeisterung unterstützen", sagte Bolton dem "Guardian" zufolge bei einem Besuch in London. Zuvor habe Bolton sich mit Johnson und anderen hochrangigen Vertretern der britischen Regierung getroffen.

Trump sei an einem erfolgreichen Ausstieg Großbritanniens aus der EU am 31. Oktober gelegen, sagte Bolton demnach am Montag vor Journalisten in der britischen Hauptstadt. "Wir sind bei Euch", habe er hinzugefügt. Die USA setzten außerdem auf Handelsabkommen mit Großbritannien.

Großbritannien und die USA könnten sich somit zu einer Art isolationistischen Achse entwickeln, die nationale Eigenständigkeit Kooperation und Handel vorziehen. Da passt es, dass Donald Trump ankündigte, auch legale Einwanderung in die USA zu erschweren. 

Johnsons No-Deal-Brexit: Viele Briten horten, Pfund rauscht ab - Regierung plant Gedenkmünze

Erstmeldung: London - Der No-Deal-Brexit scheint mittlerweile eine realistische Option - die Regierung des neuen Premier Boris Johnson arbeitet an einer Kampagne und will Selbstbewusstsein verbreiten. In der Bevölkerung und vor allem an den Finanzmärkten scheint die Stimmungslage jedoch ganz anders zu sein.

Angst vor dem No-Deal-Brexit: Briten horten Waren in Milliarden-Wert

So haben die Briten einer Studie zufolge aus Sorge vor einem ungeregelten Brexit bereits Waren im Wert von vier Milliarden Britischen Pfund (etwa 4,3 Milliarden Euro) gehortet. Fast jeder Fünfte habe damit begonnen, seinen Vorrat an Nahrungsmitteln, Getränken oder Arzneimitteln aufzustocken, teilte der Finanzdienstleister Premium Credit am Montag in London mit. Für die Studie wurden 1052 Verbraucher befragt, die einen Job haben.

Wer hortet, versorgt sich demnach vor allem mit Lebensmitteln (74 Prozent), gefolgt von Arzneiprodukten (50) und Getränken (46). Im Falle eines EU-Austritts ohne Abkommen rechnen viele Experten mit vorübergehenden Lieferengpässen, ausgelöst vor allem durch lange Wartezeiten für Lastwagen an den Grenzen bei Zollkontrollen.

Auch viele Unternehmen fürchten Lieferengpässe. So hatte in der vergangenen Woche die britische Pizzakette Domino's angekündigt, ihre Vorräte aufzustocken. Rund ein Drittel der Zutaten bezieht das Unternehmen aus dem Ausland, darunter Tomatensoße und Ananas.

Johnsons Brexit: Pfund sinkt auf Rekordtief - Finanzminister plant Gedenkmünze

Das britische Pfund bleibt unterdessen wegen der Sorge über die Folgen eines ungeregelten Austritts auf Talfahrt. In der Nacht zum Montag wurden für ein Pfund zeitweise nur noch 1,0724 Euro gezahlt. Dies ist der niedrigste Kurs seit dem Herbst 2009. Das Rekordtief von 1,0200 Euro für ein Pfund wurde im Krisenjahr 2008 erreicht. Zuletzt kostete ein Pfund am Montag wieder 1,0800 Euro. Auch zum US-Dollar bleibt die britische Währung auf Talfahrt. Hier wurde in der vergangenen Nacht bei 1,2015 Dollar für ein Pfund der tiefste Kurs seit Anfang 2017 erreicht.

Der britische Finanzminister Sajid Javid will einem Bericht des Sunday Telegraph zufolge eine Brexit-Gedenkmünze in Umlauf bringen. Das 50-Penny-Geldstück sollte eigentlich bereits zum ursprünglichen EU-Austrittsdatum am 29. März als limitiertes Sammlerstück herausgegeben werden. Doch der Brexit wurde mehrfach verschoben, weil sich das Parlament nicht auf das mit der EU ausgehandelte Austrittsabkommen einigen konnte. Nun soll die Münze mit der Aufschrift „Frieden, Wohlstand und Freundschaft mit allen Nationen“ nach dem Willen Javids zum neuen Brexit-Datum am 31. Oktober millionenfach in Umlauf gebracht werden.

Brexit: Johnson-Regierung riskiert Spott

Der Vorstoß aus dem Finanzministerium wird als Versuch gewertet, die Öffentlichkeit und vor allem die EU davon zu überzeugen, dass es die Regierung in London damit ernst meint. Auf den neuen Münzen sei der 31. Oktober eingeprägt. Sollte der Brexit wider Erwarten dann aber doch noch einmal verschoben werden, dürfte der Spott groß sein.

Premierminister Boris Johnson will Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union führen - „komme, was wolle“. Er droht mit einem Austritt ohne Abkommen, sollte sich Brüssel nicht auf seine Forderung nach Änderungen an dem mit seiner Vorgängerin Theresa May ausgehandelten Austrittsabkommen einlassen. Die lehnt die EU aber strikt ab. Damit wächst die Gefahr eines No-Deal-Brexits, der die Wirtschaft und viele andere Lebensbereiche schädigen würde. Bei einem ersten Stimmungstest für seine Politik hatte Johnson bereits Anfang August einen Dämpfer erhalten.

dpa/AFP/fn

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