Alter Friedhof und Schlackenhalde unter der Erdoberfläche vermutet

Archäologische Untersuchung im Siegener Schlosspark gestartet

Grabungsleiter Thies Evers zeigt die Umrisse der alten Gräber. Fotos: Tina Falkenhain

Siegen. Das Städtebauprojekt „Rund um den Siegberg“ läuft bereits auf Hochtouren. Ein Teil davon ist auch die Erweiterung des Schlossparks am Oberen Schloss. Dort wurde die Jugendherberge bereits abgerissen – und die stand wohl auf einem alten Friedhof, wie sich dieser Tage zeigt. Aber erstmal von vorn: Bevor hier die Bauarbeiten starten können, machen sich aber seit dieser Woche zunächst Archäologen ans Werk: Denn beim „Haingarten“, dem Teilstück, das künftig zum Park gehören soll, handelt es sich um ein sogenanntes Bodendenkmal.

„Wir bereiten alles vor, damit noch 2019 mit den Bauarbeiten begonnen werden kann“, erklärte Stadtbaurat Henrik Schumann bei einem Pressetermin vor Ort. Zunächst muss der Bereich aber auf eventuelle Bodenschätze untersucht werden: denn darunter befindet sich unter anderem ein Friedhof.

Zusammen mit dem Landesverand Westfalen-Lippe (LWL), der die Maßnahme betreut, wurde in Konzept für den Bereich „Haingarten“ erstellt. Dieser Bereich hinter dem Musikpavillon wurde um das Jahr 1610 zusätzlich ummauert, wie Eva Cichy, Landesverband Westfalen-Lippe – Archäologie (Außenstelle Olpe) erläutert, um sich vor Angriffen besser schützen zu können. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts seien solche Bastionen aber wehrtechnisch überholt worden – danach wurde der Bereich wahrscheinlich irgendwann zum Garten umgestaltet.

Auf diesem Gelände untersucht das Team von Grabungsleiter Thies Evers (EggensteinExca) nun erst einmal sechs kleinere Abschnitte in einer Tiefe von 1,50 Mettern nach Überbleibseln aus der Vergangenheit. Kleine Abschnitte deshalb, weil die riesigen alten Bäume auf dem Gelände erhalten bleiben sollen.

„Wir schürfen nur so tief, wie die Erde nachher auch für die Arbeiten abgetragen werden muss“, so Projektplanerin Nina Fischer. „Wie lange das Ganze dauert, kann man natürlich nicht sagen, denn das kommt darauf an, ob wir etwas finden – und wenn ja, was.“

Im Boden finden sich unter anderem alte Scherben und Pfeifenstiele, die typisch für das 17. und 18. Jahrhundert sind.

Thies Evers ergänzt: „Dass wir nichts finden werden, kann ich schon mal ausschließen.“ In einem Teil des Grundstücks, unter hohen, alten Bäumen, haben er und sein Team nämlich bereits die ersten Grabstätten jenes Friedhofs entdeckt, der laut Eva Cichy nach 1842 angelegt worden sein muss. Das belegt auch eine alte Karte aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Die Gruben könne man ganz gut an der unterschiedlichen Beschaffenheit es Bodens erkennen, erklärt Evers: Die Gräber wurden mit Schotter aufgeschüttet, eine rechteckige Form ist ist zu erkennen. Drumherum ist der Boden eher feinkörnig.

Und was passiert nun mit den Grabstätten ? Außer sie zu vermessen und alles zu dokumentieren nichts, sagt der Profi. Die Gräber bleiben unangetastet. „Es gibt keine Veranlassung, die Gräber aufzubuddeln, da sie durch die Baumaßnahmen nicht zerstört werden.“ Natürlich seinen die Gräber interessant, „aber das Ziel ist die Bodendenkmalpflege - und nicht, so viel wie möglich in kurzer Zeit auszugraben.“ Sollte das Team auf dem Gelände „Haingarten“ aber etwas finden, dass innerhalb der vorgegebenen Tiefe liegt, müsse man die Sache genauer untersuchen. Dann könne es auch sein, das Gräber gehoben oder zumindest genauer untersucht werden.

Dass sich hier „sensationelle Gräber“ mit wertvollen Grabbeigaben finden, bezweifelt Nina Fischer ohnehin – dafür sei das Gelände nicht alt genug. „Außer dem Friedhof haben wir den Hinweis, dass es eine Schlackenhalde geben soll. Das ist spannend und gehört zur Stadtgeschichte dazu.“ Das Team erhofft sich Hinweise darauf, was genau hier verhüttet wurde und wann.

Auch die Bodenstrukturen können über vergangene Zeiten Auskunft geben: In der Hand hält Thies Evers unter anderem Scherben und einen Pfeifenstiel: „Pfeifenstiele sind typisch für das 17. und 18 Jahrhundert.“ Die verschiedenen Bodenschichten werden deshalb mit kleinen Schildchen markiert und auch die Gräber bekommen eine Befundnummer.

Alles wird also für die Nachwelt festgehalten, falls in 150 Jahren eventuell wieder Archäologen Nachforschungen anstellen wollen – dann vielleicht mit viel weiter fortgeschrittener Technik als heute, wie Evers vermutet.

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