Universität als attraktiver Lehr- und Lernraum

Uni-Semesterstart: Leicht sinkende Studierendenzahlen und Start der Baumaßnahmen

So soll der zu sanierende Gebäudekomplex (Gebäudeteile AR-M, -UB, -H und –K) nach Abschluss der Arbeiten aussehen. Foto: Nattler Architekten, Essen

Siegen. Seit 2010 verzeichnet die Uni Siegen jährliche Studierendenrekorde, dieser Trend wurde nun beendet mit leicht sinkenden Einschreibungen. Allerdings bleiben die Studierendenzahlen gewohnt hoch und es wird weiterhin eng an der Uni, nicht zuletzt wegen der beginnenden Bauarbeiten am Campus Adolf-Reichwein-Straße (AR).

Die Gesamtzahl der Studierenden liegt nach bisherigen Angaben bei 19.195, das sind 2,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei den Studienanfängern hat sich die Zahl um knapp 8 Prozent reduziert, von 2687 in 2016 auf derzeit 2476.

Das vollbesetzte Audimax der Universität Siegen bei der offiziellen Erstsemesterbegrüßung. Foto: Universität Siegen

Dieser Trend sei nichts Neues, sagte Prof. Dr. Michael Bongardt, Prorektor für Studium, Lehre und Lehrerbildung. Verantwortlich für den Rückgang sei weder gesunkenes Interesse an einem Studium, noch, im Falle der Uni Siegen, die Baumaßnahmen, sondern eine bereits erwartete demografische Entwicklung. Ulf Richter, Kanzler der Universität Siegen, erläuterte, dass diese Entwicklung keine Überraschung darstelle, sondern mittels Prognosen vorhersagbar gewesen sei. Allein von der Demografie ausgehend würde die Gruppe der 18- bis 24-jährigen in den nächsten Jahren um etwa 25 Prozent zurückgehen. Allerdings sei eine Trendwende bereits langsam durch Zuzug in Aussicht.

Besonders erfreulich sei die Tatsache, dass die Gruppe der Studieneinsteiger, die zuvor bereits an einer anderen Hochschule eingeschrieben waren, gestiegen sei, so Prof. Dr. Bongardt. Dies zeige, dass sich die Studierenden explizit für die Universität Siegen entschieden haben. Starkes Interesse liege dabei auf den Lehramtsstudiengängen, die der „Renner“ unter den Einschreibungen seien. Vor allem das Grundschullehramt sei mit über 30 Prozent „überbucht“, was nicht nur den hohen Bedarf an Lehrern widerspiegele, sondern auch „den guten Ruf der Uni Siegen in der Lehrerbildung“ offenbare, sagte Bongardt.

Die Interim-Lösung für die Mensa.

In der Gesamtwertung allerdings steht der Bachelor Betriebswirtschaftslehre (BWL) auf Platz 1 der beliebten Studiengänge mit 299 Neueinschreibungen, gefolgt vom Bachelor Soziale Arbeit mit 238. BWL ist der Top-Studiengang bei den Männer und Soziale Arbeit bei den Frauen. Die Einschreibungen von internationalen Studierenden ist stabil geblieben, was aufzeige, dass die Uni Siegen im Ausland weiterhin sehr beliebt sei, so der referatsleiter des Studierenden Services Philipp Schmidt, und das obwohl Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer in Planung seien.

„Die Uni Siegen soll ein attraktiver Lehr- und Lernraum werden, mit einem Umfeld in dem man sich gerne aufhält“, sagte Kanzler Richter. Um dies zu erreichen werden in den nächsten zwei Jahren unter anderem die Mensa und die Universitätsbibliothek (UB) grunderneuert. „Es geht bei dem Projekt nicht nur um Instandhaltung, Renovierung und Kern-, beziehungsweise Teilsanierung, sondern vor allem auch um die Zukunftsfähigkeit unserer Hochschule“, hob Univ.-Prof. Dr. Holger Burckhart, Rektor der Uni Siegen, zum Baustart hervor. Die Universitäts-Bibliothek wird mit modernster Technik ausgestattet und alle Gebäude erhalten eine energetische Fassade. Der neue Look soll sowohl aufgeräumt und modern, als auch hell und freundlich auf das gesamte Stadtbild wirken. Die Campus-Modernisierung ist Teil des „Hochschulbaukonsolidierungsprogramms“ des Landes NRW. Das Siegener Projekt erhalte einen großen Teil der Fördermittel für sich, einen dreistelligen Millionenbetrag, erläuterte Kanzler Richter, es sei eines der größten im ganzen Land. Während der Bauphase stehen Interimslösungen für Mensa und Cafeteria in Containern auf dem Unigelände zur Verfügung.

„Es wird eng, wir werden alle Rücksicht nehmen müssen“, prognostizierte Detlef Rujanski, Geschäftsführer des Studierenden Werkes. Ein Drittel der Sitzplätze in der Mensa gingen verloren, es würde mit einem Rückgang der Essenszahlen von rund 20 Prozent gerechnet. Auch die Bibliothek wurde ausgelagert und auf insgesamt sechs Standorte verteilt, der Großteil der Hauptbibliothek zog in das ehemalige Möbelhaus Bald in Weidenau.

Trotz der leicht gesunkenen Studierendenzahlen, bestehe weiterhin eine Wohnungsknappheit. Die Uni Siegen weise dabei eine extrem geringe Versorgungsquote von gerade mal 5 Prozent auf, daher sei es wichtig die sozialen Aspekte, die bisher „auf der Strecke“ blieben, für die Zukunft stärker zu sichern, so Geschäftsführer Rujanski. Das studentische und universitäre Zentrum hat sich mit den Umzügen und Baumaßnahmen verlagert, jedoch konnte der AStA bereits eine positive Resonanz aus der Studierendenschaft wahrnehmen. Während der großen Erstsemestereinführung im vollbesetzten Audimax am vergangenen Montag bot sich Prof. Dr. Bongardt ein erfreulich buntes Bild neugieriger Studienanfänger, die die Uni trotz der erschwerten Rahmenbedingungen wiederbelebten.

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