Baubeginn im Mai - Eröffnung für 2020 anvisiert

Ausgrabungen an der Fundstätte "Gerhardsseifen" in Niederschelden abgeschlossen

Die Ausgrabungen an der keltischen Fundstätte Gerhardsseifen sind abgeschlossen: Im Mai soll mit dem Bau der Überdachung begonnen werden. Foto: Tina Falkenhain

Niederschelden. Für diesen Termin war festes Schuhwerk gefragt: Bürgermeister Steffen Mues erschien in Turn- und der Landrat mit Wanderschuhen, kombiniert mit dem obligatorischen Jackett – denn am Montagnachmittag ging es zu einer „Zeitreise in die Vergangenheit“. Oder genauer: Raus in den Wald, zur Ausgrabungsstätte Gerhardsseifen in Niederschelden. Die Archäologischen Arbeiten an der keltischen Fundstätte sind so gut wie abgeschlossen. Schon im Mai sollen die Arbeiten für den geplanten Schutzbau beginnen.

Aus diesem Grund hatte die Stadt Siegen Vertreter aus der Politik und der beteiligten Heimatvereine sowie Unterstützer, Förderer und Sponsoren der Fundstätte zu einer Besichtigung ins sogenannte Dreiborntal eingeladen.

Hier wurden bei archäologischen Grabungen zwischen 2009 und 2012 Verhüttungswerkstätten inklusive Öfen aus drei unterschiedlichen Epochen entdeckt: Eine aus der Eisenzeit (3. Jahrhundert vor Christus), eine aus dem Mittelalter und ein Köhlerplatz aus der Neuzeit (17. Jahrhundert vor Christus). In den vergangen Jahren wurden die Werkstätten freigelegt. Schnell war klar: Hierbei handelt es sich um eine europaweit einzigartige Fundstätte. Die beiden zuständigen Archäologen Dr. Jennifer Garner (Deutsches Bergbau-Museum Bochum) und Dr. Manuel Zeiler LWL-Archäologie für Westfalen) erläuterten die Funde und deren Funktion für die Besucher.

Bürgermeister Mues betonte noch einmal die Bedeutung der Ausgrabungsstätte für die Region: „Der wissenschaftliche Wert des Werkplatzes, kombiniert mit der guten Erhaltung gleich mehrerer Produktionsepochen, verleihen der Grabungsstelle überregionale Bedeutung. Diese einmalige Chance muss genutzt werden.“

Geplant ist, die Funde zu konservieren und an der Grabungsstätte einen Überbau zu errichten, um die historisch wertvollen Funde zu erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Funde sollen durch die Überdachung vor der Witterung geschützt werden, Besucher können sie aber von außen über zwei Öffnungen betrachten.

So soll der Schutzbau aussehen: Von außen werden die Funde für Besucher einsehbar sein.

Und dieser Plan steht nun kurz vor der Umsetzung, wie Mues berichtete. Mittlerweile ist ein Fördervertrag zwischen dem Trägerverein „Ein Siegerländer Tal“ und der NRW-Stiftung (bezuschusst das Projekt mit 150.000 Euro) unterzeichnet worden – ebenso wie ein Nutzungvertrag zwischen Trägerverein und Stadt. Durch eine notarielle Beurkundung es Erbpachtvertrags zwischen Stadt und Waldgenossenschaft Niederschelden wurden die entsprechenden Flächen an die Stadt übertragen. Derzeit laufen schon die Ausschreibungen für den Schutzbau, die Arbeiten hierfür sollen laut Mues im Mai starten, die Fertigstellung ist für September geplant. Im Frühjahr 2020 soll dann noch die Gestaltung der Außenanlagen folgen. Mues: „Wir visieren die Eröffnung für Mitte 2020 an.“

Wie Friedrich Schmidt, 1. Vorsitzender des Trägervereins berichtete, will man bis zum Ende des Jahres ein pädagogisches Konzept für Schüler und auch Touristen erstellen. In diesen Prozess möchte der Verein sowohl die Archäologen Dr. Jennifer Garner und Dr. Manuel Zeiler sowie die Uni Siegen mit einbeziehen. Auch die Betreuung für Besucher soll professionell aufgezogen und – ähnlich wie die Stadtführungen in Siegen – buchbar gemacht werden, so

Eingebettet in die historische Infrastruktur könne die Grabung „zum Höhepunkt eines archäologischen Wanderweges erwachsen“, so der Bürgermeister. Er dankte nochmals allen sechs beteiligten Heimatvereinen und Ehrenamtlichen, die für das Projekt „alle an einem Strang gezogen haben“ – und das sogar länderübergreifend, wie auch Maik Köhler, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kirchen und Ortsbürgermeister von Mudersbach betonte. Köhler versprach zudem, noch weitere Sponsoren und Fördergelder akquirieren zu wollen, um das Projekt auch von rheinland-pfälzischer Seite aus finanziell zu unterstützen.

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