"Digitalisierung ist keine Bedrohung"

"Aushängeschild für die Region": Kompetenzzentrum macht Unternehmen fit für Digitalisierung

Innovative Technologien wie diese „Hololens“-Brille sollen zukünftig in den Unternehmen in der Region zum Einsatz kommen. Foto: UTS Siegen

Siegerland. Das Vorantreiben der Digitalisierung in der Industrie ist keine Bedrohung für Arbeitnehmer, sondern soll im Einklang mit den Mitarbeitern funktionieren – diese Botschaft vermittelten die Kooperationspartner des „Kompetenzzentrum Siegen“ am Mittwochmorgen bei bei der offiziellen Eröffnung in den Räumen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen.

Das Kompetenzzentrum ging schon im Oktober 2017 an den Start mit dem Ziel, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) dabei zu helfen, die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern (wir berichteten). „Seitdem ist viel passiert“ so Geschäftsführer Dr. Thomas Ludwig. „35 Unternehmen haben sich bisher mit uns in Verbindung gesetzt.“ Derzeit befänden sich konkret acht Projekte in der Umsetzung.

Zu den digitalen Innovationen, die künftig in den Firmen zum Einsatz kommen könnten, gehört unter anderem auch eine Brille, die mit dem Prinzip der „Augmented Reality“ (erweiterte Realität) arbeitet. So könnten erfahrene Mitarbeiter ihre Arbeit auf Video aufnehmen und durch diese Brille ihr Expertenwissen an unerfahrene Kollegen weitergeben – das könne zum Beispiel beim Einrichtungsprozess bei Biegemaschinen helfen. „Durch die Brille werden die Informationen audiovisuell weitergegeben – wie eine Bedienungsanleitung“, erklärte Prof. Dr. Bernd Engel, Lehrstuhl für Umformtechnik an der Universität Siegen.

Dabei sollen die neuen Technologien aber nicht um jeden Preis im Unternehmen angewendet werden, betonte Dr. Thomas Ludwig und auch Knut Giesler ( Bezirksleiter der IG Metall NRW) weiß: „Es gibt keine Blaupause, wie Digitalisierung auszusehen hat.“ Das sei von Unternehmen zu Unternehmen ganz unterschiedlich. Dr. Ludwig: „Deshalb gehen wir über mehrere Wochen in die Betriebe, beobachten die Arbeitsabläufe und machen dort so etwas wie ein Praktikum.“ Dann erst werde zusammen mit den Mitarbeitern ein Konzept erarbeitet, dass zum Unternehmen passe. Das werde dann über einen längeren Zeitraum getestet und anschließend in die Praxis umgesetzt.

Eine Umfrage der IHK habe gezeigt, dass 86 Prozent der befragten Unternehmen in der Region erhebliche Chancen in der Digitalisierung sehen, berichtete Felix G. Hensel, Präsident der IHK Siegen. 30 Prozent fühlten sich in diesem Bereich schlecht aufgestellt – deshalb sei die Gründung des Kompetenzzentrums für die Region genau das Richtige. Das zeigten auch die hohen Anmeldezahlen für den „Markt der Möglichkeiten“, eine Informationsveranstaltung für Unternehmen, das am Mittwoch in den Räumen der IHK stattfand und für die es fast 200 Anmeldungen gegeben habe.

Arndt G. Kirchhoff (Chef der Firma Kirchhoff Automotive und Präsident des Arbeitgeberverbands Metall NRW) weiß: „Je kleiner die Betriebe sind, desto weniger haben sie sich oft um die Digitalisierung gekümmert.“ Umso wichtiger sei die Arbeit des Kompetenzzentrums in Siegen. Dessen Aufgabe sei es, das Beste aus zwei Welten – der physikalischen und der virtuellen Welt – zusammenzubringen. Natürlich würden sich die Arbeitsplätze verändern. Sie würden immer weniger produktiv, dafür würde man aber überproportional die Arbeitsplätze aufbauen, die hinter der technischen Innovation stünden.

Dirk Wiese, Parlamentarischer Staatssekretär des des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), das das Projekt fördert, betonte, das Projekt sei ein „Aushängeschild für die drittstärkste Industrieregion Südwestfalen“. Viele mittelständische Unternehmen hier seien geprägt von der Produktion von Kleinserien – sie alle hätten die qualifizierte Facharbeit gemeinsam. Man müsse die IT als Unterstützung dieser Arbeit verstehen, nicht als Ersatz. Der Fokus liege nach wie vor ganz klar auf den Menschen.

„Bei jeder industriellen Revolution hatten die Menschen Angst“, so Arndt Kirchhoff. Das sei aber der falsche Weg- Der Fortschritt sei enorm wichtig, um den Wohlstand zu halten – „wir müssen nur gucken, dass wir die Mitarbeiter mitnehmen“ und entsprechend ausbilden. „Das muss im Kindergarten beginnen und sich an der Uni fortsetzen.“ Auch die Lehrkräfte, die die veränderten Berufsbilder weitergeben, spielten eine wichtige Rolle und müssten entsprechend geschult werden. Das Kompetenzzentrum habe die Aufgabe, all diese Fachgebiete zu bündeln und zu vernetzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare