Angeblicher Vorfall in der Ortsmitte

Mädchen in Eiserfeld belästigt? Polizei schließt Verdächtigen aus

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Im Fall des angeblich belästigten Mädchen in Eiserfeld ermittelt die Polizei weiter.

[Update, Donnerstag, 16. Januar, 12.45 Uhr:] Eiserfeld - Neue Details zum Fall des angeblich belästigten Mädchens in der Eiserfelder Ortsmitte: Die Polizei teilte am Donnerstagmittag mit, dass sowohl das Mädchen als auch die Mutter zu dem Fall befragt worden sein. Zudem gab es Hinweise aus der Bevölkerung auf einen Mann, auf den die Beschreibung des 9-jährigen Mädchens zutraf. Auch ihn überprüften die ermittelnden Beamten.

Das Ergebnis laut Polizeimeldung: "Aufgrund der vorliegenden Personenbeschreibung und dadurch eingehender Hinweise aus der Bevölkerung konnte ein 35-jähriger Mann aus Eiserfeld, auf den die Beschreibung augenscheinlich zutraf, ermittelt werden. Dieser wurde nach polizeilicher Überprüfung als Verdächtiger mit Sicherheit ausgeschlossen." Man werde weiter ermitteln, hieß es abschließend.

Hinweise an die Polizei unter 0271/70990 oder an den Bezirksdienst in Eiserfeld.

Hier unsere Original-Berichterstattung zu dem Fall von Dienstag:

In Eiserfeld ist am Montagmittag offenbar ein 9-jähriges Mädchen von einem bislang unbekannten Mann belästigt worden. Die Polizei bestätigte gegenüber dem SiegerlandKurier laufende Ermittlungen. Dabei ließ sie offen, wie konkret die Gefährdung tatsächlich sei. Den öffentlichen Facebook-Eintrag der Mutter des Kindes, samt Personenbeschreibung des mutmaßlichen Täters, hält die Behörde „aufgrund der Faktenlage für bedenklich“.

Denn der Eintrag im sozialen Netzwerk hatte sich rasend schnell über die üblichen Kanäle verbreitet. Er ist mehr als 300 mal kommentiert und über 2000 mal geteilt worden. Die Mutter des Mädchens schildert in dem Post, dass ihre Tochter in der Eiserfelder Ortsmitte „von einem südländischen Kerl angegriffen“ worden sei. „Er hatte sie gepackt und wollte sie wegziehen“, ihr Kind habe sich aber „losreißen“ können. Der Mann – laut Eintrag 1,85 Meter groß, schwarze Haare, dunkle Kleidung und rote Wollmütze – sei dem Mädchen Richtung „Lindenstraße“ hinterhergelaufen, habe dabei auch seine Tasche weggeworfen. Schließlich habe die 9-Jährige nach Hause flüchten können. Zuhause habe das Kind dann der Mutter von dem Vorfall berichtet, diese hat dann die Polizei informiert. 

Polizei will Kameras auswerten

Polizeipressesprecher Michael Zell bestätigte dem SiegerlandKurier, dass die entsprechende Anzeige entgegengenommen worden sei. Die Personenbeschreibung laut Kind sei „auffällig“. „Der Mann hätte laut dieser Beschreibung eigentlich auffallen müssen“, so Zell. Nachfragen bei Geschäften in der Ortsmitte – unter anderem auch in einer Bäckerei, in der der Mann angeblich gewesen sein soll – seien aber ergebnislos geblieben. „Wir ermitteln weiter. Unter anderem werden wir auch schauen, ob wir Überwachungskameras auswerten können“, so der Pressesprecher. Eine Warnung an die Bevölkerung hielt die Polizei aktuell für nicht notwendig. 

Kritisch sieht der Polizeipressesprecher den öffentlichen Eintrag der Mutter bei Facebook. Einerseits könne er es verstehen, dass man in einer solchen Situation aufgebracht sei und Mitbürger warnen möchte. Und man sei natürlich auch froh, wenn sich Kinder nach brenzligen Situationen ihren Eltern und dann auch der Polizei – die das Kind am heutigen Dienstag noch einmal befragen möchte – anvertrauen würde. Andererseits müsse man sich darüber im Klaren sein, was ein solcher Eintrag in sozialen Netzwerken eben auch bewirken könne. 

"Deutsche wehrt euch endlich"

Und diese Auswirkungen waren am Dienstagabend zu sehen: „Baseballschläger, ohne Gnade“ schreibt Joe H., Detlev H. antwortet mit „Flammenwerfer“. Uwe D. postet ein Bild mit Gewehrmunition, verbunden mit dem Slogan „Geht ins Ohr, bleibt im Kopf“. Marc A. schreibt „den müsste man direkt zum Krüppel schlagen, ohne Vorwarnung“. Harald R. fordert: „Deutsche wehrt euch endlich“, „Uzi raus und weg mit der Scheiße“, schickt Rudi L. hinterher. „Die Jagd nach dem Drecksack ist eröffnet“, kündigt Andy F. an. Und Tim-Pia B. denkt: „Hier hilft nur noch Selbstjustiz!“ 

Am späten Dienstagabend werden diese Gewaltfantasien auch der Mutter des 9-jährigen Mädchens zu viel. „Es schweift mir hier alles zu heftig ab. Das war nicht mein Ziel.“ Anschließend sperrt sie die Kommentarfunktion unter ihrem Post.

Update Dienstag, 14. Januar, 12:25: Die Frau hat ihren ursprünglichen Post bei Facebook mittlerweile gelöscht. Screenshots liegen der Redaktion vor.

Lesen Sie dazu auch: "Der Hass des Nachbarn - Hetz-Kommentare bei Facebook"

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