Landrat Andreas Müller: „Einfach mal Danke sagen“

Mut bewiesen und Leben gerettet: 14 Alltagshelden für ihre Zivilcourage ausgezeichnet

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14 Menschen wurden in Siegen für ihre Zivilcourage ausgezeichnet. 

Siegen. Sie sind einfache Menschen - zwischen zehn und 84 Jahren alt und könnten unterschiedlicher nicht sein. Doch eins haben sie alle gemeinsam: Sie waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. „Heute geht es darum, einfach mal Danke zu sagen“, erklärte Landrat Andreas Müller jüngst im Kulturhaus Lyz.

Der Dank ging an 14 Alltagshelden, die durch ihren Einsatz Mut bewiesen und sogar Leben retteten. „Jeder trägt eine gewisse Verantwortung für die Gesellschaft“, so Müller. Dennoch sei es nicht selbstverständlich, das „Desinteresse“ an den Situationen seiner Mitmenschen zu überwinden und sich so womöglich selber in Lebensgefahr zu bringen. 

Mann vor dem Ertrinken gerettet

Doch die 14 Geehrten erkannten die Notsituationen und griffen ohne weiteres Zögern ein. So stoppte Anita Müller einen rollenden Lastkraftwagen, unter dessen Rädern sich der Fahrer des Lkw befand. Sie kletterte ins Führerhaus, drehte die Reifen des Wagens und verhinderte so den sicheren Tod des Mannes. Auch Friedhelm und sein Sohn Frank Leinung überzeugten durch ihre Zivilcourage. Sie retteten in Bad Berleburg einen Mann vor dem Ertrinken, nachdem mehrere Autos bereits an der nach Hilfe suchenden Ehefrau des Opfers vorbeifuhren. „Wären Friedhelm und Frank Leinung nicht zu der Grube gekommen, in der ich mich befand, wäre ich heute vermutlich nicht hier“, ist sich der Fast-Ertrunkene sicher. 

Wahren Mut bewiesen auch die Auszubildenden Lisa Marie Heßler und Sophie Kuhn, die einem Einbrecher das Handwerk legten. Sie erwischten ihn auf frischer Tat in der Tierarztpraxis, in der sie gerade arbeiteten, hielten ihn fest, riefen die Polizei und sicherten so die Beute. 

Einen weiteren emotionalen Fall schilderten die Eheleute Eisel. Als vergangenes Jahr ein Mann seinen Bruder und dessen Ehefrau erstach (SiegerlandKurier berichtete), griffen Konrad und Christel Eisel ein und versuchten, den Mörder zu bremsen. Auch wenn sie den Angreifer nicht aufhalten konnten, wurde auch ihr Mut durch die Ehrung belohnt. 

Jungs leisteten echte Detektivarbeit

Der „Lieblings-Fall“ von Susanne Bald, Hauptkommissarin, die neben Volker vom Hagen und Susanne Otto (ebenfalls Hauptkommissare) durch das Programm führte, ist der von vier Freundinnen. Die Schülerinnen Lara Specovius, Leonie Kneppe, Chenoa Heep und Eva Chadt wurden für die Rettung eines zweijährigen Jungen geehrt. Als sie an einem Sommertag im Freibad bemerkten, dass der Junge ins Wasser fiel und zu ertrinken drohte, zogen sie ihn aus dem Wasser und retteten ihm so das Leben. „Die Ehrung freut uns natürlich, am wichtigsten ist uns aber, dass der Junge überlebt hat“, sind sich die Freundinnen einig. 

Auch zwei Jungen, die krankheitsbedingt nicht anwesend sein konnten, überzeugten durch ihren Mut: Als Travis Weber und Max Weigel einen Unfall mit Fahrerflucht beobachteten, leisteten sie echte Detektivarbeit, so vom Hagen. Sie folgten dem Fluchtwagen mit ihren Fahrrädern und trugen so erheblich zur Polizeiarbeit bei. 

Frau schlug ihren Retter nach 42 Jahren zur Ehrung vor

Eine weitere Ehrung erhielt Alfred Berg. Er zog im Winter 1976 ein junges Mädchen aus der Sieg, die beim Spielen in den Fluss fiel. „Ein solches Ereignis vergisst man nicht so schnell“, betonte die damals fast ertrunkene Frau und schlug ihren Retter 42 Jahre nach dem Unfall für die Ehrung vor. 

Seit fast 30 Jahren präsentieren die Veranstalter des „Zoff dem Stoff“-Turniers regelmäßig Menschen, die sich durch Zivilcourage auszeichnen, und setzen so ein Zeichen für Mithilfe und Nächstenliebe. Vor etwa zehn Jahren entwickelte sich hieraus zusammen mit dem „Fußballclub Eiserfeld“, der „AOK NordWest“ und der Kreispolizeibehörde eine alljährliche Ehrung. Ziel sei es, gute Beispiele zu bringen, denen die Leute gerne folgen, anstatt „mit dem erhobenen Zeigefinger“ zu ermahnen, so Martin Büdenbender von der „AOK NordWest“. Auch Landrat Andreas Müller ist sich sicher: „Es ist wichtig, füreinander einzustehen. Nur durch das öffentliche Fördern der Zivilcourage kann ein Schneeballeffekt erzielt werden, der andere animiert zu handeln.“ Neben einer Urkunde erhielten alle Geehrten zudem einen Gutschein für eine Hubschrauberfahrt über das Siegerland. Es bleibt zu hoffen, dass auch weiterhin der Mut zur Zivilcourage belohnt wird und Menschen für ihre Nächsten einstehen.

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