Busch-Brüder in Siegens Mitte: Künstlerin Christel Lechner gestaltete Skulpturen an Neuen Ufern

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Nach der Enthüllung: v.li. Ulf Stötzel (1. Vorsitzender des Vereins Freundeskreis der Busch-Brüder), Dirigent Fritz Busch, Christel Lechner, Geiger Adolf Busch und Siegens Bürgermeister Steffen Mues. 

Siegen. Zwei prominente Persönlichkeiten der Stadt Siegen haben seit Dienstagvormittag eine neue Heimat an Siegens Neuen Ufern gefunden. Dirigent Fritz Busch (1890-1951) und sein Bruder, der Geiger Adolf Busch (1891-1952), „grüßen“ die Passanten nun in der nach ihr benannten Brüder-Busch-Straße vor dem Herrengarten-Gebäude.

Der 1. Vorsitzende des Freundeskreis der Busch-Brüder, Ulf Stötzel, Siegens Bürgermeister Steffen Mues, und Künstlerin Christel Lechner enthüllten vor zahlreichen Gästen die unübersehbaren Beton-Skulpturen. „Was lange währt, wird endlich gut“, so die in Witten lebende Bildhauerin Lechner, die durch ihre in mehreren Städten aufgestellten „Alltagsmenschen „ bekannt geworden ist.

v.l. Nils Kessler als Fritz Busch (Kontrabass), Leopold Schlüter als Wilhelm Busch (Violoncello) und Leonardo Sohrabi alias Adolf Busch (Violine).

Schon vor drei Jahren hatte Freundeskreis der Busch-Brüder den Kontakt zu Lechner aufgenommen, nachdem Schauspiel Oswald Geyer gefordert hatte, „Ihr müsst sie in die Stadt holen und sichtbar machen“. Nach einigen Diskussionen mit der Stadtverwaltung über den Standort, konnte die 69-jährige Lechner mit den insgesamt dreimonatigen Arbeiten beginnen. Damit die in der Rubensstadt geborenen Brüder einen stabilen Stand am Siegufer haben, wurden eigens Stahlrohre in die Beine hingesetzt, wie Lechner beschrieb.

„Fritz und Adolf Busch sind mit ihrer Haltung unter der Nazi-Diktatur beispielhaft für die Achtung von Freiheit und Menschenwürde eingetreten. Sie haben dafür bezahlen müssen mit dem Verlust ihrer Heimat und mit gewaltigen Brüchen in ihrer Musikerkarriere“, so Siegens ehemaliger Bürgermeister Stötzel, der sich hocherfreut über die Realisierung des Projekts zeigte.

16 Jahre nachdem Magnus Reitschuster im ehemaligen Apollo-Kino das Stück Busch-Brüder oder die Heimkehr“ uraufführte, sind Fritz und Adolf Busch nun wirklich heimgekehrt. Der Freundeskreis hatte es sich zum Ziel gesetzt, sie auch endlich in ihrer Heimatstadt bekannter zu machen.

„Fritz Busch war der bedeutendste Dirigent in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das NS-Regime nahm ihm die Heimat, zwang ihn, ins Exil zu gehen“, sagte Mues. „Hitler habe seinen Bruder Adolf als „unseren deutschen Geiger“ bezeichnet. Er habe als „jahrhundertbegabung“ gegolten, so Mues. „Sie setzten ihre moralischen Prinzipien über ihre berufliche Karriere“, was Mues bis heute bewundert. Gemeinsam mit Henner und Frieder auf der Oberstadtbrücke stünden die Brüder Busch „felsenfest für ein solidarisches Siegen, für ein Siegen der Vielfalt, der Kultur, der Weltoffenheit“, dankte Mues dem Freundeskreis für seine ganz besondere „Spende“.

Apollo-Intendant Reitschuster , der sich ein solches Denkmal in unmittelbarer Nähe seines Theaters bereits 2002 gewünscht hatte, ging in seiner Rede näher auf das Leben und Wirken der vor dem Nazi-Regime geflüchteten Brüder näher ein. „Diese beiden, die heute im öffentlichen Raum Gestalt annehmen, verkörpern das Geradlinigste und Bedeutendste, was das Siegerland hervorgebracht hat. Sie waren große Eigensinnige - in der Musik wie im Leben“, so Reitschuster.

Ohne den 2013 verstorbenen Wolfgang Burbach wäre ihre Geschichte „dem Vergessen anheimgefallen“. Der gebürtige Krombacher hatte den Nachlass gesammelt und den Hilchenbacher Kulturkreis „listig auf den Namen Gebrüder Busch getauft“. In den letzten 15 Jahren seien Fritz und Adolf Busch „in die Kultur, in die Köpfe, in das Bewussstein des Siegerlandes zurückgekehrt“, so Reitschuster über die Söhne der Stadt Siegen.

Die Zeremonie oberhalb der Stufenanlage umrahmten musikalisch Hannah Brück und Joshua Kühn sowie schauspielerisch mit einer von Linda Löbbecke einstudierten Spielszene, Leonardo Sohrabi (Adolf Busch, Violine), Nils Kessler (Fritz Busch, Kontrabass) und Leopold Schlüter (Vater Wilhelm Busch, Violoncello) allesamt Schüler der Fritz-Busch-Musikschule.

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