Siegener Verkehrsausschuss tagte 

Nach den Osterferien sollen alle Busse wieder fahren – das Personalproblem aber bleibt 

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Siegen. Wenn es am Ende der Sitzung des Siegener Verkehrsausschusses am Montag (15. April) Neues zu berichten gab, dann das: Die Busse werden nach den Osterferien wieder fahren, und zwar alle. „Stand jetzt“, so Betriebsleiter Gerhard Bettermann (Wern Group). Schon seit dem vergangenen Wochenende war es nicht mehr zu Ausfällen gekommen. An einem grundsätzlichen Problem ändert das nichts: Es gibt zu wenige Busfahrer.

Seit Februar grüßte täglich das Murmeltier in Form von gleichlautenden Mitteilungen: Weil zahlreiche Busfahrer der Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS) erkrankt waren, fielen Fahrten aus. Zu Spitzenzeiten über 200 im Gebiet des Linienbündels Siegen-Mitte an einem Tag. Nachdem Gerhard Bettermann und ZWS-Geschäftsführer Günter Padt schon in einer Zweckverbandssitzung Rede und Antwort zur personellen Situation der Wern Group gestanden hatten, ergab sich in der von der UWG beantragten Sitzung des Verkehrsausschusses am Montag nichts Bahnbrechendes, wenn die Vertreter der Fraktionen in ihrem Nachhaken auch teils durchaus hartnäckig blieben. 

190 Fahrer stehen der Wern Group (die VWS sind ein Teil derer) zur Verfügung, die täglich 161 Umläufe bedienen. Der Krankenstand zwischen 2014 und 2017 liegt bei 6,3 Prozent. Fahrten wurden verstärkt an Auftragsunternehmen vergeben, im September und im Dezember konnten die zugesagten Übernahmen von 24 Bussen aber nicht realisiert werden, die somit von der VWS aufgefangen werden mussten. Und zum 1. Mai fallen weitere fünf Umläufe aus, die eigentlich von Auftragsfirmen übernommen werden sollten. 

„Kein Motivationsproblem!“ – „Keine Märchen!“

Das Durchschnittsalter der Fahrer liegt bei 58 Jahren, die letzte Einstellung bei den VWS wurde 1995 vorgenommen. Bettermann betonte, dass bei der VWS seit dem vergangenen Jahr kein Fahrer gekündigt habe. Aus der Wern Group hätten drei aus freien Stücken zur Westerwaldbahn gewechselt, von Auftragsnehmern seien weitere 13 ebenfalls dorthin gegangen – Wohnortnähe sei der ausschlaggebende Grund gewesen. 

Nun hatten unter anderem in den sozialen Netzwerken wegen der vielen ausgefallenen Fahrten alle möglichen Gerüchte die Runde gemacht, war hier und da gar von verstecktem Streik die Rede. Gleich mehrere der Kommunalpolitiker erhoben am Montag entsprechende Vorwürfe, so etwa Ralf Knocke (Linke): Von mehreren Fahrern wisse er, dass Unzufriedenheit und Druck herrschten. Die Taktung zu eng, Pausen könnten nicht eingehalten werden, die Fahrer fürchteten Repressalien, weil „sie den Mund aufgemacht haben“. 

Gerhard Bettermann stritt das ab, und das wiederholt: „Das möchte ich mit Vehemenz zurückweisen!“ Es gebe kein Motivationsproblem, und es sei ein unsagbarer Zustand, Leuten, die krank seien, nachzurufen, sie hätten keine Lust zu arbeiten. „Jeder bei uns kann den Mund aufmachen“, müsse dann aber auch damit leben, dass seine Meinung geteilt werde. 

Einige Fahrer hatten sich öffentlich, aber anonym zu Wort gemeldet – „mit der Tüte überm Kopf“, wie Bettermann es ausdrückte: „Warum sagen die ihren Namen nicht? Das tue ich doch auch!“ Die behaupteten Dinge seien „in weiten Teilen“ schlichtweg unwahr. Bei den VWS seien die Tarifkonditionen die besten, dort aber seien die meisten Fahrer erkrankt, während bei anderen Unternehmen der Wern Group weniger Stundenlohn gezahlt werde, aber auch weniger Leute krankfeierten. Er sei seit 38 Jahren im Unternehmen, unterstrich der Betriebsleiter, „ich kenne die Leute, ich weiß, was dahintersteckt“. Ralf Knocke indes war nicht zu beeindrucken: „Ich erzähle hier keine Grimms Märchen.“ 

Fahrer aus EU-Ländern als Lösung?

Ein Weg aus der Misere? Fahrer aus Moldawien zu holen, die Idee war daran gescheitert, dass deren Führerschein überall Gültigkeit hat, nur in Deutschland nicht. Sechs aus Frankfurt angeheuerte Fahrer hatten „nicht marktübliche Vergütungsforderungen“ gestellt. Und auch weiterfahrende Ruheständler können die Tatsache, dass Busfahrer fehlen – deutschlandweit etwa 2000 – nicht wirklich abfedern. 

Fakt ist, dass mit der Abschaffung der Wehrpflicht deutlich weniger Menschen in der Lage sind, einen Bus zu bewegen, der Erwerb des Führerscheins aber locker in den fünfstelligen Bereich gehen kann. „Wer übernimmt die Kosten für die Ausbildung?“, wollte Wolfgang Könen (FDP) wissen. Zumal sich an dieser Stelle eine weitere Diskrepanz auftut: Ein Busfahrer erhält im Schnitt 14 Euro Stundenlohn, ein Gabelstaplerfahrer in der Industrie etwa 5 Euro mehr. „Wir steuern auf den Super-GAU hin, wenn Sie personell nicht gegensteuern“, warnte Günther Langer (UWG). Aufgrund der vielen Ausfälle sei mancher Verkehrsteilnehmer wieder auf seinen eigenen Pkw umgestiegen, gab er zudem zu bedenken. Ob man nicht noch mehr ausbilden könne, wollte Christian Doppler (CDU) wissen. 

In der Tat sucht die Wern Group im Moment geeignete Bewerber für zehn Ausbildungsplätze. Ebenfalls denkbar sind laut Gerhard Bettermann Weiterbildungsmaßnahmen, beispielsweise in Zusammenarbeit mit der DEKRA. Auch werde an Lösungen zusammen mit den Jobcentern in Siegen und Olpe gearbeitet: „Es scheitert nicht an Kosten für den Führerschein.“ Gemeinsam mit der Bezirksregierung Arnsberg will man zudem im EU-Ausland verstärkt nach geeigneten Fahrern suchen. „Da fehlen dann natürlich die Orts- und Sprachkenntnisse“, so Zweckverband-Geschäftsführer Günter Padt, hier müsse die öffentliche Hand mit ins Boot. 

„Der Drang zur Vollsperrung nimmt zu“

Verspätungen im Schülerverkehr, die der hauptberufliche Lehrer Florian Kraft von den Grünen anprangerte („Kann in die ersten Stunde keine Klassenarbeiten mehr legen“), gab Bettermann unumwunden zu: „Dem ist so!“ Dass aber beispielsweise auf dem Heidenberg Schulkinder ganz und gar aufgrund überfüllter Busse stehen gelassen worden seien, wie Günther Langer (UWG) berichtete, stritt er ab: „Das kann ich so nicht bestätigen.“ 

Nochmals zum Thema Pünktlichkeit: Von insgesamt 31 Baustellen im gesamten Verkehrsgebiet liegen allein im Großraum Siegen etwa 14, davon einige komplett gesperrt. Bettermann: „Der Drang zur Vollsperrung nimmt zu, und jede bedeutet Umwege.“ „Ganz spontan“ fielen ihm drei, vier Busspuren ein, die von der Politik eingerichtet werden könnten, auch wenn das eine Einschränkung des Individualverkehrs bedeute.

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