"Wir kommen jetzt in eine andere Liga"

Diakonie-Klinikum Jung-Stilling nimmt nächste Woche den zweiten Hybrid-OP in Betrieb

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Freuen sich auf die Möglichkeiten durch den zweiten Hybrid-OP: v.li Andrea Hetche-Donges, Prof. Dr. Antonio Krüger, Dr. Ahmed Koshty, Hubert Becher und Prof. Dr. Dursun Gündüz.

Siegen. Als vor rund einem Jahr der neue „Super-OP“ im Diakonie-Klinikum Jung Stilling vorgestellt wurde, hatte man bereits die Weichen gestellt und den Raum geschaffen, um eventuell in zwei Jahren über einen weiteren Hybrid-OP nachzudenken. Es ist anders gekommen.

Denn: Nach nur einem Jahr und bereits Ende kommender Woche nimmt das Stilling den zweiten Hybrid-OP in Betrieb. Ärzte und Geschäftsführung stellten gestern das zweite 1,5 Millionen Euro teure High-Tech-Gerät vor und erläuterten, warum denn jetzt doch alles so schnell ging.

Schneller als erwartet hatte der erste Hybrid-OP seine Auslastungsgrenze erreicht und mit den Neuzugängen im Ärzteteam stiegen auch die Patientenzahlen. So kamen beispielsweise Dr. Ahmed Koshty (Chefarzt Gefäßchirugie), Prof. Dr. Dursun Gündüz (Leiter Sektion Kardiologische Medizinische Klinik) sowie die Radiologieassistentin Andrea Hetche-Donges vor zwei Jahren von Gießen nach Siegen. „Bis dato gab es in unserem Bereich die modernste Technik im Uniklinikum Gießen und zahlreiche Patienten aus dem Siegerland kamen zu uns. Jetzt ist das anders herum. Die Patienten kommen aus ganz Deutschland nach Siegen“, freut sich der Chefarzt der Gefäßchirurgie, Dr. Ahmed Koshty, der 70 Prozent seiner OPs im Hybrid-OP durchführt. Nicht nur er ist von den Möglichkeiten, die der Hybrid-OP bietet, begeistert. Auch seine Kollegen der anderen Fachdiziplinen geraten ins Schwärmen. „Wir sind jetzt in einer anderen Liga und die Hybrid-Technologie hat uns auf ein neues Niveau gebracht. Wenn du weißt, das mit den bisherigen Möglichkeiten der Patient gestorben wäre und du ihn jetzt retten kannst, ist das ein zutiefst befriedigendes Gefühl“, so der Ärztliche Direktor. Dr. Peter Weib. Und Prof. Dr. Durzun Gündüz ergänzt: „Wir können jetzt Krankheitsbilder behandeln, die früher hätten Siegen verlassen müssen“, erläutert er.

Vor allem die Gefäß- und die Neurochirugie nutzen den Hybrid-OP und die robotergesteuerte, patientenschonende Technik. Damit war der erste OP schnell ausgelastet. Mit der Inbetriebnahme des zweiten „Super-OPs“ können nun auch vor allem die Trauma-Verletzungen nach Verkehrsunfällen fachübergreifend „in einem Rutsch“ hintereinander abgearbeitet werden – quasi als „All-in-one-Operation“. „Früher war das schlicht und ergreifend nicht möglich. Die fachübergreifende Zusammenarbeit zwischen Kardiologen, Gefäß-, Unfall- und Neurochirugen in einer OP ist nur durch dieses Gerät möglich und das ist sensationell“, freut sich auch Prof. Dr. Antonio Krüger, Chefarzt der Unfall- und Wiederherstellungs-Chirurgie. Diese Chance erhöhe natürlich die Patientensicherheit ungemein. Gerade für Traumapatienten nach einem Unfall sei der OP das Beste, was ihm passieren könne.

Beispiel: „Wir hatten kürzlich einen Motorradfahrer, der sich neben zahlreichen anderen Verletzungen eine Gefäßverletzung hinter dem Schulterblatt zugezogen hatte. Normalerweise dauert diese eine OP rund drei Stunden, hier im Hybrid-OP hatten wir das mit einem Stent in fünf Minuten im Griff und im Anschluss konnten die anderen Kollegen die anderen Verletzungen behandeln“, erzählt Koshty.

In Deutschland gibt es übrigens nur sechs Krankenhäuser – allesamt Unikliniken – mit zwei Hybrid-OPs.

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