Neuer Chefdirigent und Spielplan für die kommende Spielzeit vorgestellt

Dienstantritt für Nabil Shehata: Philharmonie Südwestfalen ist bereit für Neues

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Siegerland. Die Musiker der Philharmonie Südwestfalen haben ihren wohlverdienten Urlaub angetreten. Doch nach der Saison ist vor der Saison und deshalb wurde jetzt im Kreishaus das Programm der neuen Spielzeit vorgestellt.

Und nicht nur das: Der neue Chefdirigent Nabil Shehata gab sich die Ehre und plauderte über sich, das Orchester und seine Ziele. Ein Jahr lang musste die Philharmonie ohne Chef auskommen, ab September steht Nabil Shehata am Dirigentenpult. Offizieller Dienstbeginn für den „Neuen“ ist am 1. September, doch schon kurz nachdem er sich aus 200 Bewerbern durchgesetzt hatte, begannen die Gespräche mit Intendant Michael Nassauer über seine Vorstellungen und Schwerpunkte für die kommende Spielzeit. Beethovens Neunte – gemeinsam mit dem WDR-Rundfunkchor – zum Saisonstart am 19. September hat Nassauer dem neuen Chef „eher aufgezwungen“, da die Planungen schon weit fortgeschritten waren. „Alles gut, Beethoven ist einer meiner Lieblingskomponisten“, kann Shehata gut mit dieser Entscheidung leben.

Gaming-Konzert möchte Shehata selbst dirigieren

Klar ist für Shehata, dass er auch Neues ausprobieren möchte und auch das ein oder andere Mal eher unbekanntere Werke auf die Bühne bringen wird. „Wenn ich von einer Musik überzeugt bin, dann kann ich das auch auf das Orchester übertragen und die wiederum auf das Publikum. Darauf freue ich mich sehr“, blickt der neue Chef nach vorne. Apropos Überzeugung: Nabil Shehata ist ein großer Gaming-Fan und besitzt eine Playstation 4. Deshalb sei es ihm eine Herzensangelegenheit, das Videogaming-Konzert selbst zu dirigieren. „Und ich hoffe natürlich, dass ich das ein oder andere Stück meiner Lieblingspiele unterkriege“. 

Er möchte einen eigenen, individuellen Weg mit dem Orchester einschlagen und Neues ausprobieren. „Folge deinem Herzen und erfülle deine eigenen Träume. Lassen Sie sich nicht von der Gesellschaft oder dem Mainstream aus der Bahn werfen“, schreibt Shehata auf seiner Homepage. Auf den Punkt gebracht. 

"Orchester hat offen auf meine Ideen reagiert"

Zweimal hat Shehata bisher mit der Philharmonie gearbeitet und er ist positiv gestimmt. „Auch da hatte ich Neues probiert und ich habe mich sehr gefreut, dass alle sehr offen auf meine Ideen reagiert haben“, erzählt der 38-Jährige. Die Philharmonie sei ein Orchester, das verändern kann und nicht festgefahren sei. Das gefalle ihm. So hatte Shehata beispielsweise etwas an der Aufstellung „gerüttelt“ und beispielsweise die ersten und zweiten Geigen gegenüber platziert. „Und es kam keine Gegenwehr“, lächelt er. Um die Region und auch die innere Struktur des Orchesters kennenzulernen, möchte der neue Chef zahlreiche Male selbst am Pult stehen. Unter anderem wird er alle 13 Neujahrskonzerte selbst leiten. „ Das ist eine gute Gelegenheit, um mich an den Spielorten vorzustellen“, so der Berliner, der in Kürze eine Wohnung in Siegen beziehen wird. 

Shehata hat als 1. Solokontrabassist bei den Berliner Philharmonikern gearbeitet und später als musikalischer Leiter des Kammeroper München. Von diesen Stationen kennt er natürlich zahlreiche Solisten, zu denen er bis heute gute Freundschaften pflegt. „Natürlich werde ich den einen oder anderen nach Siegen holen“, kündigt er an. Zur kommenden Saison: „Wir sind wieder rappelvoll. 109 Konzerte stehen auf dem Spielplan und damit sind wir komplett ausgebucht“, freut sich Landrat Andreas Müller. Neben den zahlreichen Konzerten in Siegen und Südwestfalen gibt es erneut zahlreiche internationale Engagements. „Ich bin sehr froh, dass wir das Orchester erneut ausgelastet haben“, so Michael Nassauer. Das sei bei der Größe nicht selbstverständlich. In der Concertgebouw Amsterdam hat die Philharmonie in der nächsten Spielzeit sogar schon ihr drittes Engagament in Folge. „Da geben sich Spitzenorchester die Klinke in die Hand. Da können wir also die letzten zwei Jahre nicht allzu viel falsch gemacht haben“, grinst der Intendant abschließend. 

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