Projekt wird ausgeweitet – Faltplan und App geben Auskunft

Wo man kann, wenn man muss: Drei neue „Nette Toiletten“ in Siegen

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Astrid E. Schneider und Bürgermeister Steffen Mues vor dem Stadtplan, auf dem sämtliche kostenlosen „stillen Örtchen“ vermerkt sind. 

Siegen. Wer kennt das nicht: Man ist in der Stadt unterwegs, kauft ein – und dann weiß man nicht, wo man kann, wenn man muss. Seit 2012 gibt es deshalb auch in Siegen das Projekt „Nette Toilette“, in dem Gastronomen und Einzelhändler ihr stilles Örtchen kostenlos zur Verfügung stellen.

Inzwischen machen bundesweit 240 Städte und Gemeinden mit, davon 36 Kommunen in Nordrhein-Westfalen.

In Siegen nahm alles mit acht Partnern seinen Anfang, am Freitag präsentierten Bürgermeister Steffen Mues und Astrid E.Schneider von der Regiestelle „Leben im Alter“, die das Toiletten-Thema seinerzeit gemeinsam mit der Kontinenzgruppe Siegen angestoßen hatte, drei neue Vertragspartner: das Siegerlandmuseum am Oberen Schloss, das Café Extrablatt an der Bahnhofstraße und das K3-Citypastoral an der Koblenzer Straße. Das stellte auch seine Räume für den Termin zur Verfügung, denn, so Vikar Markus Püttmann augenzwinkernd: „Wir kümmern uns um jegliche Bedürfnisse.“

Mit dem Alten Zeughaus, dem Steakhaus El Rancho, dem Café Hesse am Kölner Tor, Küche und Bar Hackermann, Café und Bar Celona, dem Dornseifer Markt an der Leimbachstraße, dem Rathaus Weidenau und dem Technologiezentrum Siegen sind es jetzt elf „nette Toiletten“, die Bürgermeister Mues als „sympathische Ergänzung“ zu den sieben öffentlichen Anlagen sieht.

Dass deren Sympathiefaktor durchaus angezweifelt werden darf, daraus macht das Stadtoberhaupt keinen Hehl: „Sie werden zweimal am Tag gereinigt, man soll es ja nicht glauben, und befinden sich nach zwei Stunden wieder in einem desolaten Zustand.“

In anderen Nette-Toilette-Städten allerdings wurden die Bedürfnisanstalten gleich ganz geschlossen, Siegen bildet hier eine Ausnahme. Zumindest innerstädtisch stehe nun ein dichtes Netz zur Verfügung, nach Möglichkeit barrierefrei. In Weidenau hingegen „haben wir noch ein paar Lücken“, so Astrid E. Schneider, die unterstrich, wie wichtig ein solches Angebot gerade für junge Eltern ist: „Auch für Familien brauchen wir einen geschützten Ort“. Im K3 zum Beispiel steht auch ein Wickeltisch zur Verfügung. Auf welche Toiletten das noch zutrifft und welche behindertengerecht sind, das ist einem kostenlosen Stadtplan im Taschenformat zu entnehmen, von dem insgesamt 1000 Exemplare in Siegens Rathäusern, in den Bürgerbüros und in den Apotheken ausliegen. Die gleichen Informationen bietet die ebenfalls kostenfreie App „Nette Toilette“, erhältlich über Apple- und Google-Store.

„Wir haben keine negativen Rückmeldungen“, so Mues, „ich bin dankbar, dass die Gastronomen mitmachen“. Die erhalten dafür, je nach Ausstattung ihres WC, von der Stadt eine monatliche Gebühr zwischen 50 und 100 Euro. „Damit ist der Mehrbedarf, dadurch dass die Leute da nichts essen, gut abgedeckt“, findet der Bürgermeister.

Für das Projekt sind jährlich 17.500 Euro im Haushalt eingestellt. Die Stadt zahlte eine einmalige Lizenzgebühr von 2000 Euro, um das Nette-Toilette-Siegel nutzen zu können. Dieses viereckige, rote Logo kennzeichnet nun gut sichtbar alle Orte mit kostenlosem Örtchen – auch die drei neuen.

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