Hartmut Goubeaud kritisiert aber fehlenden Informationsaustausch

Erste Ergebnisse mit 65 Nutzern liegen vor: Chancen für E-Bike-Verleih stehen gut

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Hartmut Goubeaud war einer der Testteilnehmer. Hier inspiziert er sein neues E-Bike vor dem St. Marien-Krankenhaus, wo er arbeitet. 

Siegen. Den offizielle Startschuss für den knapp zweimonatigen Testlauf eines E-Bike-Verleihsystems in Siegen gaben die Wirtschaftsförderung der Stadt Siegen und das Forschungsprojekt Remonet (Regionales emobility network) der Fakultät III der Universität Siegen am 4. September 2017 (der SiegerlandKurier berichtete). Jetzt liegen die Ergebnisse des Feldversuchs mit 65 Testnutzern vor.

„Der Test war erfolgreich, da sich die Zusammenstellung der Teilnehmer erwartungsgemäß darstellte: Studierende, Arbeitspendler, Senioren und Gäste“, so Dominik Eichbaum von der städtischen Wirtschaftsförderung, der das Projekt federführend begleitet. Das Nutzerfeedback sei sehr detailliert gewesen, fast alle Teilnehmer hätten den Fragebogen beantwortet.

„Die Chancen für ein E-Bike-Verleihsystem in Siegen stehen gut. Das E-Bike kann gerade in topographisch anspruchsvollem Gelände überzeugen und den Fahrradfahrer als Teil des leichten und fließenden Verkehrs integrieren“, zeigt sich Eichbaum optimistisch.

Ein Ganzjahresbetrieb sei in Siegen aufgrund der Lage und des Klimas nicht möglich. Auf Basis der Testperiode würden derzeit Standortplanungen laufen, ein „Echtbetrieb und Demo-Standort“ solle entstehen. Im Rahmen des Modellvorhabens „emobilityhoch3“ ist im Industriegebiet Leimbachtal modellhaft eine Bike-Sharing-Station vorgesehen.

Der Siegener Hartmut Goubeaud, der in der Verwaltung des St. Marien-Krankenhauses Siegen arbeitet und bis zu 2000 Kilometer jährlich mit dem Fahrrad unterwegs ist, war einer der Testnutzer.

Der Arbeitspendler kritisiert vor allem die fehlende Kommunikation während der Testphase und den aus einer Sicht nicht für eine wissenschaftliche Auswertung geeigneten Fragebogen. „Ich bin nicht gefragt worden, wie es läuft. Im Fragebogen wurden Fragen gestellt, die nichts mit der Testphase zu tun hatten, das hätte man intensiver ausfragen können, sagt Goubeaud. Dem aufgrund mehrerer Operationen schwerbehinderten 56-Jährigen war „unklar, wo was passiert“, es hätte „keine Vernetzung unter den Teilnehmern“ stattgefunden.

Nicht auf Gefallen stießen bei Goubeaud, der sich selbst als „leidenschaftlicher Fahrradfahrer“ bezeichnet, die sehr trägen und schweren Räder ohne Gangschaltung, bei denen der Elektromotor bei einer Geschwindigkeit von 24 km/h abgeriegelt wird.

Die Tester hätten sich mit dem E-Bike des kanadischen Unternehmens Bewegen (Mischung aus Freizeitbike und Mofa) als Verleihsystem erst vertraut machen müssen, da die Verleihräder etwas schwerer als gewöhnliche Freizeiträder seien, so Eichbaum. Einige Tester hätten sich mehr als die zwei festen Verleihstationen am Kölner Tor und am Rathaus am Kornmarkt gewünscht. Zwei der insgesamt sieben mit Trommelbremse ausgestatteten Zweiräder wurden beschädigt und standen reparaturbedingt für eine Zeit nicht zur Verfügung. „Der Verleihvorgang lief problemlos. Die Nutzer mussten sich zum Teil erst mit dem Zwischenparken der Bikes außerhalb von Verleihstationen vertraut machen“, schildert Eichbaum. Bei einem technischen Defekt, Goubeaud konnte sein Rad beim Autohaus Hoppmann in Eiserfeld nicht entsperren, leistete ihm Eichbaum schnelle Hilfe.

Goubeaud, der von einer generell schlechten Fahrradsituation in Siegen spricht, würde den Ausbau der E-Mobilität „begrüßen“. Er selbst hat kürzlich über ein von seinem Arbeitgeber unterstütztes E-Bike-Leasing-Programm für Mitarbeiter ein hochwertiges Pedelec bekommen, wovon er rundum begeistert ist.

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