Festakt im Apollo-Theater und Familienfest: Arbeiterwohlfahrt feierte 100 Jahre Menschlichkeit

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Abschließende Talkrunde mit AWo-Geschäftsführer Dr. Andreas M. Neumann (2.v.li.) und Schirmherr Franz Müntefering (re.).

Siegerland. Der AWo-Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe feierte am vergangenen Wochenende gleich zweimal das 100-jährige Bestehen. Zunächst stand am Samstagabend ein Festakt im Apoll- Theater mit Mitgliedern, Mitarbeitern und geladenen Ehrengästen auf dem Programm. 

Schirmherr der Veranstaltung war der ehemalige Vizekanzler Franz Müntefering in seiner Position als Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen. Das Leben und die Person von AWo-Gründerin Marie Juchacz standen im Mittelpunkt der Feierlichkeiten. 

AWo-Kreisverbandsvorsitzender Karl Ludwig Völkel verwies in seiner Festrede als erstes auf Marie Juchacz, die im Jahr 1919 als erste Frau im deutschen Parlament sprechen durfte und im selben Jahr für die Gründung der Arbeiterwohlfahrt verantwortlich zeichnete. „So eine Heldin könnten wir heute gut gebrauchen“, mahnte Völkel mit Blick auf die Gleichstellung von Mann und Frau und den aufkommenden Rechtsruck in der Gesellschaft. Dem schloss sich Ehrengast Franz Müntefering an und erinnerte an Juchacz zentrales Anliegen der Solidarität. „Solidarität kann der Staat nicht erzwingen. Sie zeigt die Qualität einer Gesellschaft.“ Besonders hervor hob er den Auftrag der Kinder- und Jugendförderung. „Wir brauchen eine Gerechtigkeit, die vorne im Leben anfängt.“ Er lobte im speziellen die Siegener AWo-Werkstätten, die zeigten, was man alles bewegen könne. 

Die stellvertretende Siegener Bürgermeisterin Verena Böcking sah in der AWo einen „zentralen Pfeiler der sozialen Arbeit“ und die „Schnittstelle zwischen Menschen mit und ohne Behinderung“. Marie Juchacz Leben wurde im Rahmen des Jubiläums auch künstlerisch interpretiert. Das Foyer des Apollo Theaters wurde zum Ausstellungsort der Siegener Künstlerin Dr. Marlies Obier, die die Geschichte der AWo und das Leben Juchacz in Szene setzte. Hendrik Becker und Paula Stöckmann der Theatergruppe „Löwenherz“ aus Bochum brachten in „Auf Du und Du mit Marie Juchacz“ in einer intensiven und klaren Darstellung den eindrucksvollen Lebensweg der AWo-Gründerin auf die Bühne. 

Die AWo lebt von innergesellschaftlicher Solidarität, was sich durch starke ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder auszeichnet. Die Feierlichkeiten wurden somit genutzt, um zwei langjährige Mitglieder und Ehrenamtliche zu ehren. Günther Hirschhäuser hält dem AWo-Ortsverband Bad Berleburg seit mittlerweile 70 Jahren die Treue, seine Frau Herta seit 50 Jahren. Das Ehepaar hat die AWo in Bad Berleburg mit aufgebaut und ist bis heute tatkräftig und engagiert.

Das offizielle Programm wurde beschlossen mit einer Talkrunde zum Thema „100 Jahre AWo – Mission erfüllt?“. Dabei wurde erneut das Brennpunktthema Gleichstellung diskutiert und von Prof. Dr. Kerstin Ettl der Universität Siegen gemahnt die Rahmenbedingungen dafür schaffen zu müssen, zum Beispiel in Form von besserer Kinderbetreuung. Franz Müntefering rief in diesem Zusammenhang dazu auf die Gender Pay Gap aktiv zu bekämpfen. „Wenn es so viele Männer wie Frauen in Kitas gäbe, wären die Löhne längst höher.“ Es gibt also noch genug zu tun für die nächsten 100 Jahre in der Arbeiterwohlfahrt.

Die Feierlichkeiten wurden am Sonntag mit einem bunten Familienfest auf der Siegbrücke in der Innenstadt fortgesetzt. Zahlreiche Vorführungen und viel Musik wurden dem Publikum geboten. Unter anderem sorgte die Band "Hörgerät" für beste Unterhaltung. 

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