Geballtes Fachwissen gegen Krebs

Marien-Gesellschaft initiiert "Onkologisches Zentrum Siegerland"

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Dr. med. René Baumann (Chefarzt Klinik für Radio-Onkologie im St. Marien-Krankenhaus, l.) und Prof. Dr. med. Ralph Naumann (Chefarzt Klinik für Hämatologie, Medizinische Onkologie und Palliativmedizin im St. Marien-Krankenhaus) sind die Köpfe hinter dem Zentrum. 

Siegen. Krebs – eine Diagnose, die das ganze Leben verändert. Sie löst Ängste aus, wirft viele Fragen auf, ist häufig der Anfang einer langwierigen Therapie.

Betroffenen in der Region die bestmögliche Behandlung bieten, die es gibt – wohnortnah, interdisziplinär und nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen – das ist das Ziel des „Onkologischen Zentrums Siegerland“, das jetzt an den Start geht.

„Dabei handelt es sich um ein dichtes Netzwerk onkologischer Einrichtungen in Siegen und darüber hinaus“, erklärte Prof. Dr. Ralph Naumann, Chefarzt der Onkologie im St. Marien-Krankenhaus, beim Pressegespräch am Dienstag. Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. med. René Baumann, Chefarzt der Radio-Onkologie im Marien, hat er den Anstoß zu dem Projekt gegeben und die Leitung übernommen. Das Zentrum ist daher organisatorisch an das St. Marien-Krankenhaus bzw. an die Marien-Gesellschaft angedockt, jedoch sind über Kooperationsvereinbarungen viele weitere Akteure mit im Boot: das Jung-Stilling-Krankenhaus und das Kreisklinikum etwa, die Universitäten Siegen, Bonn, Gießen und Marburg, die beiden Hospize in der Region sowie zahlreiche niedergelassene Ärzte, Selbsthilfegruppen und Pflegeeinrichtungen. 

Über 30 solcher Vereinbarungen habe man bisher ausgearbeitet, etwa die Hälfte sei bereits unterschrieben, gab Zentrumskoordinator Thomas Hoof Einblick in den aktuellen Stand. Unter dem Dach des Zentrums wollen sie gemeinsam die umfassende, qualifizierte und kontinuierliche Krebsbehandlung in der Region nicht nur gewährleisten, sondern verbessern und Tumorpatienten das „Maximum an fachlicher und technischer Expertise bei der Diagnostik und Therapie“ bieten.

Damit erhalten die bereits vorhandenen Strukturen einen festen, nach außen sichtbaren Rahmen. Denn zusammengearbeitet haben die entsprechenden Stellen und Experten auch schon in der Vergangenheit, erläuterte Dr. med. René Baumann: „Eigentlich leben wir bereits seit langem das, was auf dem Papier steht.“ Mit der Etablierung des Zentrums und der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarungen könne man die formalen Bedingungen für die Zusammenarbeit nun aber auch offiziell festlegen – zum Vorteil der Patienten.

Und damit sind nicht nur die Patienten von hier gemeint: „Wir wollen auch den Patienten ein Angebot machen, die wir nicht betreuen“, so Prof. Dr. Naumann. Heißt konkret: Auch diejenigen, die sich gerne eine Zweitmeinung einholen möchten, können sich an das Onkologische Zentrum Siegerland wenden. Nach entsprechenden Untersuchungen und Besprechungen erhielten die Patienten eine Empfehlung zur weiteren Behandlung, auch Befunde würden rausgegeben, denn das gehöre sich so, meinte Prof. Dr. Naumann: „Wir wollen keine Patienten von anderen Ärzten abziehen.“ Das Zentrum solle dabei helfen, dass viele Akteure vernetzter arbeiten und kein „Papiertiger“ sein, schon gar kein „Marketingzentrum“ für die Marien-Gesellschaft.

Durch die institutionalisierte, interdisziplinäre Zusammenarbeit und den ständigen Austausch über Krankenhaus- bzw. Institutsgrenzen hinweg sollen außerdem neue Projekte und Ideen entstehen, zum Beispiel im Bereich der medizinischen Forschung, zu der das Zentrum seinen Beitrag leisten will. „Wir möchten unseren Patienten die Teilnahme an klinischen Studien ermöglichen“, so Prof. Dr. Naumann. Wie alle anderen Abteilungen des Marien-Krankenhauses ist daher auch das im vergangenen Jahr gegründete Marien-Studienzentrum Teil des Onkologischen Zentrums.

Und auch für die Ärzte selbst soll das Zentrum Vorteile bringen, könnten so doch beispielsweise Kommunikation, Fort- und Weiterbildungsangebote besser koordiniert werden. In einem medizinischen Fachbereich, der sich quasi täglich verändere, ein wichtiger Faktor, sagte Dr. Baumann.

Hans-Jürgen Winkelmann, Hauptgeschäftsführer der Marien-Gesellschaft, bezeichnete das Zentrum als „Vorgeschmack auf das, was uns in Zukunft auch in anderen Disziplinen erwartet“: nämlich die Kooperation von Kliniken und Leistungsträgern in Bezug auf eine gewisse Patientenklientel. Häufig würden die Krankenhäuser sinnlos gegeneinander arbeiten. Das Zentrum könne ein erster Baustein sein, das Miteinander zu verbessern und einfach nochmal das zu tun, worum es eigentlich geht: sich um das Wohl der Patienten kümmern.

Weitere Informationen gibt es unter www.onko-zentrum.de

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