Siegen als Paradebeispiel

Gummersbacher holten sich im Apollo Anregungen für eigenes Theater

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Gummersbachs Bürgermeister Frank Helmenstein (l.) tauschte sich mit Apollo-Intendant Magnus Reitschuster aus. 

Siegen. Vom Bespieltheater zum Beispieltheater: Außergewöhnlichen Besuch bekam am Dienstag das Siegener Apollo. 

Gummersbachs Bürgermeister Frank Helmenstein war gemeinsam mit einer Delegation von 34 Personen in die Krönchenstadt gekommen, um das Schauspielhaus am Scheinerplatz genau unter die Lupe zu nehmen. Der Grund: Die oberbergische Kreisstadt plant, ihr derzeit geschlossenes Theater umfassend zu sanieren und wieder zu öffnen – und zwar als Bespieltheater (Theater ohne eigenes Ensemble) nach Siegener Vorbild. 

Wie der Verwaltungschef beim Pressegespräch verriet, soll das Projekt im Zuge der Regionale 2025 Bergisches RheinLand realisiert werden. Am 9. Mai musste das Gummersbacher Theater nach 44 Jahren geschlossen werden – zu groß waren die entstandenen Baumängel, zu hoch der Sanierungsstau. „Doch wir wollten nicht, dass der Vorhang für immer gefallen ist“, so Helmenstein. Schließlich sei das kulturelle Angebot nicht nur ein wichtiger Standortfaktor, sondern auch ein Maßstab für das Klima, die Attraktivität und Prosperität einer Stadt. Kultur und Hochkultur dürften kein Exklusivrecht von Menschen in Großstädten sein, die Menschen im ländlichen Raum hätten genauso ein Anrecht darauf. Und so kam die Idee auf, das Theater im Rahmen des Regionale-Prozesses „wiederzubeleben“. 

Im Gespräch mit Kultur- und Wissenschaftsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, Isabel Pfeiffer-Poensgen, sei jedoch schnell deutlich geworden, dass es nicht ausreicht, nur das Gebäude einer Frischzellenkur zu unterziehen. Helmenstein: „Es war klar: die Konzepte der 70er und 80er Jahre sind vorbei und wir müssen uns auch inhaltlich neu aufstellen.“ Isabell Pfeiffer-Poensgen wusste sofort, wo sich die Gummersbacher die besten Anregungen dafür holen können: „Sie hat uns gesagt, das Referenztheater schlechthin ist das Apollo-Theater hier in Siegen.“ 

Deshalb machte sich Helmenstein zusammen mit mehr als 30 Vertretern von Politik und Verwaltung am Dienstag auf den Weg in die Krönchenstadt, um aus erster Hand zu erfahren, wie es gehen kann. Die Apollo-Verantwortlichen freuten sich sichtlich über den Besuch. Sie luden die Gäste zu einer Vorstellung der aktuellen Eigenproduktion „Der kleine Prinz“ ein und gaben ihnen anschließend bei einer Führung durchs Gebäude und einer Gesprächsrunde nur zu gern Auskunft über Idee und Konzept des Apollos. 

Der Gummersbacher Rathauschef zeigte sich überaus beeindruckt von dem, was in Siegen auf die Beine gestellt wurde. In seinen 14 Jahren, die er inzwischen Bürgermeister sei, könne er sich an kein Projekt erinnern, dass ihn nachhaltig so „geflasht“ habe, erklärte Helmenstein. Nicht nur, weil der künstlerische Anspruch so hoch sei und ein besonderer Fokus auf die Kinder und Jugendlichen gelegt werde, sondern auch aufgrund des großen bürgerschaftlichen Engagements, ideell wie finanziell. 

Dieses Lob vernahm Siegens Bürgermeister Steffen Mues natürlich mit großer Freude und auch mit Stolz. „Wir freuen uns, dass die Ministerin Siegen als Vorbildprojekt empfohlen hat und wir Hilfestellung geben können, indem wir Eindrücke verschaffen und aus dem Nähkästchen plaudern.“ Das bürgerschaftliche Engagement sei ein Grundpfeiler des Apollo-Theaters und die Mobilisierung der Siegener, das Schauspielhaus zu unterstützen, ein Erfolgsgeheimnis, bewirkt von vielen engagierten Akteuren. „Ich kann nur sagen: Haben Sie den Mut, das Projekt anzugehen und umzusetzen, weil es so wichtig ist für die Stadt und die Region“, wandte er sich an seinen Gummersbacher Amtskollegen. 

Ähnliche Worte richtete auch Magnus Reitschuster an Helmenstein. Er sei beeindruckt, mit welch großer Sorgfalt die Gummersbacher das Projekt angingen, so der Apollo-Intendant: „Es ist deutlich geworden: Sie weisen der Kunst eine Wertigkeit zu.“ Und das sei entscheidend, schließlich nutze der beste PC nichts, wenn die Software nicht stimme. Will sagen: Das Theaterhaus kann noch so schön sein – wenn das inhaltliche Programm nicht überzeugt, bleiben die Ränge leer. Daher drücke er ihnen alle Daumen für dieses große Projekt, sagte Reitschuster.

Frank Helmenstein bedankte sich abschließend bei den Siegenern für "die vielen positiven Impulse“. Auch wenn sicherlich nicht alle Dinge 1:1 übertragbar seien, gebe es doch gewisse Parallelen, an die angeknüpft werden könne. Bis zum nächsten Sommer müssen die Gummersbacher ein inhaltliches Konzept über die Neuausrichtung ihres Theaters erstellen. Wird das im Rahmen der Regionale positiv abgestempelt, sieht es gut aus für die Sanierung und Wiedereröffnung. 

Aber auch für das Apollo möchte Helmenstein künftig kräftig die Werbetrommel rühren: „Ich kann nur sagen: Leute, fahrt nach Siegen. Hier kann man lernen, wie man ein Theater zukunftsfähig aufstellen kann. Ich werde fleißig Reklame machen. Sie haben einen Fan mehr.“

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