Kampf gegen Rechts: Große Solidarität mit dem Präsidenten des DFV

Heimische Feuerwehren stehen hinter Hartmut Ziebs - Klares Statement: "Keinen Millimeter nach Rechts"

Hartmut Ziebs (li.) ist im Kreis Siegen-Wittgenstein immer ein gern gesehener Gast - hier beim Kreisfeuerwehrverbandstag 2017 in Netphen gemeinsam mit Kreisbrandmeister Bernd Schneider. 

Siegerland. Im Deutschen Feuerwehrverband (DFV) ist ein Machtkampf um den Präsidenten Hartmut Ziebs entbrannt. Fünf der sieben Vizepräsidenten haben ihm den Rücktritt nahegelegt. Hintergrund ist, dass sich Hartmut Ziebs deutlich gegen Rechtsextremismus und AfD-Einflüsse bei der Feuerwehr gestellt hatte.

Nach der Einstellung der Juristin Dr. Müjgan Percin als Bundesgeschäftsführerin habe es plötzlich deutlichen Gegenwind gegeben, erzählt Kreisbrandmeister Bernd Schneider, der auch stellvertretender Vorsitzender im Landesverband (VdF-NRW) ist. 

Zudem werde dem DFV-Präsidenten vorgeworfen, politisch nicht neutral zu sein. Ziebs hatte im September vor rechtsnationalen Tendenzen unter den Brandschützern gewarnt und gefordert, sich klar von rechtsextremen AfD-Sympathisanten unter den 1,3 Millionen Verbandsmitgliedern zu distanzieren. Dabei sagte er unter anderem: „Die teilweise rechtsnationalen Tendenzen bei der AfD sind eine Gefahr für die Demokratie. Es wäre dramatisch, wenn die Feuerwehr da reinrutscht.“ 

Die Konsequenz: Die Rücktrittsforderung und zahlreiche, bitterböse Anfeindungen. Eine Welle des Hasses, vor allem in den sozialen Medien, überrollt ihn. "Er bekommt Morddrohungen und wird derbe beschimpft. Das ist ist nicht mehr hinnehmbar", entrüstet sich Bernd Schneider im Gespräch mit dem SiegerlandKurier. 

Die Feuerwehrverbände im ganzen Land reagierten ebenfalls schockiert auf die Rücktrittsforderung und stellten sich ganz deutlich hinter Ziebs. "Noch nie war der Deutsche Feuerwehrverband so modern und innovativ wie seit der Präsidentschaft von Ziebs", sagt Schneider, der bekräftigte, dass auch die Feuerwehren im Kreis Siegen-Wittgenstein hinter ihrem Präsidenten stehen. Dies betont auch der stellvertretende Kreisbrandmeister Sebastian Reh. "Die heimische Feuerwehr steht mit allen Kommunen hinter Hartmut Ziebs", so Reh. "Wir rücken keinen Millimeter nach rechts", macht er den Standpunkt des Kreisfeuerwehrverbandes deutlich. Und auch wenn er nicht mit jedem einzelnen Feuerwehrmann oder jeder Feuerwehrfrau persönlich über dieses Thema gesprochen habe, "bin ich mir zu 100 Prozent sicher, dass die Feuerwehren in unserem Kreis hinter dem Präsidenten stehen". 

Solidarität aus Arnsberg

Auch der amtierende Regierungspräsident in Arnsberg und fünf seiner Vorgänger solidarisieren sich ausdrücklich mit Ziebs. "Er ist ein aufrechter Demokrat, der Grundentscheidungen unserer Verfassung konsequent verteidigt, und ein Verfechter eines gesellschaftlich breit verankerten Feuerwehrehrenamtes, welches von Toleranz und gegenseitiger Achtung geprägt ist. In seiner Amtszeit hat er sich mit höchstem persönlichen Einsatz für den Ausbau eines modernen Feuerwehrwesens verdient gemacht. Er erkannte bereits früh notwendige Handlungs- und Veränderungsbedarfe, um Feuerwehren zukunftsfähig zu machen. So warb er für die verstärkte Öffnung der Feuerwehren für junge Menschen, für Frauen sowie für Migrant*innen, um die personelle Ausstattungen der Feuerwehren auch in Zeiten demografischen und gesellschaftlichen Wandels sicherzustellen“, betonen der amtierende und die früheren Arnsberger Regierungspräsidenten". 

Wie geht es nun weiter? Hartmut Ziebs hat deutlich gemacht, dass er keinen Grund sehe, zurückzutreten. Sollte es jedoch bei der Forderung der fünf Vizepräsidenten bleiben, wird zu Beginn des Jahres eine Sondersitzung einberufen, auf der dann auch die Landesverbände aktiv werden wollen. "Wir in NRW werden dann unsererseits den Rücktritt der fünf Vizepräsidenten beantragen", kündigt Bernd Schneider an. Egal, wie es weitergeht, Schneider ist sicher, dass diese ganze Geschichte den Feuerwehren im ganzen Land nachhaltig schaden werde. 

Hintergrund

Noch nie ist in der Geschichte des DFV ein Abwahlverfahren eingeleitet worden. Die sechsjährige Amtszeit des Präsidenten endet 2021. Tritt Ziebs nicht zurück, können die 160 Delegierten über seine Abwahl entscheiden.

Hartmut Ziebs, der vor mehr als 40 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr in Schwelm begann, genießt international hohes Ansehen. Er ist Vizepräsident des Weltfeuerwehrverbandes und gilt als aussichtsreicher Kandidat für das Amt des Präsidenten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare