Starke Stimme im Hintergrund

Verena Heinz aus Achenbach ist Backgroundsängerin bei Helene Fischer

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Verena Heinz aus Achenbach (hinten rechts) ist seit Anfang des Jahres als Backgroundsängerin mit Helene Fischer auf Tour. 

Siegen. Alle lieben Helene Fischer. Ihre Songs kann (fast) jeder mitsingen – auch wenn viele das natürlich niemals zugeben würden („Schlager? Hör ich nicht!“). Auch ihre Tourneen sind spektakulär – die Sängerin begeistert nicht nur mit ihrer Stimme, sondern auch mit Licht-Effekten, Akrobatik, Tanz und Pyrotechnik. Sie lockte auch in diesem Jahr wahre Fan-Massen an: 30.000 bis 60.000 Fans strömten bei ihrer Tour in die Hallen und Stadien. Mittendrin statt nur dabei: Verena Heinz aus Achenbach. Die 32-Jährige ist seit Anfang des Jahres Backgroundsängerin im Tour-Team und der Beweis dafür, dass man als Sängerin nicht immer im Vordergrund stehen muss.

Für alle, die sich jetzt fragen, wie man an einen so begehrten Job kommt: Die Empfehlung eines Band-Mitglieds war letztlich ihre Chance, ihre Stimme die Eintrittkarte. „Ich kannte Krischan Frehse, den Bassisten der Band. Wir haben schon früher bei einigen Projekten zusammengearbeitet. Als ein Platz im Team frei wurde, hat er mich vorgeschlagen“, erzählt Verena, die nach ihrem Abitur am Gymnasium auf der Morgenröthe am Rotterdam Conservatorium Popgesang studiert hat und seitdem hauptberuflich als Sängerin unterwegs ist. Was aber natürlich nicht hieß, dass sie den Job schon sicher hatte: Zuerst musste sie auch mit ihrer Stimme überzeugen.

Was im „normalen“ Berufsleben das Vorstellungsgespräch ist, ist beim Gesang das Vorsingen. Man muss stimmlich einfach zusammenpassen. Also ging es für Verena nach Hamburg, wo sie zusammen mit den Background-Sängern – und mit Helene Fischer – drei Lieder gemeinsam sang. „Klar war ich nervös, aber alle Beteiligten haben es mir so angenehm wie möglich gemacht.“ Für den ersten Teil der „Arena-Tour“ gab es noch kein grünes Licht, „aber beim zweiten Teil, also ab Februar, war ich dann dabei.“ Seitdem steht sie regelmäßig auf der ganz großen Bühne und war auch bei der anschließenden Stadion-Tour im Sommer dabei.

„Mein erster Auftritt war sehr spannend, ich wusste nicht was mich erwartet und ob ich mir alles merken kann – auch die Schritte und Choreographien.“ Ein paar Fehler habe sie sicher gemacht, „aber ich glaube das war nicht auffällig. So richtig genießen konnte ich erst nach der zweiten oder dritten Show.“

Die 32- jährige Achenbacherin hat sich mittlerweile an die Menschenmassen gewöhnt und kann die Shows voll und ganz genießen.

Zu den Shows kommen zwischen 30.000 und 60.000 Zuschauer. „Es sieht einfach beeindruckend aus, aber auch ein bisschen abstrakt. Das ist schon ein Gänsehaut-Gefühl, auf der Bühne zu stehen.“

Allerdings geht’s auch mal eine Etage tiefer, und zwar nicht stimmlich: „Wir singen oft auch aus den ‘Bühnenkatakomben’, wenn zum Beispiel auf der Bühne viel Platz für Tanz und Akrobatik gebraucht wird.“ Per Bühnen-Lift werden die Sänger anschließend zurück auf die Bühne befördert – Bühnentechnik vom Feinsten. Hinter den glamourösen Show-Kulissen steckt für alle Beteiligten aber natürlich auch viel Arbeit und Vorbereitung: „Vor der Stadion-Tour haben wir drei Wochen lang zusammen geprobt.“ Drei Stunden dauert die Show, in der knapp über 20 Songs gespielt werden – die Verena natürlich in- und auswendig kennen muss, um ihren Einsatz nicht zu verpassen.

Hinzu kommt das Reisen: Mal mit Bussen, mal mit dem Flugzeug geht es von Stadt zu Stadt, wo das Team quasi aus dem Koffer lebt. An einem „ganz normalen Tourtag“ werde erstmal ganz gemütlich im Hotel gefrühstückt. „Nachmittags geht es dann auch schon in die Halle zum Soundcheck. Danach machen die, die Lust haben, manchmal noch zusammen Sport. Und nach dem Abendessen geht’s dann auch schon ab in die Maske.“

Visagist und Verwöhn-Programm? Fehlanzeige! Hier schwingt Verena höchstselbst den Make-Up-Pinsel. Beim Bühnen-Outfit gebe es zwar Vorgaben, aber die Background-Sänger haben ein Mitspracherecht. Dann geht die Show los. „An die Menschenmassen gewöhnt man sich mit der Zeit ein bisschen und man freut sich auf jeden Auftritt. Auch wenn man mal einen nicht so guten Tag hat – sobald ich auf dem Stage-Lift stehe, kommt die Energie ganz von allein.“

Ihr Highlight bei einem der Stadion-Konzerte war die Fahrt mit Helene und der Band auf einem Pick-Up im Innenraum des Stadions: „Es ist schon was anderes, wenn man auch mal die Gesichter von Nahem sieht. Das war auf jeden Fall eine coole Erfahrung.“ Auch in der Show gibt es Momente, auf die sie sich jedes Mal besonders freut: „Bei der Stadion-Tour sitzen wir zum Ende der Show mit Helene allein auf der Bühne und spielen ein Lied akustisch. Meistens wird es dann schon dunkel, das Publikum macht die Handys an, man sieht die vielen Lichter. Ich genieße es, den Moment auf der Bühne mit Leuten, die man gern hat, zu teilen.“

Ein gutes Miteinander sei überhaupt ein wichtiger Faktor. Auch die „Chefin“ setze sich oft mit ihrer Crew zusammen: „Ich denke, das ist Helene schon wichtig, dass wir auch alle zusammenkommen und dass man sich auch auf einer menschlichen Ebene kennt.“ Das sorge auch auf der Bühne für eine tolle Atmosphäre und ein gutes Zusammenspiel. Der offizielle Tour-Abschluss war vor drei Wochen in Stuttgart. Nach einer kurzen Sommerpause holt Helene Fischer an diesem Wochenende ihre krankheitsbedingt ausgefallenen Konzerte in Berlin nach. Nächste Woche geht es nach Wien und Arnhem (Niederlande).

Noch bis zum 15. September wird die Achenbacherin also mit Helene Fischer auf der Bühne stehen – danach ist erstmal Schluss mit dem Tour-Leben. Und dann? „Erstmal schlafen“, lacht Verena. „Man braucht Zuhause natürlich erstmal ein paar Tage, um sich zu akklimatisieren. Aber man nimmt auch so viel Energie und Inspiration mit.“ Die möchte sie auf jeden Fall in ihre eigenen Songs einfließen lassen, die nach der Tour erstmal wieder im Fokus stehen sollen.

Ein fester Termin steht nach ihrer Rückkehr in die alte Heimat Achenbach bereits: In der Musikschule ihres Bruders, der „Muckebude“, gibt sie am 4.Oktober zusammen mit Helen Kaiser (Background z.B. bei Mark Forster oder Matthias Schweighöfer) einen Backing-Gesang-Workshop. Hier kann sie das weitergeben, was sie während der Tour gesammelt hat. Sie weiß, dass das eine wertvolle Erfahrung für ihre Laufbahn war: „Dessen ist man sich auf jeden Fall bewusst, wenn man auf der Bühne vor den Menschenmassen steht und sieht, was diese Frau immer leistet. Das steckt an.“

Trotz eigener Projekte ist sie offen für eine weitere Tour: „Es macht auf jeden Fall Spaß, für Helene Fischer zu arbeiten. Ich würde das immer wieder machen.“

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