Lernen, wo andere shoppen

Hörsäle im 1. Obergeschoss: Die Uni Siegen zieht ins Karstadt-Gebäude

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Die Universität Siegen baut das erste Obergeschoss im Karstadt-Gebäude um und schafft dort Hörsäle und Seminarräume für den Campus Unteres Schloss.

Siegen. Einige werden vielleicht schon bemerkt haben, dass sich im Karstadt-Gebäude seit Ostern im wahrsten Sinne des Wortes einiges bewegt: Das Kaufhaus macht derzeit Platz für einen seinen künftigen Mitbewohner – die Universität Siegen. Die genauen Pläne stellten alle Beteiligten am Dienstagvormittag bei einem Pressegespräch vor.

„Wir werden heute Zeugen eines Meilensteins für das Projekt Campus Unteres Schloss“, so Ulf Richter, Kanzler der Universität Siegen. Dort, wo im Karstadt bisher Sport- und Kinderkleidung verkauft wurde, sollen irgendwann Studenten lernen und über ihren Klausuren schwitzen.

Ein großer Hörsaal, zwei kleinere und acht Seminarräume sollen im 1. Obergeschoss entstehen. 1160 Studenten können gleichzeitig Lehrveranstaltungen im Karstadt-Gebäude besuchen, wie Uni-Baudezernent Josef Boers erläuterte. Ein Foyer mit Ausblick auf den Schlossplatz ist ebenfalls eingeplant. „Alle Flächen werden mit modernster Medientechnik ausgestattet“, so Boers. Bauherrin werde die Universität, die der Eigentümergesellschaft das gesamte umgebaute Obergeschoss schlüsselfertig abkauft. 15 Millionen Euro kostet der Umbau inklusive Kaufpreis die Universität.

Als I-Tüpfelchen erhält auch die Karstadt-Fassade zum Schlossplatz hin ein „Facelift“. Die eher „rational und rustikal“ gestaltete Optik der 70er-Jahre wird klareren Strukturen weichen müssen. „Wir zeigen die einzelnen Geschosse ohne großes ,Klimbim‘“, so Architekt Rainer Oestereich-Rappaport. „Gediegen, nicht spektakulär“ solle es sein.

So soll das Gebäude nach dem Umbau von außen aussehen. Grafik: w.o. Architekten

Doch bis es soweit ist, müssen sich die Studenten noch gedulden: Zwar hat die erste Bauphase – vorbereitende Maßnahmen zur räumlichen Trennung der beiden Bereiche – schon begonnen, die Übergabe ist aber erst für 2020 vorgesehen.

Damit in einem Haus zwei Häuser entstehen können, müssen die Rolltreppen, die ins Obergeschoss führen, entfernt und die Decken geschlossen werden. Die Studenten bekommen einen eigenen Eingang. Anschließend wird die Etage komplett entkernt. Eine echte Herausforderung werde das Dach: Um der Raumhöhe für die Hörsäle gerecht zu werden, wird das alte Dach aufgeschnitten und eine hohe Stahlkonstruktion als „Haube“ eingefügt. Erst dann könne die nötige Technik hergestellt werden und der Innenausbau beginnen.

Die Bauarbeiten nutzt Karstadt, um das gesamte Haus zu modernisieren und sich dem eingeschränkten Platzangebot anzupassen. Die Sport- und Kindermode, die vorher im 1. Obergeschoss zu finden war, wird in das restliches Haus integriert. Wie Karstadt-Filialleiterin Lina Wiegmann betonte, finden alle Arbeiten im laufenden Betrieb statt: „Mir ist aber wichtig zu sagen, dass wir keinen einzigen Tag schließen werden.“

Sie freue sich auf diese Besondere Partnerschaft mit der Universität. „Wir als Karstadt sind auf einem guten Weg und entwickeln und gerade zu einem vernetzten Marktplatz.“ Die neue Präsenz der Studenten im Haus betrachte sie als belebend – deshalb soll auch das Sortiment im Laufe der Zeit behutsam für die neue Kundschaft erweitert werden. Auf Ebene des Schlossplatzes werde auch ein neues Gastronomie-Konzept umgesetzt, so Wiegmann.

Auch Bürgermeister Steffen Mues freut sich, dass das Uni-in-der Stadt-Projekt damit zu einem Abschluss kommt. „Das Thema Campus Unteres Schloss beschäftigt mich schon, solange ich Bürgermeister bin.“ Aber diese Zeit brauche Stadt- und Uni-Entwicklung eben – und auch ein wenig Glück. Der wichtigste Meilenstein in der gesamten Findungsphase sei für ihn die Veräußerung des Karstadt-Gebäudes an die Eigentümergesellschaft. „Es ist ein tolles und vorbildliches Konzept entstanden für die Innenstadtlage der Universität.“

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