Auslastung in der Industrie hoch

IHK-Konjunkturumfrage: Aufschwung verliert an Fahrt - Lage dennoch auf hohem Niveau

Nach wie vor ist die Auslastung in den Industriebetrieben sehr hoch. Archivfoto

Siegen. „Wir können sagen: Der Aufschwung geht weiter, aber er verliert an Fahrt“ – mit diesen Worten beschreibt Felix G. Hensel, Präsident der Industrie- und Handelskammer Siegen, das Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage. Rund 400 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein beteiligten sich an der Umfrage.

Der aktuelle Konjunkturbericht zeigt: In den heimischen Unternehmen herrscht nicht mehr eine ganz so gute Stimmung wie noch zu Beginn des Jahres. Dazu müsse man aber auch sagen, so Hensel, dass sich der Klimaindex zu diesem Zeitpunkt auf einem „Höchstniveau“ befunden hätte.

Anfang des Jahres gaben noch ein Drittel der befragten Unternehmen eine gute Lage an, jetzt gehe ein Fünftel in den kommenden Monaten von besseren Geschäften aus. Der Klimaindex, der Lagebeurteilungen und Erwartungen der Unternehmen zusammenfasst, ist von 137 auf 126 Punkte gesunken. „Das hat uns nicht wirklich erstaunt“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener. Nach wie vor liege man hier aber über dem langfristigen Mittel.

Dabei sei die Lagebeurteilung (von 49 auf 45 Punkte) weiterhin gut, allerdings gingen die Erwartungen deutlich nach unten: Anfang des Jahres waren es noch 27 Punkte, jetzt sind es nur noch 10.

Grund dafür seien die zunehmenden Unsicherheiten in der Weltpolitik. Vor allem der Protektionsismus habe weltweit zugenommen und sei zu einem großen Teil verantwortlich für die gedrückte Stimmung. Zum einen gebe es die durch US-Präsident Donald Trump ausgelöste Zoll- und Handelsstreitigkeiten, die die Märkte in China und den USA betreffen. Das belaste die heimische Exportunternehmen direkt oder indirekt.

„Allein der heimische Maschinenbau dürfte rund eine halbe Milliarde Umsatz in China und den USA realisieren“, so IHK-Konjunkturexperte Stephan Jäger. Ganz konkret wisse die IHK durch einen kürzlichen Austausch von einem Unternehmen im südlichen Siegerland, das direkt von den Iran-Sanktionen betroffen sei. Viele Banken seien wegen der drohenden US-Sanktionen bei der finanziellen Abwicklung äußerst zurückhaltend, die Exportchancen würden dadurch vereitelt.

Zum anderen seien auch der bevorstehende Brexit, aber auch die fehlende mittelstandsorientierte Politik der Bundesregierung ebenfalls Unsicherheitsfaktoren für die Unternehmen in Siegen-Wittgenstein und Olpe. Hensel und Gräbener sprachen hier konkret die Unternehmenssteuereform an, außerem gebe es noch immer keinen Konsens über die Umsetzung der Energiewende.

Mehr als die Hälfte aller Industriebe meldete trotz der „Abkühlung“ des Klimaindex dennoch eine gute Lage. Die Auslastung in der Branche ist weiterhin „exorbitant hoch“ – 56 Prozent meldeten eine Auslastung bis zur Spitze. Das führe vor allem auch zu steigenden Inlandsinvestitionen. „39 Prozent der Unternehmen wollen in den nächsten zwölf Monaten mehr investieren als zuvor“, so Gräbener.

In allen Branchen sinken die Erwartungen; nur im Einzelhandel klettert das Konjunkturklima laut Umfrage nach oben – „aber von einem deutlich niedrigeren Niveau, als der Rest sinkt“, betont Gräbener. Die gute Stimmung in der Branche werde vor allem durch die gute Arbeitsmarktlage bedingt: „Wir nähern uns einer Vollbeschäftigung“, so Gräbener.

Auch in der Bauindustrie sehe es weiterhin gut aus, auch wenn die Lage wegen des nahenden Winters etwas ruhiger eingeschätzt werde. Kein einziges Unternehmen habe hier eine schlechte Lage angegeben. Hier sind 83 Prozent der Betriebe bis zur Spitze ausgelastet.

Eine deutlich ruhigere Lage – wenn auch auf hohem Niveau – erwarten die Automobilzulieferer. Grund hierfür seien die Dieseldiskussion und Probleme bei der Umstellung auf den neuen Abgas-Prüfstandard WLTP (Worldwide Harmonized-Duty Vehicles Test Procedure).

Mehr als die Hälfte der Großhändler stuft die Lage als gut ein, nur sieben Prozent als schlecht. Insgesamt erwarten die Betriebe in Zukunft auf hohem Niveau einen ruhigeren Verlauf. Bei den Dienstleistern meldeten 57 Prozent eine gute Lage, vier Prozent eine schlechte.

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