Als DMSG-Reporterin aktiv

„Keiner sieht's - eine spürt's“ - Melanie Kleinschmidt klärt über ihre unsichtbare Krankheit auf

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„Seht her, genau das bin ich“ ist Melanie Kleinschmidts Lieblingsfotopose. Seit kurzem klärt sie als DMSG-Reporterin über ihre Krankheit Multiple Sklerose auf.

Breitenbach - Melanie Kleinschmidt hat Multiple Sklerose - eine Krankheit, die nicht sichtbar ist. Unter dem Motto „Keiner sieht's - eine spürt's“ klärt sie jetzt als Reporterin der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) in YouTube-Videos auf und ist mit diesem Thema auf Social Media sehr aktiv.

Ein Lächeln im Gesicht und beide Arme in den Himmel gestreckt, das ist die Lieblingsfotopose von Melanie Kleinschmidt aus Breitenbach. „Seht her, genau das bin ich“ soll diese Geste aussagen, sagt sie im Gespräch mit dem SiegerlandKurier. Was man ihr in diesem Moment nicht ansieht ist, dass sie 2012 die Diagnose Multiple Sklerose erhalten hat. Endlich, wie sie selber sagt. Hinter ihr lag bis dahin eine Odyssee von Arztbesuch zu Arztbesuch, die fast ihr ganzes Leben lang gedauert hat.

Die ersten Symptome – Schmerzen Kopfschmerzen, Ermüdungserscheinungen in Beinen und Körper – hatte sie seit ihrem neunten Lebensjahr. „Mit 25 ist mir dann aufgefallen, dass irgendwas wirklich nicht stimmt und es richtig heftig wurde“, erklärt Melanie Kleinschmidt. „Wo ich die Füße oder die Hände taub hatte, weil das ein Schub war, wovon ich aber nichts wusste. Ich hatte auch heftige Schwindelanfälle, die nicht aufhören wollten. Mit 25 bin in der Nacht einfach umgefallen, weil ich meine Beine nicht mehr gespürt habe.“

Heute ist die Mutter der zehnjährigen Luna 39 und seit kurzem als DMSG-Reportin aktiv, um ihre Geschichte anderen Betroffenen zu erzählen, über ihre Krankheit aufzuklären und Mut zu machen.

Es sei ein weiter Weg bis zur Diagnose gewesen und extrem belastend. Denn immer wenn es ihr schlecht ging, sei dies meist auf ihre Psyche geschoben worden. Nicht nur von Ärzten, sondern auch von ihrem privaten Umfeld. Ein Problem sei auch gewesen, dass vor allem spezialisierte Ärzte häufig nur in eine Richtung schauen, aber nicht das Gesamtbild sehen, so ihre Erfahrung aus dieser Zeit.

Krankheit der tausend Gesichter

„Ich hatte Symptome, die aber nicht richtig zugeordnet werden konnten“, erklärt Melanie Kleinschmidt. „Das reichte von Rückenschmerzen bis zu Depressionen. Man wird aber oft dahingestellt, als sei man ein Hypochonder. Dabei weiß ja kein Mensch genau, welche Symptome MS genau haben kann“, erklärt sie. Multiple Sklerose kann verschiedene Verlaufsformen haben, was die Erkennung erschwert. „Es ist die Krankheit der tausend Gesichter“, fasst es die 39-Jährige zusammen. Das entscheidende Puzzleteil, das letztendlich bei der Breitenbacherin zur Diagnose führte, war eine Sehnerventzündung. Erst dadurch sei ein MRT gemacht worden, bei dem die Ursache für ihre Schübe gefunden wurde.

„Ich war froh, da ich endlich wusste, dass ich es mir nicht eingebildet habe“, erklärt sie. Die Vorstellung, dass sich ein Patient über eine Diagnose freut, kann sich ein ansonsten gesund fühlender Mensch sicher nur schwer vorstellen, aber für Menschen, die auf der Suche nach Ursachen für ihre körperlichen Leiden sind, ist eine Untersuchung ohne Befund nicht immer eine von einem Arzt überbrachte „gute Nachricht“. Erst die Klarheit einer Diagnose kann das Leben verändern.

„Das ist fast wie eine Chemotherapie“

Für Kleinschmidt bedeutete ihre aber nicht, dass dadurch alles automatisch besser wurde. „Man kann dann anfangen zu behandeln, aber man muss es nicht.“ Sie selbst hat sieben Basis- und Eskalationstherapien hinter sich. „Das ist fast wie eine Chemotherapie“, erklärt Melanie Kleinschmidt. „Mir hat das eher Probleme gemacht.“ So saß sie beispielsweise als Folge länger im Rollstuhl, bekam Gallenprobleme, Zucker und Magenprobleme. Außerdem hat sie mit hohem Blutdruck zu kämpfen und musste vieles erneut erlernen. „Es muss jeder selber wissen, ob man die Therapien machen will.“ Seit dem dritten Jahr nach ihrer Diagnose nimmt sie selbst keine Therapien mehr in Anspruch. „Ich verlasse mich auf meinen Instinkt und höre jetzt besser in meinen Körper rein“, erklärt sie. „Es hat sich dann eingependelt. Habe ich einen Schub, dann nehme ich mein Kortison. Aber nicht mehr in der Höchstdosis.“ Mittlerweile nutzt sie auch pflanzliche Entzündungshemmer. „Damit kann man ganz bewusst helfen, um Schübe zu reduzieren.“

Um Stress zu vermeiden und Schüben vorzubeugen, macht Melanie Kleinschmidt, wie hier am Strand mit Tochter Luna, nur noch spontan Urlaub.

Dass Melanie Kleinschmidt mit ihrem Körper im Krieg liegt, mag von außen nicht immer sichtbar sein, denn von der Diagnose will sie sich das Leben nicht vermiesen lassen. „Ich bin total selbstbewusst geworden und mache jetzt das worauf ich Lust habe“, erklärt sie. „Man lernt mit Hindernissen anders umzugehen und wird dadurch auch entspannter.“

Trotzdem schränkt sie Krankheit im Alltag ein. „Ich bin Rentnerin, habe zwei taube Füße, eine wesentlich schlechtere Sehkraft, bin nicht mehr belastbar, habe mit Erschöpfung zu kämpfen, kann keine Bücher mehr lesen, spüre täglich Schmerzen in meinem Körper, mir ist oft schlecht vom Dauerschwindel und kann nicht mehr gut lange Strecken laufen“, sagt Kleinschmidt.

„Es geht alles, nur eben langsamer"

Trotzdem will sie sich das Leben nicht vermiesen lassen und beispielsweise Dinge mit ihrer Tochter erleben. „Es geht alles, nur eben langsamer, bedachter, mit mehr Pausen. Ob mit Stock, Rollstuhl oder Rollator. An gute Tagen laufe ich auch ohne alles, aber nur kurze Wege.“ Dann sei sie aber auch schnell fix und fertig. Nach einem Ausflug oder der Teilnahme einer Feier braucht Melanie Kleinschmidt im Anschluss schon einmal zwei bis drei Tage, um sich von der Anstrengung zu erholen.

Der einfachste Weg mit der Krankheit umzugehen liege auch in der Spontanität. „Planen tue ich gar nichts mehr“, erklärt Kleinschmidt. „Wenn ich etwas plane, dann merkt das mein Körper und es geht alles schief.“ In den Urlaub fährt Melanie Kleinschmidt daher mit ihrem Mann und ihrer Tochter seit einigen Jahren nur noch mit dem Wohnwagen. Wohin die Reise geht entscheiden sie spontan auf der Fahrt. „Meistens gucke ich nur, wo das Wetter gut ist“, sagt Melanie Kleinschmidt abschließend.

Hintergrund und Kontakt 

Als DMSG-Reporterin berichtet Melanie Kleinschmidt auf dem YouTube-Kanal der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG Community) über ihr Leben und ihren Umgang mit ihrer Krankheit. Abwechselnd mit weiteren Reportern erscheinen dort regelmäßig Videos. Außerdem ist sie auf Facebook (www.facebook.com/MelliLuna1980) oder Instagramm (melaniekleinschmidt1980). Wer Probleme hat oder sich näher über MS informieren möchte, kann sich über die oben genannten Kanäle an Melanie Kleinschmidt oder unter www.dmsg.de an die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft wenden.

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