Zuhören ohne einzugreifen

Kinderschutzbund Siegen sucht Berater für Kinder- und Jugendtelefon

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Zehn ehrenamtliche Berater kümmern sich zur Zeit um die Anliegen der Kinder- und Jugendlichen – es sollen aber noch mehr werden.

Siegen. Ein Streit mit der besten Freundin, Probleme in der Schule oder in der eigenen Familie, Liebe und Sexualität, aber auch schwerwiegende Probleme wie Mobbing, Gewalt oder Missbrauch – damit müssen Kinder und Jugendliche im Kreis Siegen-Wittgenstein nicht ganz allein fertig werden. Sie können sich telefonisch, kostenlos und vollkommen anonym an die die Berater des Kinder- und Jugendtelefons Siegen (KJT) wenden.

Rund 7000 Anrufe im Jahr werden am Siegener Standort des Kinder- und Jugendtelefons registriert. Damit die Kinder und ihre Anliegen auch weiterhin gehört werden, sucht das KJT Menschen, die sich zum ehrenamtlichen Telefonberater ausbilden lassen möchten.

Was die Ehrenamtler mitbringen müssen, erklärt Sibylle Heilmann, 2. Vorsitzende des DKSB-Kreisverbands: „Der Hauptfaktor ist die Zeit.“ Freiwillige müssten zum einen Zeit für die Ausbildung mitbringen, die insgesamt 70 Stunden umfasst, zum anderen aber auch für die Dienste. Nicht zuletzt müsse man sich auch für jeden Anrufer ausreichend Zeit nehmen.

Dafür brauche man nicht selten auch eine ordentliche Portion Humor, „aber auch viel Geduld“, erklärt Heilmann. Humor deshalb, weil man erstmal einen lockeren Kontakt zum Anrufer herstellen müsse, bevor man in die Beratung einsteigen könne. Oft werde beim ersten Anruf wieder aufgelegt. Ein Mädchen fragte nach einem Rezept, weil es einen Kuchen für seine Mutter backen wollte und es habe sogar schon den Fall gegeben, dass ein Anrufer – natürlich nicht ganz ernst gemeint – eine Pizza bestellen wollte. Genervtes Auflegen ist hier aber fehl am Platz: Es sei wichtig, auf solche Scherze locker zu reagieren. Auch so könne man Kontakte knüpfen und Vertrauen gewinnen. Eventuell wende sich der Scherz-Anrufer beim nächsten Mal dann doch mit einem ernsten Anliegen an die Berater. Deshalb gelte grundsätzlich: „Jeder Anruf ist wichtig.“

Das Konzept: Hilfe zur Selbsthilfe. Die Berater dürfen zuhören, aber nicht selbst aktiv werden: „Wir können die Anrufer nicht therapieren“, berichtet eine von derzeit zehn Beraterinnen von ihren Erfahrungen. Es sei für sie anfangs schwer gewesen zu akzeptieren, dass man nicht aktiv eingreifen dürfe.

Man könne aber da sein, die Kinder und Jugendlichen bestärken, oder ihnen Ansprechpartner für aktive Hilfe vor Ort nennen. „Wir sind eine Begleitung für eine gewisse Zeit, aber man muss lernen, dass man nichts verhindern kann“, so die 1. Vorsitzende Ingrid Freter – das gelte beispielsweise für Anrufer mit schwerwiegenden und belastenden Problemen. Deshalb sind weitere Voraussetzungen für eine Ausbildung psychische Belastbarkeit, die Fähigkeit, verständnisvoll zuhören zu können. Oft wollten die Kinder- und Jugendlichen aber auch nur, dass ihnen jemand zuhört.

Damit diese Hilfe auch weiterhin in diesem Umfang angeboten werden könne, sei man auf Freiwillige angewiesen, die das bestehende Team ergänzen bzw. vergrößern sollen. Wilkommen sind sowohl junge Menschen, die „nah dran sind an der Welt der Kinder- und Jugendlichen“, aber auch Menschen, die bereits mitten im Leben stehen und ihre Lebenserfahrung einbringen können.

„Wir wünschen uns tatsächlich mehr Männer im Team“, so Sibylle Heilmann. Denn tatsächlich zeige die Erfahrung, so Silvia Stoitner, Päd. Fachkraft und Koordinatorin für das KJT, dass mehr Jungs als Mädchen anrufen. Der Grund dafür sei, dass Jungs sich ihren Freunden nicht in dem Maße anvertrauen, wie es bei Mädchen er Fall sei.

Info: Alle Details zur Ausbildung gibt es im Infokasten (siehe unten) oder online unter www.kinderschutzbund-iegen.de

Ausbildung zum Berater

- Die neue Ausbildung beginnt im Februar 2019; Kontakt bei Interesse und für die Teilnahme an einem unverbindlichen Kennenlerntermin: Tel. 0271/3300506; gs@kinderschutzbund-siegen.de

- Inhalte der Ausbildung: Theorie und Praxis der Beratung, Gesprächsmethoden (Übungen in er Gruppe), Reflexion, Hospitation

Umfang: 2 Wochenenden; 6 Samstage à 6 Stunden, 10 Stunden Hospitation

- Dienste: 2 Telefondienste ìm Monat (jeweils 2 bis 2,5 Stunden), regelmäßige Supervisionen sowie Fort- und Weiterbildungen

- Zertifizierung erfolgt nach der praktischen Beratungstätigkeit von zwei Jahren

- Einen Teil der Ausbildungskosten müssen Interessenten selber tragen. Hierbei handelt es sich um einen einmaligen Beitrag von 120 Euro

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