Fachkräftemangel wird als größtes Risiko bewertet

IHK-Konjunkturbericht: Gute Wirtschaftslage, Optimismus lässt jedoch nach

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Das heimische Baugewerbe "brummt" nach wie vor. 

Siegen. Die IHK Siegen befragte 454 heimische Unternehmen und präsentierte die Ergebnisse am Freitag in ihrem Konjunkturklimaindex. Der ergibt sich aus Lagebeurteilung und subjektiven Erwartungen der Unternehmen.

In der Herbstumfrage 2018 brach der bisherige Aufwärtstrend ein auf 126. In diesem Jahr fiel er um weitere 3 Punkte, der Trend geht also nach unten. Dennoch kein Grund zur Sorge für IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener, diese Zahlen gäben noch „keine krisenhafte Einschätzung“ her. Gerade mal 5 Prozent der an der Umfrage beteiligten Unternehmen bewerteten ihre Lage als schlecht, die Hälfte stehe gut da. 

Warum dennoch die Erwartungen für die Zukunft sanken, sei dem Fachkräftemangel und den zunehmenden Unsicherheiten auf den internationalen Märkten geschuldet, so Klaus Gräbener. Über alle Branchen hinweg wurde der Fachkräftemangel als größtes Risiko für die Zukunft angesehen. 

DieIndustrie als wichtigster Wirtschaftszweig der Region, der nahezu die Hälfte aller Arbeitsplätze stellt, konnte in ihrer Lagebeurteilung den zweithöchsten Stand der letzten zehn Jahre erreichen. 

Dennoch, so Gräbener, sei eine zurückhaltende Beurteilung geboten, angesichts internationaler Krisenherde und Unsicherheiten in der Exportentwicklung. Ein Fünftel der Unternehmen musste sinkende Auftragseingänge aus dem Ausland vermelden. Diese Entwicklung sei den durch die US-Regierung ausgelösten internationalen Zoll- und Handelsstreitigkeiten, der nachlassenden Konjunktur in China, dem wachsenden Protektionismus und dem bevorstehenden BREXIT geschuldet. 

Eine Auswirkung auf den Arbeitsmarkt sei dabei noch nicht zu befürchten, zwei Drittel der Unternehmen rechnen mit einer gleichbleibend hohen Beschäftigtenzahl, 27 Prozent planen ihr Personal aufzustocken. „Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt dürfte sich also auch im Jahr 2019 insgesamt weiter fortsetzen“, schätzte Felix G. Hensel. 

Im Baugewerbe „brummt es nach wie vor“, sagte Gräbener. Hier gaben drei Viertel der Betriebe eine gute Lage an, 90 Prozent erwarteten gleichbleibend gute Geschäfte und immerhin 8 Prozent ein besseres Ergebnis. 

Ebenfalls positiv fiel die Beurteilung des Dienstleistungsgewerbes aus. Knapp die Hälfte der Unternehmen konnte gestiegene Umsätze verzeichnen und damit erhöhten sich auch die Erwartungen. 27 Prozent der Unternehmen rechneten mit weiterhin steigenden Umsätzen, damit einher ging eine erwartete Steigerung der Beschäftigtenzahl. 

Einzelhandel fällt in der Lagebeurteilung deutlich ab

Nur der Einzelhandel in unserer Region fiel bei der Lagebeurteilung deutlich ab. Innerhalb der letzten zehn Jahre gingen dem Kreis 900 Unternehmen verloren. Nur noch rund 32 Prozent der Einzelhändler schätzten ihre Lage als „gut“ ein, ein Verlust von zehn Prozentpunkten im Vergleich zur Herbstumfrage. Obwohl das „Damokles Schwert des Online-Handels“ über den Händler schwebe, seien die Erwartungen aber überraschend positiv, so Klaus Gräbener. 21 Prozent von ihnen gingen von einem guten Frühjahresgeschäft aus. 

Die Großhändler berichteten, trotz BREXIT und Handelssanktionen von positiver Kauflaune, bestätigte IHK-Referatsleiter Stephan Häger. Mehr als die Hälfte von ihnen schätzt die Lage als „gut“ ein, aber auch hier sind auf Grund der internationalen Marktstreitigkeiten die Erwartungen für das kommende Jahr geschwächt. 

Insgesamt wurden IHK-Präsident Hensel und Klaus Gräbener nicht müde zu wiederholen, dass die Ausgangslage außerordentlich gut sei und der dezente Abstieg in den Erwartungen keinen Grund zur Sorge bereite.

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