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Literatur-Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk liest in Siegen: Ort und Zeit geändert

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Olga Tokarczuk hast den Nobelpreise für Literatur 2018 gewonnen. 

Siegen. 2018 wurde kein Nobelpreis für Literatur vergeben - nun gibt es gleich zwei Medaillen: Geehrt werden der Österreicher Peter Handke und die Polin Olga Tokarczuk. Sie liest morgen, 11. Oktober, in Siegen. 

Olga Tokarczuk gehört zu den renommiertesten Schriftstellerinnen Polens. Am 11. Oktober macht sie auf dem Weg zur Buchmesse in Frankfurt und im Rahmen einer großen Lesereise auch in Siegen halt. Aus Platzgründen wird die Veranstaltung kurzfristig von der Villa Sauer in das benachbarte neue Seminargebäude der Universität Siegen verlegt: Sie findet nun ab 20 Uhr statt im Seminargebäude „S“ im Obergraben 25, 57072 Siegen. Tokarczuk liest aus ihrem bislang größten und vielleicht bedeutendsten Werk „Die Jakobsbücher“.

Die Lesung wird in Kooperation von Polonica nova – einer Lesereihe mit polnischer Literatur, der Stabstelle für Wissenschaft in der Stadt der Universität Siegen und der Philosophischen Fakultät der Uni Siegen veranstaltet. Der Eintritt ist frei. Als Moderatorin und Dolmetscherin fungiert Dr. Natasza Stelmaszyk (Polonica nova). Die deutsche Übersetzung des Buches liest Anna Maria Weber.

Olga Tokarczuk wurde 1962 in Sulechów geboren. Sie studierte Psychologie in Warschau und lebt heute in Breslau und in den polnischen Bergen. Ihr nun in deutscher Übersetzung erschienener, preisgekrönter Roman „Die Jakobsbücher“ handelt von der historischen Figur Jakob Frank. Als Anführer einer mystischen Bewegung will er seinem Volk, den osteuropäischen Juden, den Eintritt in die Moderne ermöglichen. „Die Geschichte von Jakob Frank ist so erstaunlich, dass man es kaum glauben kann, dass sie tatsächlich geschehen ist“, sagt Olga Tokarczuk selbst.

Die Autorin zeichnet hier das vielseitige Porträt eines kontroversen Protagonisten und zeigt reale und fiktive Einblicke in die krisenhafte Lebenswirklichkeit an der Schwelle zu unserer Zeit. Es ist ein europäischer Groß-Roman, der uns einen Spiegel vor Augen hält. „Die Jakobsbücher“ ist ein historischer gut recherchierter Roman, der aber vor allem von unserer Gegenwart erzählt. Tokarczuk zeigt uns, wer wir sind, woher wir kommen und was uns auch heute ausmacht. Die Psyche der Protagonisten wie auch die der Leser spielen in ihren Werken eine besondere Rolle. Doch ihr geht es nicht nur um die Menschen – ihre Werke sind auch ein starkes ökologisches Manifest und ein Appell an unsere Vernunft. Über nicht immer leichte Themen spricht sie in einer zugleich starken wie auch sehr poetischen, schönen, wohltuenden und hypnotisierenden Sprache. Sie selbst ist ein aufmerksamer Zuhörer und ein angenehmer, publikumsnaher Gesprächspartner.

Einige von Olga Tokarczuks international ausgezeichnete Romanen (u.a. Man Booker International Prize, polnischer Nike-Literaturpreis, Brücke-Berlin-Preis) wurden in 25 Sprachen veröffentlicht und sorgen auch aufgrund ihrer politischer Aussagen immer wieder für Aufsehen.

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