"Medizin neu denken": Projektpartner sehen Chance auf Neuausrichtung 

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Siegen. Die Partner des Modellvorhabens „Medizin neu denken“ – die Universitäten Bonn und Siegen sowie die vier Siegener Kliniken (Diakonie-Klinikum Jung-Stilling, DRK-Kinderklinik Siegen, das Kreisklinikum Siegen und St. Marien-Krankenhaus Siegen) – haben die Begutachtung des Wissenschaftsrats zur Kenntnis genommen und Stellung bezogen. 

Hervorzuheben sei die positive Bewertung der grundlegenden Idee, die Zukunft der medizinischen Versorgung ländlicher Räume unter den Vorzeichen von Demografie und Digitalisierung zu gestalten. „Die grundsätzliche Anerkennung der Idee des Projekts freut uns sehr. Dies motiviert uns, perspektivisch einen wertvollen Beitrag für die Verbesserung der zukünftigen Versorgung in ländlichen Räumen leisten zu können. Gleichzeitig nehmen wir die kritischen Punkte und Empfehlungen des Wissenschaftsrats sehr ernst. Es gilt nun, entsprechende Veränderungen im Projekt vorzunehmen und gemeinsam Lösungen zu finden, um eine Zukunftsperspektive noch nachhaltiger zu gestalten“, erklären die Projektpartner. 

Der Wissenschaftsrat erkennt für den Abschluss des Kooperationsstudiengangs „Humanmedizin Bonn-Siegen“ am Standort Siegen noch keine ausreichende wissenschaftliche Qualität. „Die im Gutachten formulierte Kritik ist wertvoll für die weitere Entwicklung und zugleich nachvollziehbar angesichts der Dimension des Projekts. Einige der im Bericht aufgeführten Maßnahmen sind bereits umgesetzt worden – beispielsweise die Einrichtung eines Kuratoriums und eines wissenschaftlichen Beirats für das Projekt. Der Aufbau wissenschaftlicher Qualität gemäß dem Anspruch an eine universitäre Medizin benötigt jedoch Zeit, das Commitment aller Beteiligten und letztendlich auch gesicherte finanzielle Ressourcen“, erklären die Projektpartner. 

Der gemeinsame Studiengang in Bezug auf die humanmedizinische Ausbildung in Siegen sei fraglich. Seitens des Wissenschaftsministeriums und der beiden Universitäten gebe es erste Überlegungen, das Medizinstudium über die komplette Dauer des Studiums in Bonn anzubieten und mit Wahlmodulen aus Siegen zu ergänzen.

„Die beteiligten Universitäten und Fachbereiche beraten derzeit in enger Abstimmung mit der Landesregierung, die zu ziehenden Konsequenzen und weiteren Schritte. Eine vielversprechende Möglichkeit könnte darin bestehen, den gesamten Studiengang nach Bonn zu verlagern und in Zusammenarbeit mit dem Standort Siegen zukunftsrelevante Ausbildungsmodule im Bereich der digitalen Medizin und landärztlichen Versorgung anzubieten. Die Studierenden des Studiengangs Humanmedizin Bonn-Siegen werden auf jeden Fall ihr Medizinstudium abschließen können. Das Land wird die dafür notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellen", heißt es in einer weiteren Stellungnahme der Universität Bonn. 

Die Projektpartner wollen das Gutachten des Wissenschaftsrats und die Einschätzungen des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft (MKW) gemeinsam analysieren und geeignete Schlussfolgerungen daraus ziehen. „Wir sehen trotz der vor uns liegenden Herausforderungen eine große Chance, das Konzept im Hinblick auf die Erforschung innovativer Versorgungskonzepte und die Ausbildung von Medizinerinnen und Medizinern neu auszurichten. Wir sind bereit, uns weiterhin mit vollem Engagement einzubringen“, erklären die Projektpartner abschließend. 

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