NRW-weit bislang einmaliges Projekt 

Regionales Handwerk und Kunden sollen auf neuer Internetseite leichter zusammenfinden

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Motivtorte gesucht? Auto kaputt? Kratzer im Lack? Dach undicht? Auf www.meister-suche.de sollen Menschen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe künftig schnell buchstäblich naheliegenden Handwerker finden.

Kreisgebiet. Zugegeben, mit dem Laptop wurde noch kein Dach gedeckt, mit der Maus noch kein Teig angerührt. Das Thema Digitalisierung macht trotzdem auch vor dem Handwerk nicht Halt, und sei es, damit man es findet. Die Internetseite www.meister-suche.de soll künftig regionale Betriebe und potentielle Auftraggeber zusammenbringen.

Die Sparkassen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe und die Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd stellten jetzt ihr gemeinsames, bislang in NRW einmaliges Projekt vor. Auf www.meister-suche.de sind die über 1.400 Unternehmen aus den 21 heimischen Innungen mit ihren Stammdaten gelistet: Name, Adresse, Telefonnummer, Standort. 

Wer jetzt zum Beispiel „Bäcker“ und „Siegen“ eingibt und den Radius um 5 Kilometer erweitert, stößt auf neun Einträge. Wer den Begriff „Motivtorte“ in die Suchleiste schreibt, erntet allerdings derzeit noch eine „0“. Denn um das Portal mit Leben zu füllen und damit über den Standard eines bloßen Nachschlagewerks ähnlich der Gelben Seiten hinauszuheben, ist die Mitarbeit der Betriebe selbst gefragt. 

Jürgen Haßler, Frank Clemens, Karl-Uwe Büthof, Günter Zimmermann und Wilhelm Rücker, Vorstand der Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden (v.l.)  stellten das neue Internetportal vor. 

Sie sind aufgerufen, hier individuelle Profile anzulegen: indem sie ihre Kernleistungen, besonders die „Spezialitäten“ in Schlagworten auflisten, ihr Logo hinterlegen, ihre eigene Internetseite verlinken, vielleicht einen kleinen Imagefilm einbinden. Ein Tutorial-Video soll bei alledem helfen. Die reinen Betriebskosten für die Plattform übernehmen die Sparkassen, das über die Stammdaten hinausgehende Profil kostet jährlich 50 Euro, die zum einen Umweltprojekten, zum anderen der Fachkräftesicherung zugute kommen sollen. 

Seite soll intelligenter werden

Maik Waidmann, Geschäftsführer der Agentur „neun a“ aus Olpe erklärt: „Die Seite soll immer intelligenter werden.“ Gemeinsam mit Mario Grunau (Leiter Marketing Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden) hat er das Portal aufgebaut und betreut es auch. Waidmann weiß, dass nicht jeder Handwerksbetrieb über eine eigene Website verfügt. Gerade für diese Unternehmen sei das neue Portal ein Weg, trotzdem mit aktuellen Daten online zu sein. 

Außerdem könne man so für alle 1.400 Betriebe gleichzeitig schnell auf Änderungen im Algorithmus reagieren, schneller, als die einzelnen Unternehmen das selbst bewerkstelligt bekämen. So sollen die Betriebe durch ein besseres Google-Ranking und Suchmaschinenoptimierung profitieren. Günter Zimmermann, Vorstand der Sparkasse Siegen, blickte zurück auf die in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 mit einem Förderkreditprogramm begonnene Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft und betonte: „Unsere Aufgabe ist es, das Handwerk vor Ort zu unterstützen.“ 

Nun haben diese Handwerksbetriebe in der Regel nicht über Langeweile zu klagen. Für Maik Waidmann ist es deshalb eine Überlegung wert, ihnen Hilfestellung, beispielsweise beim Erstellen von Logos, anzubieten, wenngleich sie ihre Daten selbst einpflegen müssen.

Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung

Jürgen Haßler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd, ist Feuer und Flamme für die neue Internetseite und möchte bei den Mitgliedern offensiv dafür werben. Eine solche Suche sei immer sein Traum gewesen, das Ganze sei schön umgesetzt, „darauf sind wir wirklich stolz“. 

Kreishandwerksmeister Frank Clemens warb außerdem fürs Weiterdenken: „Im Moment geht es dem Handwerk ganz gut“, doch gelte es, einer künftigen Eintrübung vorzubeugen. Auch Karl-Uwe Bütof, im NRW-Wirtschaftsministerium Leiter der Abteilung „Innovation und Märkte“, weiß um die derzeit vollen Auftragsbücher, gab jedoch zu bedenken, dass bei zurückgehender Konjunktur der Wettbewerb wieder eine Rolle spielen werde. Dabei hätten kleine und mittlere Betriebe in NRW in Sachen Digitalisierung erheblichen Nachholbedarf: „Wer nicht mitmacht, wird abgehängt – das ist durchaus eine Mahnung!“ 

Die Sparkassen selbst wollen sich mit ihrem eigenen „Handwerk“ einbringen: zum Beispiel durch die Finanzierung größerer Aufträge mittels Beratung zu staatlichen Förderprogrammen oder durch Kreditvergabe. 

  • Beteiligt an www.meister-suche.de sind neben der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd im Einzelnen die Sparkassen Attendorn-Lennestadt-Kirchhundem, Burbach, Finnentrop, Olpe-Drolshagen-Wenden, Siegen und Wittgenstein. 
  • Von der Idee zu diesem Portal bis zu dessen Verwirklichung vergingen etwa zwei Jahre, ein Zeitraum, der den Verantwortlichen zufolge unter anderem dem Sammeln der Daten geschuldet ist. 

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