"Ich wollte ihr nicht weh tun"

Tochter mehrfach missbraucht? Angeklagter legt Teilgeständnis ab

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In Handschellen wurde der Angeklagte vor Gericht führt.

Winterberg/Arnsberg - Ein Teilgeständnis legte der 50-jährige Angeklagte aus Winterberg am zweiten Verhandlungstag vor der Großen Strafkammer als Jugendschutzkammer am Landgericht Arnsberg ab. Er gab die fünf Anklagepunkte hinsichtlich des schweren sexuellen Missbrauchs und der Herstellung kinderpornografischer Dateien in bestimmten Situationen im Zeitraum von Sommer 2016 bis Februar 2019 sowie den regelmäßigen Konsum von kinderpornografischen Fotos inklusive Online-Tausch (45.000 Dateien wurden auf seinen Datenträgern gefunden) zu. Die Durchführung des tatsächlichen Aktes stritt er jedoch ab.

„Ich wollte das alles nicht. Nach der Hausdurchsuchung wollte ich mich in einer Garage vergasen. Das hat trotz Jägermeister und Schlaftabletten nicht geklappt. Ich bin beide Male wieder wach geworden“, so der mutmaßliche Vergewaltiger, der sich bereits 2015 und 2018 aufgrund von Depressionen in Therapie begeben hatte.

"Ich wusste, dass das nicht okay ist"

Vor Gericht berichtete der Angeklagte am zweiten Hauptverhandlungstag über seine intakte Kindheit und erzählte bereitwillig, dass er sich mit 15 Jahren erstmalig für das weibliche Geschlecht interessiert habe. „Plötzlich merkte ich dann aber, dass ich mich auch für kleine Mädchen interessierte. Ich wusste, dass das nicht okay ist. Im Internet bin ich schließlich auf Kinderpornografie gestoßen.“

Es folgten eine gescheiterte erste Ehe, heftiger Drogenkonsum über einige Jahre und immer wieder das Downloaden und Löschen kinderpornografischer Dateien. „Als ich 1997 meine zweite Frau kennenlernte, hörte ich mit den Drogen und auch mit den Kinderpornos in den ersten Jahren auf. Durch eine zwischenzeitliche Trennung konsumierte ich dann aber wieder kinderpornografische Dateien. Ich nahm dann irgendwann meine Tochter als attraktives Mädchen wahr, habe mir aber über die Tragweite keine Gedanken gemacht. Ich wollte ihr nicht weh tun.“ 

Lesen Sie hier die Berichterstattung zum ersten Verhandlungstag

Der 50-Jährige hatte sich laut eigener Aussage aufgrund von Depressionen in die LWL-Klinik Warstein begeben. In seiner Vernehmung vor Gericht räumte er Aufnahmen mit seiner Tochter ein, die einen sexuellen Akt suggerieren sollten: „Das war aber nur für ein Foto gedacht. Ich war nie glücklich damit, pädophil zu sein und habe mich nur an sie rangedrückt. Sobald meine Tochter ‚Aua’ sagte, habe ich aufgehört.“

Seit 1993 Kinderpornos konsumiert

Streicheleinheiten nackt im Ehebett, das Ablichten der Taten, das Abspeichern von rund 60 Fotos seiner Tochter in eindeutigen Stellungen sowie das Fotografieren und „Begaffen“ von kleinen Mädchen aus der Nachbarschaft wurden nunmehr explizit vor der Großen Strafkammer erörtert. Der Angeklagte, der das Internet als „Büchse der Pandora“ bezeichnete, gab zu, seit 1993 Kinderpornos konsumiert zu haben, um so seine pädophile Neigung zu befriedigen.

In der anschließenden Vernehmung seiner Ehefrau schilderte diese ausführlich, dass sie zwar vom zwanghaften Trieb des Angeklagten Kenntnis hatte, aber es für sie völlig undenkbar gewesen sei, dass er die eigene Tochter missbrauche. „Wir haben uns 1997 kennengelernt, 2004 geheiratet. Überschattet wurde unsere Ehe durch die Erkenntnis, dass er pädophil ist. Ich wusste das von Anfang an mit den kinderpornografischen Fotos“, so die Mutter des missbrauchten Kindes. 

Erzwungene Therapie ohne Erfolg

Wiederkehrende entdeckte Fotos auf Datenträgern und eine „erzwungene“ Therapie mit dem Ziel, „kein Täter werden“, führten jedoch nicht zu dem erhofften Erfolg. Im Gegenteil, durch geschriebene Briefe an die Mutter lässt sich das weitere Ausmaß erahnen, denn das kleine Mädchen spricht in ihren Schreiben bereits von den Sexualstraftaten ihres Vaters seit 2014 – die Anklage geht von 2016 aus. „Jeden zweiten Abend beim ins Bett gehen sagt sie: ‚Das war nicht schön, was Papa gemacht hat’. Ich nehme sie dann in den Arm und sage ihr, das wird nie wieder passieren, du bist nicht schuld“, so die Mutter, die auch als Nebenklägerin auftritt.

In der darauffolgenden Vernehmung eines der besten Freunde des Angeklagten erklärte dieser vor Gericht: „Wir kennen uns seit über 30 Jahren, haben früher viel zusammen gemacht. Das hätte ich ihm nie zugetraut. Ich wusste zwar von seinen Neigungen, habe aber immer nur gedacht er ist ein ,Gucker‘. In unseren Chatverläufen habe ich ihn damit aufgezogen. Auch wenn er die Mädchen aus der Nachbarschaft angeschaut und Fotos gemacht hat, ich dachte immer, er ist zu feige für mehr.“ 

Kripobeamter: "Eindeutiger sexueller Missbrauch"

Der ermittelnde Kripobeamte aus Meschede, bescheinigte vor Gericht anhand der gefundenen Fotos: „Ich bin seit Jahren in dem Bereich tätig. Der Angeklagte hat aus meiner Sicht den sexuellen Missbrauch eindeutig vollzogen.“

Der dritte Verhandlungstag findet am 5. September um 12.30 Uhr im Landgericht Arnsberg statt.

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