"Wie in einem Blutrausch" - Grund für Streit war Wohnung in Teheran

Mord an Bruder und Totschlag an Schwägerin: 63-Jähriger gesteht Tat

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In seiner Einlassung am Donnerstag gestand der 63-jährige Angeklagte (Mitte), am 11. November 2017 seinen Bruder und seine Schwägerin in Oberdielfen umgebracht zu haben. Reue zeigte er aber keine.

Siegen. Es war ein Verbrechen, das viel Aufsehen erregt hatte: Im vergangenen November war in Oberdielfen ein Ehepaar auf offener Straße umgebracht worden (der SiegerlandKurier berichtete). Als Tatverdächtigen hatte die Polizei damals den Bruder des männlichen Opfers festgenommen. 

Am Donnerstagmorgen begann vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Siegen der Prozess gegen den 63-Jährigen. Die Anklage lautet Mord am Bruder und Totschlag an der Schwägerin. Grund für das Verbrechen war wohl ein familiärer Streit um eine Wohnung in Teheran. Der Iraner gestand die Tat. 

Laut Staatsanwaltschaft fuhr der Mann seinen Bruder am Vormittag des 11. November 2017 vor dessen Haus in Oberdielfen mit einem Pkw an. Bei der Attacke zog sich das Opfer einen Trümmerbruch im Bein und Kopfverletzungen zu. Anschließend – so die Anklage – stach der Täter mit einem Messer mehrfach auf seinen Bruder und dessen aus dem Haus eilende Ehefrau ein. Der 78-jährige Mann starb noch am Tatort, seine 64-jährige Frau wenig später im Krankenhaus. 

Angeklagter zeigte keine Reue

In seiner Einlassung gab der Angeklagte zu, das Verbrechen begangen zu haben, Reue zeigte er jedoch keine. Emotionslos, kühl und sachlich berichtete er ausführlich, was sich an diesem Novembermorgen zugetragen hatte. Demnach sei er nach Wilnsdorf gefahren, in der Hoffnung, dort seinen Bruder anzutreffen und ihn bezüglich eines Appartements in Teheran zur Rede zu stellen. 

Der Angeklagte war der Ansicht, sein 16 Jahre älterer Bruder hätte die Wohnung, die eigentlich ihm gehörte, „heimlich und hinterhältig“ an sich gerissen. Im September 2014 hatte der 63-Jährige die Wohnung für 400 Millionen Toman an seine Geschwister verkauft. Sie sei daraufhin auf seinen Bruder übertragen worden, das Geld sei aber nie auf seinem Konto eingegangen, so der Angeklagte. 

Auf seiner Fahrt habe er den Bruder gesehen, ihn gerufen und ihm zugewunken. Doch der habe sich in sein Auto gesetzt und sei weggefahren. Daraufhin sei er ihm bis zu dessen Haus in Oberdielfen gefolgt. „Er hat mich gesehen, ich dachte, er kommt zu mir ans Auto“, berichtete der Iraner in gebrochenem Deutsch. Doch stattdessen habe sein Bruder mit dem Zeigefinger gestikuliert und sich dem Kofferraum zugewandt. Weil der 78-Jährige dort früher immer ein Stück Holz gehabt habe, habe er sich bedroht gefühlt, so der Angeklagte. „Da hab ich die Nerven verloren und Gas gegeben. Es war der Anfang von einer Aktion ohne Kopf.“ 

Er sei auf das Auto seines Bruder aufgefahren, angeblich, um ihn daran zu hindern, an den Kofferraum zu gelangen. Dass er dabei nicht nur das Auto, sondern auch seinen Bruder traf, habe er nicht bemerkt. Anschließend habe er – selbst verletzt – in seinem Pkw das Messer gesucht, das er dort immer zur Essenszubereitung deponiert hatte, und damit mehrfach auf seinen Bruder eingestochen. 

"Wie in einem Blutrausch"

Als er sich wieder ins Auto gesetzt hatte, sei seine Schwägerin aus dem Haus gekommen. Auch auf sie habe er eingestochen, immer wieder sei er ihr hinterhergelaufen, „wie in einem Blutrausch“. Bis schließlich eine „mutige ältere Dame“ gekommen sei und ihn am Kragen gepackt habe. "Dann war alles zu Ende." 

Auf die Frage von Richterin Elfriede Dreisbach, warum er nicht weggefahren sei, als er sich bedroht gefühlt habe, antwortete der Angeklagte: "Das hätte bedeutet, die Ungerechtigkeit zu akzeptieren und Angst zuzugeben.“ Das sei für ihn ausgeschlossen gewesen, er habe sich an seinem Bruder, dem „gierigen Geier“, rächen wollen, "Auge um Auge". Eigentlich habe er eher an einen finanziellen Ruin gedacht und nicht an Tod. Aber er habe auch davon geträumt, ihn mit Schnitten im Gesicht zu verletzen. 

Laut Gericht hatte der Angeklagte seinen Bruder und seine Schwägerin bereits im Vorfeld der Tat mehrfach bedroht. Er habe immer wieder angerufen und einmal auch einen Farbbeutel auf das Auto des Bruders geworfen. Das spätere Opfer hatte daraufhin bei der Polizei Anzeige gegen den 63-Jährigen erstattet. 

Sohn der Opfer als Nebenkläger im Gerichtssaal

Der Sohn des getöteten Ehepaares verfolgte die Verhandlung sichtlich mitgenommen als Nebenkläger. Immer wieder standen ihm Tränen in den Augen. Das Gericht hat noch acht weitere Verhandlungstermine angesetzt. Weiter geht es am 29. Mai. Ein Urteil wird für den 20. Juni erwartet. 

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