Rudi Greulich erinnert sich: Siegerlandhalle war für ihn eine Herzensangelegenheit

Musik und Show ist sein Leben: Langjähriger Hallendirektor wird 90

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Luigi Colani, Barbara Dieckmann, Rainer Holbe und Franz Beckenbauer nahmen am 15. Mai 1982 auf der „Wetten, dass...?“-Couch in der Siegerlandhalle Platz. Moderiert wurde die Live-Sendung von Frank Elstner.

Siegen. Den 80. Geburtstag hatte er schon als „das letzte große Ding“ angekündigt. Jetzt, 10 Jahre später, muss er sich korrigieren: Rudolf Greulich wird am 19. März 90 Jahre alt.

Der Siegener hat die Historie der Siegerlandhalle mit geprägt: Von 1965 bis zu seinem Ruhestand 1991 war er in Diensten der Stadt, darunter auch viele Jahre als Hallendirektor. Beim Blick zurück glänzen die Augen des Seniors. Denn Musik und Show sind feste Bestandteile seines Lebens. „Noch mal 50 sein und die Siegerlandhalle Smanagen“, lautet Greulichs – scherzhaft gemeinte – Antwort auf die Frage, was er sich für die Zukunft wünsche. Und doch steckt ein Funken Wahrheit darin. 

Rudolf Greulich (r.) wird am nächsten Samstag 90 Jahre alt. Stammtischbruder Friedhelm Neef (l.) bastelte ihm schon zum 80. Geburtstag eine 6 Meter lange Geburtstagskarte, die nun noch um einige Kapitel erweitert wird.

Denn die Halle ist für ihn eine Herzensangelegenheit, verbunden mit jeder Menge Erinnerungen. Da war beispielsweise dieser eine Anruf: Freddy Quinn sollte eigentlich in der Krönchenstadt auftreten. Doch dessen Manager wollte den Schlagersänger für ein Folgekonzert in Hamburg schonen. Greulich: „Die Siegerlandhalle war ausverkauft, 2500 Zuschauer. Das konnte ich so nicht stehen lassen.“ Kurzerhand setzte sich Greulich, der damals für die Veranstaltungsleitung der Halle zuständig war, ins Auto. Nach Dortmund ging die Reise, um Quinn persönlich im Hotel abzupassen. Tatsächlich gelang es ihm, den Star ans Telefon zu bekommen. Mit Engelszungen rang er Quinn ein Versprechen ab – und der Auftritt in Siegen fand wie geplant statt. „Das Publikum war hochzufrieden – und ich war es auch“, erinnert er sich.

Ja, für sein Durchsetzungsvermögen war Greulich bekannt. Als ein Wasserschaden den großen Saal in den 80er-Jahren bei einer Messe geflutet hatte, wurde Tag und Nacht geschuftet. 2500 Quadratmeter Parkett wurden ausgetauscht. „Schließlich hatten wir ja Anschlusstermine. Die Halle war fest gebucht“, so der fast 90-Jährige. Was keiner für möglich hielt, machte Greulich mit seinem Team möglich: Alles fand ohne Verzögerungen statt. Udo Jürgens, Peter Alexander, Ray Charles, dazu TV-Aufzeichnungen von Otto, Waalkes, „Wetten, dass...?“ oder der „Starparade“ – in Rudi Greulichs Amtszeit in der Siegerlandhalle fallen viele glanzvolle Abende. 

Kein Wunder, dass er der Halle auch nach seinem Ruhestand treu blieb. Mit einigen Freunden gründete er vor mehr als 25 Jahren einen Stammtisch, der sich fortan immer dienstags in der dortigen Gastronomie traf. „BND“ lautet der Titel der rüstigen Runde – „Bis nächsten Dienstag“, erläutert Greulich die Namensgebung. Mittlerweile ist man in die Bismarckhalle ausgewichen. Doch der Dienstag ist ein fester Termin im Greulichs Kalender geblieben, ebenso wie der Kegelabend immer montags. Weiterhin widmet sich der Rentner seiner musikalischen Leidenschaft. Allerdings nur noch passiv, als Hörer. Der studierte Musiker hat sein letztes Instrument – ein Tenor-Saxophon der Marke „Conn“, welches er während seiner Zeit als Kriegsgefangener in den USA geschenkt bekommen hatte – einem Freund vermacht. Dessen Nichte erlernt das Instrument nun. „Das ist für mich das Schönste – dass das Saxophon weiter erklingen kann, statt im Keller zu verstauben.“ Seinen 90. Geburtstag will Rudi Greulich am nächsten Samstag standesgemäß in der Weidenauer Bismarckhalle feiern. Eingeladen sind dann neben Familie, Freunden und Weggefährten auch die Stammtisch- und Kegelbrüder. Und der nächste Höhepunkt steht schon an: Im August wird Ehefrau Hildegard ebenfalls 90 Jahre alt. „Bis dahin heißt es: jeden Tag genießen und gesund bleiben“, so Greulich.

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