Mit einem coolen Logo fing alles an 

Nachhaltige Shirts mit Statement: Siegener Studenten gründen faires Modelabel 

Siegen – Das erste, was meine Kollegin liest ist „Tittis“. Andere lesen das Wort „Eis“ – mit einem umgedrehten „E“. Wieder andere erkennen das Brandenburger Tor.

„Ich find’s großartig“, sagt Thomas Kehren. Er hat das Logo auf den T-Shirts von „Scientibus“ entworfen. Und er bewertet es positiv, dass auf einer künstlerischen Ebene darüber diskutiert und gerätselt wird, was das Zeichen denn nun wirklich bedeutet. „Mir reicht es eigentlich, wenn die Leute es cool finden“, grinst der 23-jährige Student, der gemeinsam mit seinem WG-Bewohner Philip Schultz die Gesellschaft „Scientibus“ gegründet hat. 

Mit dem Logo hat die ganze Geschichte rund um das heimische Start-Up angefangen, doch mittlerweile geht es um etwas anderes: Es geht um Fair-Fashion und um ein nachhaltiges Modelabel.

Doch der Reihe nach: Vor rund drei Jahren kamen Thomas Kehren und Philip Schultz des Studiums wegen in die Krönchenstadt. Sie lernten sich in der WG kennen, in der sie noch heute gemeinsam wohnen. Thomas Kehren studiert Lehramt – unter anderem im Fach Musik. Die begleitet ihn schon sein ganzes Leben. Egal ob Klassik oder Metal – der 23-Jährige mag viele Stilrichtungen. Als 17-Jähriger ist er auf Metal-Festivals unterwegs und auf der Suche nach einem Rückenaufnäher für seine Kutte. So entstand damals das Logo, das heute die T-Shirts von „Scientibus“ ziert.

Die Siegener Gründer Philip Schultz (li.) und Thomas Kehren.

 Drei Achtelnoten, ein Taktstrich und eine halbe Note mit Fermate – fertig ist das Schicksalmotiv von Beethovens 5. Sinfonie. „Mir war sehr schnell klar, dass ich dieses Motiv irgendwo drauf drucken will“, so Thomas Kehren. Gemeinsam mit seinem Freund Philipp entwickelt sich die Idee, T-Shirts mit genau diesem Logo produzieren zu lassen und zu verkaufen. Der Name für das Start-Up: „Scientibus“. Das ist Lateinisch und bedeutet "Nur den Wissenden". 

Das Logo wird weiterentwickelt und das „S“ von „Scientibus“ eingearbeitet. Nach monatelanger und intensiver Recherche wird den Siegener Studenten klar, was sie wollen und was nicht: Keine Kinderarbeit, keine Massenproduktion, kurze Wege, Ressourcen schonen, Bio-Qualität, Transparenz, eigene Schnitte, ein eigenes Label und am Ende einen bezahlbaren Preis für das Shirt – das waren letztendlich die Anforderungen, die Kehren und Schultz auf ihrer Liste zusammengetragen hatten. So begann also die Story vom Ursprungs-Gedanken „Hey hier das ist ein cooles Logo für ein T-Shirt“, bis hin zu einem nachhaltigen und durchdachten Modelabel, welches stark für Werte einsteht und den Gewinn hinten anstellt.

Produktion in kleiner, portugiesischen Manufaktur

Die Studenten fanden einen Produzenten, der sich all ihre Anforderungen auf die Fahnen geschrieben hat. Die GOTS (Global Organic Textil Standard) zertifizierte Bio-Baumwolle kommt aus Griechenland, gefertigt wird in einer kleinen Manufaktur in Portugal, wo die Arbeiter den Mindestlohn bekommen. Die Kartons sind zu 100 Prozent recycelt und haben somit keinen neuen Baum auf dem Gewissen. „Wir schaffen es, gegenüber einem Massen-Shirt aus Asien bis zu 70 Prozent des Wasserverbrauchs einzusparen und möchten das Verpacken und Versenden der Ware – plastikfrei, versteht sich – an die Siegener AWo-Werkstätten vergeben. Der Endpreis, den die Kunden zahlen müssen, liegt bei 35 Euro pro Shirt. 

Die einfachen Basic-Shirts gibt es für Frauen und Männer.

Mit den T-Shirts wollen die Macher auch Statements setzen und Werte weitertragen „Wir stehen für Transparenz, Offenheit, Respekt, Freude, Gemeinsamkeit und Spaß“, so Kehren. Damit geht einher, dass das Duo zukünftig die Vision einer Community, die gemeinsam über Ziele, Formen, Aufdrucke und Inhalte entscheidet, umsetzen wollen. „Scientibus ist die erste demokratische und nachhaltige Modemarke auf dem Markt. Unser Ziel ist es eine echte Alternative zu den etablierten Modemarken zu erschaffen, die sich durch die Transparenz und die Nachhaltigkeit in der Produktion, aber auch im Handeln auszeichnet“, sagt Philip Schultz. „Wenn es eine zweite Kollektion geben wird, legen wir die Entscheidung über Stoffe, Schnitte, Motive und Auflagenzahl in die Hände unserer Kunden, denn wir möchten Kleidung herstellen, die auch nachgefragt wird und nicht auf gut Glück und fürs Lager produzieren“, so Schultz weiter. 

Crowdfunding läuft bis zum 23.September

Damit aber der Traum von einer ersten Kollektion überhaupt wahr werden kann, benötigen die Studenten kaufkräftige Unterstützung. Auf der Crowdfunding-Seite „Startnext“ versuchen sie derzeit, 24.500 Euro zusammenzubekommen, um die erste Marge T-Shirts (1400 Stück) produzieren lassen zu können. Wer „Scientibus“ unterstützen möchte, kauft die Shirts der ersten Kollektion im Shop. Ist die Gesamtsumme geschafft (dafür müssten 700 Menschen je ein Shirt kaufen), kann die Produktion beginnen. Die Crowdfunding-Aktion endet am 23. September. Klappt es nicht, bekommen die Kunden ihr Geld zurück.Hier geht es zur Kamapgne:https://www.startnext.com/scientibus 

Auch ein Statement: Chucks sind Arbeitsschuhe.

Sollte es aber mit der Finanzierung klappen, wollen die Siegener erst einmal online durchstarten und in Siegen bekannt werden. Und natürlich ist es auch möglich, dass „Scientibus“ mit Schulen, Firmen oder Vereinen zusammenarbeitet. Ab einer Stückzahl von 50 können wir die Shirts mit Wunschlogo bedrucken lassen“. Die Zielgruppe für den ersten Schritt liegt auf der Hand: „Alle Menschen, die nachhaltige Mode, die gut aussieht und bezahlbar ist, kaufen möchten“. „Schön wäre natürlich auch eine Affinität zur Musik, denn immerhin ist Beethoven ein Statement“, flachst Kehren. Hauptsächlich soll es aber einfach ein cooles Shirt für den Alltag sein, mit einem frechen Logo – das übrigens nie seinen Weg auf die Kutte gefunden hat. 

Informationen und Kontakt:  Thomas Kehren und Philip Schultz von Scientibus sind über die Profile der sozialen Medien oder über die Homepage erreichbar. 

www.scientibus.de 

www.instagram.com/solumscientibus 

www.facebook.com/solumscientibus

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