Uni-Jahresempfang: Überreichung der Ehrendoktorwürde  - Armin Laschet hielt Festrede

Nobelpreisträger Prof. Dr. Joachim Frank blickte auf seine Kindheit zurück: „Da war eine unerklärliche Neugierde“

Die Verleihung der Ehrendoktorwürde: v.li. Dekan und Laudator Prof. Dr. Holger Schönherr, Franks Ehefrau Carol Saginaw, Prof. Dr. Joachim Frank, Prof. Dr. Holger Burckhart, Armin Laschet und Siegens Bürgermeister Steffen Mues. Fotos: René Traut

Siegen. Der Rektor-Jahresempfang der Universität Siegen am Mittwochabend war besonders. Nicht, weil NRW-Ministerpräsident Armin Laschet die Festrede hielt, sondern weil der Nobelpreisträger Prof. Dr. Joachim Frank, der in Weidenau geboren wurde, zu Gast war und die Ehrendoktorwürde der Uni erhielt.

In seiner Rede präsentierte sich der 77-Jährige, der an der Columbia-Universität in New York lehrt und schon seit langer Zeit in den USA lebt, zurückhaltend, geerdet, sympathisch – und heimatverbunden.

Er erzählte von seiner Kindheit in seinem Elternhaus in der Engsbachstraße und berichtete über seinen frühen, wohl angeborenen Forscherdrang und seine „unerklärliche Neugierde“, die er schon als kleines Kind gespürt habe. Schon als Achtjähriger habe er immer im „Kabäuschen“ unter der Veranda seines Elternhauses gesessen und experimentiert. Flüssigkeiten in leere Magenbitter-Fläschen gemischt oder versucht, herauszukriegen, wann und wie Metall schmilzt. Später habe er sich neben stundenlangen Forschungen mit Radiobasteleien beschäftigt und mit großer Freude die 20-bändige „Meyers Enzyklopädie“ gelesen.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hielt die Festrede.

Als er älter war, hat er sich auf die Suche nach Gründen für den unersättlichen Forschungsdrang gemacht. „Ich denke, Lehrer des Fürst-Johann-Moritz-Gymnasiums sowie Uni-Professoren haben großen Einfluss auf meinen Weg, aber auch die Nachkriegszeit habe ihren Teil dazu beigetragen. „Das Streben nach Ordnung in dieser Unordnung und die Suche nach der Bedeutung in dieser chaotischen Welt: Diese Bedürfnisse konnten in der Wissenschaft befriedigt werden“, wurde Frank sehr persönlich.

Er richtete natürlich auch einen großen Dank an seine Frau, die das Leben mit einem zertreuten Professor nicht gescheut habe und nun schon 40 Jahre an seiner Seite sei. Er dankte auch für die Einladung – und davon gebe es wahrlich durch die Verleihung des Nobelpreises viele. Dass er in seiner Heimatstadt eine so hohe Auszeichnung erhalte, bedeute ihm wirklich viel, sagte er sichtlich gerührt. Niemals hätte er sich als kleiner Junge so etwas träumen lassen. Abschließend ließ es sich der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet nicht nehmen, diese Urkunde persönlich zu überreichen.

Prof. Dr. Joachim Frank im Gespräch mit seiner Frau Carol Saginaw.

Apropos Laschet: In seiner Festrede ging der zunächst auf die Freiheit der Wissenschaft ein. Er versprach dem Auditorium, dass er alles daran setzen werde, dass Universitäten in Zukunft mit weniger Rahmenvorgaben und Einflussnahme der Regierung rechnen dürften. So könne mehr Eigenverantwortlichkeit ermöglicht werden. „Ich weiß, die Hochschulen gehen verantwortlich mit dieser Freiheit um.“

Ansonsten war die Rede geprägt von großem Lob für die Region, für die Wirtschaft und natürlich für die Uni und die Entwicklung des Modells „Medizin neu denken“. Laschet betonte, er mache sich keine Sorgen um Südwestfalen, Probleme gebe es viel mehr im Ruhrgebiet. Der ländliche Raum mit der „Musterregion Südwestfalen“ sei wirtschaftlicher Motor für das ganze Land. „Was man hier anpacken muss, ist eher die Infrastruktur“, sagte der Ministerpräsident. Laschet gab jedoch auch zu bedenken, dass man sich in guten Zeiten nicht so sicher sein solle. „Es ist derzeit vieles unsicher. Vor allem dann, wenn ein amerikanischer Präsident Bomben auf Syrien schmeißen will“, so Laschet.

Einen eher fragwürdigen Auftritt hatten übrigens etwa 40 Studierende vor dem Eintreffen Laschets. Sie hatten die Bühne geentert, um zu protestieren. Dies taten sie lautstark und Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart ließ sie gewähren. „ Dieser Empfang mit seinem Ehrengast Armin Laschet steht für die Abschaffung vom Sozialticket, für ertrinkende Flüchtlinge im Mittelmeer, für deutsche Panzer, die in Afrin einen Völkermord begehen“, sagte die Vorsitzende des AStA, Vera Fengler. Bei Anlässen wie diesen sie es der verfassten Studierendenschaft normalerweise gestattet, zumindest über eine begrenzte Zeit, zu sprechen und ihren Anliegen gebührenden Raum zu verschaffen. Stattdessen wolle die Uni sie mundtot machen. Sprachs und verließ mit all ihren Mitstreitern die Bühne und das Audimax.

Der Rektor konnte und wollte dies nicht so stehen lassen und hielt dagegen. „Dass die Studierenden an dieser Universität kein Gehör bekommen, stimmt einfach nicht und trifft mich persönlich. Ich habe Frau Fengler angeboten, mit mir gemeinsam die Begrüßung zu übernehmen. Dieses Angebot wurde ausgeschlagen“. Wie übrigens auch die Einladung zur abschließenden Podiumsdiskussion mit Armin Laschet und Prof. Burckhart.

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