NRW-Integrationsminister Rainer Schmeltzer zu Gast in Kreuztal: „Chapeau! Ich ziehe den Hut!“

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Gelungene Integration: Die Uzakova-Schwestern (li. starten eine Ausbildung als Zerspanungsmechanikerinnen bei Thomas Kleb und der Firma Georg (2. v.re). NRW-Integrationsminister Rainer Schmeltzer (re.) beantwortete Fragen von Moderation Anne Willmes.

Siegen. „Wir hören leider viel Negatives und was nicht funktioniert“, sagte NRW-Integrationsminister Rainer Schmeltzer bei seinem Besuch in Kreuztal. Die landesweite Aktion „NRW - Das machen wir!“ möchte indes genau das Gegenteil: Aufzeigen, wo Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt funktioniert.

Im Rahmen dessen kam der Minister in die Weiße Villa. Für ihn war es die fünfte von 16 Veranstaltungen, aber eine „Herzensangelegenheit“, wie er versicherte.

In knapp drei Stunden bekam Schmeltzer von haupt- und ehrenamtlichen Helfern aus den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe zu hören, mit welchen Ideen und welchem Engagement sie geflüchteten Menschen helfen und sie unterstützen, eine Beschäftigung zu finden. Manche Projekte setzen ganz früh an, wie der Gebrauchtmöbelservice der Arbeiterwohlfahrt in Siegen. Dort sind Flüchtlinge Teil der Teams, die gebrauchte Betten, Tische, Stühle oder Elektrogeräte von Spendern einsammeln ein und Menschen bringen, die eine Grundausstattung brauchen. Die Qualifikationsschwelle ist dabei gering, der erste Schritt ins Arbeitsleben aber schon getan. Bei der Metzgerei Wied aus Erndtebrück arbeiten zwei Frauen aus Armenien mit im Frühstücksservice. Chefin Ursula Wied hatte beide bei ihrer Tätigkeit in der Flüchtlingshilfe „als wundervolle Köchinnen“ kennengelernt. Mit der Arbeit gehe neues Selbstbewusstsein einher, meint Wied. „Und man wird gegrüßt, wenn man durchs Dorf geht.“

Am Berufsbildungszentrum Siegen und dem Bildungszentrum Wittgenstein wurden bereits insgesamt über 30 Flüchtlinge in Arbeit und Ausbildung vermittelt. Über Monate lernten sie Deutsch und Mathe, feilten, bohrten und frästen in der metalltechnischen Grundqualifizierung und bekamen über Praktika erste Kontakte zu Unternehmen. Unternehmen wie Georg und SI-TorSysteme aus Kreuztal-Buschhütten. In beiden Firmen zählen inzwischen Geflüchtete zum Personalstamm. Während Khulkar und Mohirouh Uzakova bei der Maschinenfabrik Georg eine Ausbildung zur Zerspanungsmechanikerin absolvieren werden, arbeitet Aklilu Maekele als Montagehelfer im elfköpfigen Team des Tor-Betriebs – mit einem unbefristeten Vertrag.

Das ist sicher ganz nach dem Geschmack von Hubert Multhaup. Eigentlich Pensionär, vermittelt der ehemalige Leiter der Burbacher Flüchtlingsunterkunft in Eigenregie und durch persönlichen Kontakt Flüchtlinge an Betriebe. „20 Leute sind in Arbeit, 7 bis 8 im Praktikum“, sagte Multhaup. Nicht ganz ohne Stolz.

Weit über 100 Helfer waren in der Weißen Villa zu Gast. Darunter Ehrenamtler, die sich um Kleiderkammern kümmern, bei Amtsgängen helfen, Treffs und Cafés eingerichtet haben und Flüchtlinge in der Nachbarschaft Willkommen heißen. „Chapeau. Ich ziehe meinen Hut vor jedem, der sich engagiert“, sagte Integrationsminister Schmeltzer bereits zu Beginn. Drei Stunden später versprach er, nicht nur da gewesen zu sein, um nette Siegerländer kennenzulernen, sondern auch Anregungen mitzunehmen.

Unter www.das-machen-wir.nrw.de“ entsteht eine „Landkarte der Ideen“ mit Positivbeispielen gelungener Integration in den Arbeitsmarkt. Dort ist das Siegerland bereits vertreten. Und die Karte füllt sich. Das Prinzip: Voneinander lernen. Bei allen Beiträgen, resümierte Schmeltzer, sei deutlich geworden, wie wichtig Sprachkurse sind. Auch ohne den näherte sich Safiuallah Amiri der deutschen Sprache an: mit einem Sprichwörterbuch. Auf Knopfdruck sprudelten sie aus ihm heraus. Es hätte beinahe als Rahmenprogramm getaugt. Dabei waren dafür ja eigentlich die Fritz-Busch-Musikschule – mit Flüchtlingen an Geige, Gitarre und Piano – vorgesehen und Kabarettistin Hettwich vom Himmelsberg. Die ostwestfälische Sauerländerin erzählte von der Integration auf dem Dorf und dichtete am Ende ihres Vortrags Zeilen des Liedes „Kein schöner Land in dieser Zeit“ um: „Wollen finden unter Linden die Heimat hier.“ An den Helfern soll es nicht scheitern.

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