Das „H“ in „IHK“ stärken

Mit 140.000 Euro jährlich: IHK startet „Handelsoffensive 2020ff“

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Stellten die konkreten Pläne vor (v.l.): Ann Katrin Hentschel, Klaus Gräbener, Jost Schneider und Boris Edelmann.

Das „H“ in „IHK“ stärken – das will die Industrie- und Handelskammer Siegen. Dafür nimmt sie bis 2023 jährlich zusätzlich 140.000 Euro in die Hand. Was es mit dieser „Handelsoffensive 2020ff“ auf sich hat, haben die IHK-Verantwortlichen am Montag in einem Pressegespräch erklärt.

Kreis Olpe/Siegen – „Der Handel hat auch etwas damit zu tun, wie unsere Innenstädte aussehen. Das Aussehen unserer Innenstädte zeigt, wie Attraktiv die Region ist. Die Attraktivität der Region beeinflusst, in welchem Maße sich Industrie ansiedelt“: IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener verdeutlicht, wie sehr Industrie und Handel zusammenhängen. Und IHK-Vizepräsident Jost Schneider prognostiziert: „Wenn der Handel ausblutet, veröden die Zentren, was die Wirtschaft vor Probleme stellt.“

Dem will die IHK nun verstärkt entgegen steuern und hat die „Handelsoffensive 2020ff“ ins Leben gerufen. „Der Online-Handel macht mittlerweile elf Prozent des gesamten Handelsumsatzes aus und ist seit 2009 um 236 Prozent gestiegen. Das stellt den stationären Handel zunehmend vor Herausforderungen“, so Gräbener.

Der Handel durchläuft schwierige Zeiten, das belegen auch die Zahlen: Die Anzahl der Handelsunternehmen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe ist in den vergangenen zehn Jahren von 6100 auf 5200 gesunken. „Wir können den Online-Handel nicht aufhalten. Das kann auch gar nicht unser Ziel sein“, sagt Gräbener, „wir wollen dem stationären Handel helfen, digital aus der Menge herauszustechen.“

Die IHK investiert in den kommenden Jahren jeweils 140.000 Euro, um dem stationären Handel zu helfen, „digital sichtbarer“ zu werden. „Für eine IHK unserer Größenordnung ist der Betrag ein Pfund“, so Jost Schneider. Das Geld fließt in unterschiedliche Projekte, die in Olpe koordiniert werden. Gräbener erklärt: „Das soll keine Konkurrenz zu bestehenden Aktionen sein. Alles läuft in enger Abstimmung mit den Werbegemeinschaften.“

Heimat shoppen 

Unter den Projekten ist der „Evergreen“ Heimat shoppen. Am 11. und 12. September findet bereits die fünfte Auflage der Imagekampagne statt. IHK-Mitarbeiterin Ann Katrin Hentschel: „Die Kunden sollen durch die Aktionen nicht nur an die Qualitäten des heimischen Einzelhandels erinnert werden, es geht auch darum, die Ladenlokale wieder als Ort, an dem sich Menschen austauschen in Erinnerung rufen.“ Aber die Kampagne hat auch eine digitale Komponente: „Indem wir den Händlern vor allem auf den eigenen Facebook- und Instagram-Kanälen ‚Heimat shoppen an Bigge und Sieg‘ eine Plattform bieten, ist ‚Heimat shoppen‘ für uns eine Art Transporter für die Botschaft ,Werdet digital sichtbar!' geworden.“ Die IHK Siegen will die Aktion zunächst bis 2023 fortführen, pro Jahr werden 10.000 Euro investiert. 

Laborladen Wittgenstein

Als Teil der Projekte in der LEADER-Region Wittgenstein entsteht der „Laborladen Wittgenstein“, der offen für alle Einzelhändler in Siegen-Wittgenstein und dem Kreis Olpe ist. „Händler sollen dabei unter dem Titel ,learning-by-doing' für sie neue Handelstechnologien ausprobieren“, so Hentschel. Dabei geht es um Dinge wie die Verknüpfung der Offline- mit der Onlinewelt, um das Warenangebot erweitern zu können, 24-Stunden-Abholstationen, virtuelle Warenpräsentation und weiteres. Wissenschaftlich begleitet wird der Laborladen vom Lehrstuhl für Marketing und Handel der Universität Siegen unter Leitung von Prof. Dr. Hanna Schramm-Klein. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt, die IHK investiert 25.000 Euro jährlich. 

Social-Media-Beratung 

Eine wesentliche Rolle bei den Projekten spielt IHK-Mitarbeiter Boris Edelmann. In Unternehmensbesuchen will er die Händler anleiten ihre eigenen Social-Media-Accounts zu erstellen und zu pflegen sowie eine Social-Media-Strategie zu entwickeln. „Damit wollen wir auch Ängste und Sorgen in Bezug auf Social Media abbauen – insbesondere in Rechtsfragen“, erklärt Edelmann. In diesem Jahr sind 60 Gespräche geplant, 2021 sollen es 80 sein, die IHK investiert jährlich 50.000 Euro. 

Rollierender Web-Workshop

Zusätzlich zu den Beratungen bietet die IHK einen rollierenden Web-Workshop mit insgesamt 24 Veranstaltungen in den kommenden vier Jahren an. Ähnliche Workshops gibt es bereits seit vier Jahren, jetzt erhöht die IHK deren Häufigkeit. „Wir haben den IHK-Bezirk in sechs Waben aufgeteilt, drei in Siegen, eine in Wittgenstein, zwei in Olpe. Einmal pro Quartal werden wir in jeder Wabe Workshops und Seminare zu Social-Media- oder allgemeinen Webthemen anbieten, egal wie viele Personen sich angemeldet haben“, sagt Edelmann. Mithilfe einer Online-Abstimmung werden derzeit die konkreten Themen erarbeitet. Die IHK investiert 15.000 Euro jährlich. 

Handelsspezifische Untersuchungen 

Nach dem „Zentumsmonitor“ im vergangenen Jahr will die IHK weitergehende Untersuchungen veranlassen, um die Ergebnisse der Studie zu konkretisieren, Projekte anzustoßen oder Schwächen des Handels abzubauen. Dafür nimmt die IHK pro Jahr 10.000 Euro in die Hand. 

DALES 

Ein Pilotprojekt läuft derzeit in Attendorn. „Data Analytics für den lokalen Einzelhandel in einer zukünftigen Smart City“ (DALES) soll mit digitalen Mitteln Erkenntnisse darüber liefern, wie sich potenzielle Kunden durch die Innenstadt bewegen - und auch, warum. Das Projekt läuft noch bis 2021, die IHK investiert pro Jahr 5000 Euro. 

An einem Hauptproblem kann die IHK aber nichts ändern. Klaus Gräbener: „Südwestfalen ist eine starke Wirtschaftsregion, die viel zu bieten hat. Aber wir tragen das nicht nach vorn. Wir müssen uns im Wettbewerb um die Fachkräfte unserer Stärken – auch nach außen – bewusst werden.“ Und das, ohne arrogant zu werden. Aber Gräbener weiß auch: „Abzuheben, dafür sind die Menschen in Siegen und Olpe nicht bekannt.“

Kontakt

Boris Edelmann
boris.edelmann@siegen.ihk.de
☎ 02761/944512

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