Offizielle Eröffnung am 5. Juni 

Ein Teil des Onkologischen Zentrums: Am St. Marien-Krankenhaus gibt es ab sofort eine Palliativstation 

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Blick in die frühere Cafeteria, in der jetzt die ambulante Therapie für Krebspatienten eingerichtet ist. 

Siegen – „Wir können nichts für sie tun“. Dieser Satz, von diesem oder jenem Hausarzt nach einer Krebsdiagnose geäußert, stürzt Patienten wie Angehörige ins Bodenlose. Prof. Dr. med. Ralph Naumann hingegen sagt: „Vom Palliativgedanken ausgehend gibt es bis zum Tod immer etwas zu tun, und ich würde sagen, sogar darüber hinaus “ – Stichwort Angehörigenarbeit. Am St. Marien-Krankenhaus gibt es nun auch offiziell deine Palliativstation. Die feiert in Kürze Eröffnung. 

Prof. Ralph Naumann ist einer der Köpfe hinter dem im vergangenen Oktober an den Start gegangenen Onkologischen Zentrum Siegerland, das zur Marien Gesellschaft gehört, jedoch mit zahlreichen Kooperationspartnern wie beispielsweise anderen Kliniken zusammenarbeitet. Jetzt stellten die Verantwortlichen zwei weitere Bausteine vor: Die im April eröffnete Palliativstation im St. Marienkrankenhaus zum einen. 

„Haben eine lange Warteliste“ 

Zum anderen Veränderungen sowohl baulicher als auch organisatorischer Natur auf der Onkologie selbst (siehe weiter unten). Palliativarbeit ist im St. Marien-Krankenhaus nichts Neues.  Jetzt aber findet sie mit der neu eröffneten Station gewissermaßen auch ganz offiziell statt. Zwölf Betten stehen auf der neuen Station zur Verfügung, und das sind eigentlich immer noch zu wenige, wie Leitung Katharina Weber-Yanoah unumwunden einräumt: „Wir haben eine lange Warteliste.“

Es gibt drei Doppelzimmer, der Rest sind Einzelzimmer. Weber-Yanoah arbeitet seit 18 Jahren im Palliativbereich. Sie weiß: „Man hat viele Sorgen, viele Gespräche, und das ist im Zweibettzimmer schwierig.“ Trotz aller Bemühungen, so Prof. Naumann, könne man nicht alle Onkologie-Patienten halten. „Deshalb gehört die Palliativstation zum Onkologischen Zentrum dazu.“

So weit es eben geht, hat man hier auf das typische Krankenhaus-Erscheinungsbild verzichtet. Der Flur ist hell und freundlich, farblich abgesetzte Elemente lockern das Gesamtbild auf. Das gleiche in den Zimmern. Von hier oben schauen Patienten nicht mehr auf Häuserfronten, sondern darüber hinweg, der Blick geht in die Ferne. In einem sogenannten Bistro, einer Art Küche mit großem Esstisch, können sie sich aufhalten, wenn sie in der Lage dazu sind und ihnen der Sinn danach steht. Neulich hat hier auch ein Patient mit seiner Ehefrau Hochzeitstag gefeiert, mit Rosen und Pizza. Oben im Regal lehnen einige Bücher, auf der Arbeitsplatte steht ein Koffeinspender. 

„Palliativstation Paradebeispiel für interdisziplinäre Arbeit“

Nach dem Selbstbedienungsprinzip erhalten die Patienten oder ihre Angehörigen Kaffee – aber auch Klinik-untypische Getränke wie Cola. Und sogar Alkohol: „In Maßen“, erläutert lächelnd Prof. Naumann, wirke dieser auf Palliativ-Patienten entspannend und appetitanregend. Wassereis sei genau wie kalte Getränke sehr willkommen, ergänzt Weber-Yanoah. Vier bis sechs Wochen beträgt in der Regel die Liegedauer auf dieser Station. „Die Angehörigen werden mitbetreut, das geht gar nicht ohne“, unterstreicht die Leitung. Einen wichtigen Punkt spricht Zentrumskoordinator Thomas Hoof an: „Die Palliativstation ist ein Paradebeispiel für interdisziplinäre Arbeit. “

Stationsleitung Katharina Weber-Yanoah und Prof. Dr. Ralph Naumann. 

Seine Kollegin Weber-Yanoah erklärt, warum: „Es sind keine einfachen Entscheidungen, die wir hier treffen“. Da sei man froh über den Austausch in den gemeinsamen Teambesprechungen, „denn jede Profession hat ihre eigenen Blickwinkel“. Dieser Professionen kommen einige auf der neuen Station zusammen, beim ärztlichen Personal begonnen, bei den Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pflegern noch lange nicht endend. Zum Team zählen Psycho-Onkologen ebenso wie Seelsorger, Sozialarbeiter, Musik- und Gestaltungstherapeuten sowie last, aber keinesfalls least, die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Eine Palliativstation unterscheidet sich von einem Hospiz vor allem dadurch, dass hier mehr stattfindet als reine Pflege. Hier können die Symptome schwerstkranker Menschen medizinisch gelindert werden, teilweise auch mit Strahlen- oder Chemotherapie.

Sind irgendwann jedoch alle medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft, bleibt oft nur noch ein Weg. Seiner Erfahrung nach, überlegt Prof. Naumann laut, gingen etwa ein Drittel aller Palliativpatienten ins Hospiz. Bekanntlich öffnete die Marien Gesellschaft im vergangenen Jahr ein eigenes auf der Eremitage. Eine Konkurrenz zur neuen Palliativstation sei das aber keineswegs, im Gegenteil, sie ergänzten sich ideal, so Naumann. Von einem Wettbewerb mit der zur Diakonie gehörenden Einrichtung am Ev. Jung-Stilling-Krankenhaus möchte der Professor nichts wissen: „Der Bedarf für zwei Hospize ist da“, man pflege Kontakt. 

Onkologie: Frühere Cafeteria wird ganz neu genutzt 

Für die Onkologische Station im St. Marienkrankenhaus wurde neuer Platz geschaffen: Die 6. Ebene ist bereits umgebaut, auf der 7. ist man noch damit beschäftigt. In der 8. Etage befinden sich jetzt Besprechungszimmer. In der früheren Cafeteria ist jetzt die ambulante Therapie für Krebspatienten untergebracht. „Für Chemotherapiepatienten wurde ein ganz neues Ambiente geschaffen“, so Hauptgeschäftsführer Hans-J. Winkelmann. 

Dem Umstand, dass die Betroffenen hier mitunter lange Stunden verbringen, wurde unter anderem mit einem großen Bildschirm und Lademöglichkeiten fürs Smartphone Rechnung getragen. Grundsätzlich gilt: „Das Ziel muss sein, dass Immuntherapie und Chemotherapie ambulant laufen“, so Prof. Naumann – und dass alle Patienten am gleichen Tag zu Hause seien. Stichwort Zusammenarbeit: Bei sogenannten Tumorbords, Videokonferenzen mit anderen Krankenhäusern wie beispielsweise in Bad Berleburg, tagen die behandelnden Ärzte fernmündlich, „um den Experten den Stau auf der Straße zu ersparen“. 

Dabei auftretende Probleme seien unter anderen der Datenschutz, so Prof. Naumann („Die Patienten müssen wissen, dass man über sie spricht“, „Jeder Tausende hinterfragt das“) sowie die Tumordokumentation, „sie kostet Personalressourcen“. Onkologie, so Naumann, funktioniere nur vernetzt. „Der gute Wille allein reicht nicht.“

Eröffnung am 5. Juni 

Am Mittwoch, 5. Juni, ab 16 Uhr, findet die offizielle Eröffnungsfeier der neuen Palliativstation im St. Marien-Krankenhaus (Hörsaal, 5. OG) statt. Unter anderem referiert der Bonner Prof. Dr. Lukas Radbruch zum Thema "Palliativ - mehr als Medizin?!" Danach wird die Station vorgestellt. 

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