Mit perfider Masche überrumpelt: Neonazi-Spende ans Siegener Tierheim 

Siegen. „Tierfutter statt Böller“ – so lautete das Motto einer Spendenaktion, deren Erlös eine Privatperson jetzt an das Siegener Tierheim spenden wollte.

„Ja prima, da haben wir uns nichts bei gedacht, solche Mails bekommen wir häufig und freuen uns natürlich sehr“, sagt der Leiter Tobias Neumann. Als sich der edle Spender jedoch als Mitglied der rechtsextremen Partei „Der III. Weg“ entpuppte, läuteten beim Tierheim alle Alarmglocken. 

„Ich habe bis Sonntag gar nicht gewusst, was das für eine Partei ist; jetzt bin ich schlauer“, so Neumann. Die Neonazi-Partei gilt als verfassungsfeindlich und rechtsextremistisch und hat schon öfter an Tierheime und Tierschutzvereine in ganz Deutschland gespendet – immer nicht offensichtlich, sondern im Namen einer Privatperson. „Selbst die Spendenquittung sollten wir auf eine Privatperson ausstellen“, so Neumann, der zu Beginn der Woche durch Zufall auf den Facebook-Post der Partei gestoßen war, in dem über die Spendenübergabe in Siegen mit vier Bildern berichtet wird: „Am heutigen Tag übergaben Vertreter vom „III. Weg“ - Stützpunkt Sauerland-Süd Spenden sowie einer Grußkarte unserer jungen Partei, an das Tierheim Siegen. Anstatt Unmengen von Geld sprichwörtlich in die Luft zu jagen, wurden lieber heimatlose Tiere unterstützt. Die in Tierheimen untergebrachten Vierbeiner sind auf jede Unterstützung angewiesen, um ihr Leben so angenehm wie möglich zu gestalten.“ 

Der Tierschutzverein Siegen, der das Tierheim betreibt, ist empört: „Das ist eine Masche, die wir unbedingt unterbinden müssen. Wir haben auch unsere Anwälte eingeschaltet, damit die Partei nicht mehr mit uns wirbt“, so ein Sprecher des Vorstandes im Gespräch mit dem SiegerlandKurier. Es sei ein Unding, dass diese Gruppe Tierheime und Tierschutzorganisationen vor den Karren spannen würde, um Öffentlichkeit zu bekommen und um eventuell auch neue Mitglieder anzuwerben. Doch wie kam es eigentlich dazu, dass das Geld überhaupt angenommen wurde und jetzt die Rolle rückwärts eingeleitet werden musste? Grund dafür ist das äußert perfide Vorgehen der Partei-Mitglieder: „Die Übergabe des Geldes fand am Sonntagnachmittag statt. Da arbeiten im Tierheim überwiegend ehrenamtliche Mitarbeiter. Und die freuten sich natürlich sehr, als mehrere Personen unangemeldet mit 265 Euro in der Tasche auftauchten und das Geld spendeten. Dies sei der Erlös aus der Aktion „Tierfutter statt Böller“. Zum Dank ließen sich die Mitglieder der Neonazi-Gruppe anschließend über das Gelände führen. 

„Wir waren am Sonntag nicht vor Ort“, so Neumann. Gegenüber den Helfern hätten sich die Aktivisten nicht als Mitglieder einer Neonazi-Partei zu erkennen gegeben. „Wenn wir gewusst hätten, von wem die Spende kommt, dann hätten wir sie natürlich auch nicht angenommen“, macht Neumann klar. Am Montagabend fand dann eine Vorstandssitzung des Siegener Tierschutzvereins, der das Tierheim betreibt, statt und alle Anwesenden waren sich sofort einig: „Das Geld wird natürlich zurückgegeben und wir distanzieren uns ganz deutlich“, so Neumann. Man werde sich nicht politisch instrumentalisieren lassen. Die Schreiben der Anwälte seien bereits auf dem Weg.

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