„Wollen und müssen die Gesundheitsregion Siegen-Wittgenstein stärken“

3. Pflegekongress in Siegen: Neues Pflegeberufegesetz und Demenzversorgung zentrale Themen auf der Tagesordnung 

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Die Patienten werden immer älter, Demenz in Krankenhäusern dadurch nahezu automatisch ein Thema, das immer weiter in den Fokus rückt: eines der Themen auf dem 3. Siegener Pflegekongress. 

Siegen. Bis 2025 werden einer Studie zufolge in Deutschland 100.000 zusätzliche Kräfte benötigt, und das allein in der Altenpflege. Schon heute fehlen aber 25.000. Ja, man durchlaufe eine schwere Zeit, so Frank Fehlauer. Im Vergleich zu den Ballungsgebieten sei die Situation in der Region zwar nicht schlecht. Trotzdem: „Wir werden künftig um jede Fachkraft kämpfen.“

Gemeinsam mit weiteren Beteiligten aus den vier Siegener Kliniken als Veranstalter und dem Schirmherrn Landrat Andreas Müller möchte der Leiter des Pflegebildungszentrums und Fortbildungszentrums der Diakonie in Südwestfalen im Vorfeld des 3. Pflegekongresses in Siegen (Mittwoch, 10. April) das Augenmerk der Öffentlichkeit nochmals auf das Thema Pflege und deren Wertschätzung lenken. 

Die Vertreter der vier Siegener Kliniken Henning Klappert, Frank Fehlauer, Petra Gahr und Corinna Lemberg stellten zusammen mit Schirmherr Landrat Andreas Müller (v.l.) wesentliche Inhalte des 3. Siegener Pflegekongresses vor. 

Deren Image werden in den Medien „teilweise etwas irritierend“ weitergegeben, Fehlauer persönlich erlebe das anders: Auszubildende starteten nach drei Jahren motiviert durch. Auch in anderen Berufen stimmten die Rahmenbedingungen nicht immer, doch wolle er nichts beschönigen: „Wir haben ein Personalproblem.“ Offene Stellen, bestätigt Andreas Müller, könnten kaum besetzt werden. „Wir müssen unsere Anstrengungen verstärken!“ Ein Schritt in diese Richtung: das Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe in Südwestfalen (BiGS). 

Apropos Rahmenbedingungen: 48 Prozent aller Pflegefachkräfte würden in ihren Beruf zurückkehren, wären die Bedingungen nur besser, auch das hat eine Studie zutage gefördert.

Künftig, so Frank Fehlauer, werde die Verweildauer in den Krankenhäusern kürzer, gewinne die ambulante Pflege an Bedeutung. Viel verspricht man sich schon allein deshalb von dem neuen Pflegeberufegesetz, das am 1. Januar 2020 in Kraft tritt. Wesentlicher Punkt: Die traditionellen Ausbildungen in Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege werden zu einer generalistischen Ausbildung zusammengeführt, anderen Ende der Abschluss als Pflegefachfrau/Pflegefachmann steht. Das neue Gesetz bildet in Gestalt einer Podiumsdiskussion einen der Schwerpunkte des Pflegekongresses.

Weitere Themen am 10. April:

Demenzversorgung im Krankenhaus: „Für uns ein ganz wichtiges Thema“, unterstreicht Petra Gahr, Mitarbeiterin Personalentwicklung und Kinaesthetics-Trainerin bei der Mariengesellschaft. Die Hälfte aller Patienten sei über 60 Jahre alt, etwa 12 Prozent sind von Demenz betroffen, Tendenz steigend. „Die Pflegekräfte stehen vor einer Riesen-Herausforderung, Demenzkranke werden zu einem großen Problem, was nicht sein müsste, wenn man wüsste, wie man mit ihnen umgehen muss.“ Deshalb sind Altenpflegekräfte in Krankenhäusern gefragt: Sie wissen wie es geht. Zudem werden auch in Siegener Kliniken inzwischen Anstrengungen unternommen, die Situation aller Beteiligten – Patienten, Angehörigen und Pflegekräfte – zu verbessern.

Berührung in der Pflege: „Wenn man Menschen mit Ruhe begegnet, ist die Versorgung effizienter und auch schneller“, ist Corinna Lemberg von der DRK-Kinderklinik überzeugt: „Deshalb ist die Qualität der Berührung wichtig“, und das nicht nur bei Neugeborenen. Berührungen können Trost spenden, beruhigend wirken, Mut schaffen, Pflegende vermittelten mit Berührung Vertrautheit, vertrauen und Wertschätzung.

Pflegeberufekammer: Deren Einrichtung ist schon lange Thema, ab 2020 soll es so weit sein: „Künftig kann man an der Pflege nicht mehr vorbeikommen!“, freut sich Henning Klappert, Mitarbeiter der innerbetrieblichen Fortbildung/Pflegeentwicklung am Kreisklinikum. Das Pendant zur Ärztekammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts lässt die Berufe einen Teil der ursprünglich staatlichen Aufgaben selbst regeln.   

Bedeutung des persönlichen Gesprächs: Pflegende führen mit Patienten, Klienten, Bewohnern, Kollegen und Auszubildenden in unterschiedlichen Situationen Gespräche. Es ist wichtig, diese Kommunikation professionell zu gestalten, zu steuern und zu reflektieren.

Für den Kongress: Vier Kliniken in einem Boot 

Auch der 3. Siegener Pflegekongress ist eine gemeinschaftliche Veranstaltung der vier Siegener Kliniken, seinerzeit initiiert, um auch heimische Pflegende in den Genuss hochkarätiger Redner zu berufsrelevanten Themen kommen zu lassen, ohne dass diese nach Köln oder München reisen müssen, erinnert Henning Klappert. Vernetzung jenseits allen Wettbewerbs: „Wir wollen allen Einrichtungen gerecht werden und aktuell sein“, so Frank Fehlauer. „Das ist auch ein Stück weit Wertschätzung für die Pflege“, findet Petra Gahr.

Um die geht es auch Schirmherr Andreas Müller: Dass auch 2019 wieder alle Siegener Institutionen vertreten seien, unterstreiche die besondere Dringlichkeit. Zwar ist seit dem 1. Siegener Pflegekongress 2015 einiges passiert: die anstehende Einführung besagter Pflegekammer etwa, eine generalisierte und modernisierte Ausbildung, das Pflegepersonalstärkungsgesetz, das u.a. die Finanzierung für mehr Stellen sichern soll. „Doch bei allen positiven Entwicklungen bleiben Herausforderungen“, so der Landrat. Pflege sei ein Knochenjob, körperlich wie psychisch. „Wir wollen und müssen die Gesundheitsregion Siegen-Wittgenstein stärken.“

Infos und Anmeldung: www.pflege-kann-siegen.de.

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