Klaus-Hermann Füllengraben schließt Traditionsgeschäft in der Frankfurter Straße in Siegen 

Pianohaus Füllengraben: Nach 70 Jahren gehen die Lichter aus - Räumungsverkauf bis Mitte Dezember

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Freuen sich auf die kommende Zeit: Elisabeth und Klaus-Hermann Füllengraben. 

Siegen – Mitte Dezember gehen im Pianohaus Füllengraben in der Frankfurter Straße nach 70 Jahren die Lichter aus. Klaus-Hermann Füllengraben, selbst mittlerweile 70 Jahre alt, hat keinen Nachfolger für das Siegener Traditionshaus gefunden und hat nun schweren Herzens das Gebäude verkauft.

Füllengraben und seine Ehefrau Elisabeth, die all die Jahre immer im Laden mitgearbeitet hat, schauen nun aber positiv in die Zukunft und freuen sich auf das, was jetzt kommt. „Natürlich sind wir traurig, dass wir den Laden schließen, aber wir sind auch froh, dass wir nun Zeit für andere Dinge haben“, so der Chef. „Wir haben sechs Tage die Woche gearbeitet. Jetzt reicht es und wir machen einen Haken hinter diese Zeit“, sagt der 70-Jährige. 

Er wurde exakt in dem Jahr geboren, als sein Vater Hermann das Geschäft gründete. Erster Firmensitz war die Fürst-Johann-Moritz-Straße – in der Passage neben der Kaufhalle. Als der Vater im Jahr 1975 starb, übernahm Klaus-Hermann die Geschäfte. Zu diesem Zeitpunkt war er 25 und hatte gerade die Ausbildung zum Klavierbauer bei der renommierten Firma Ibach in Schwelm abgeschlossen. 1990 wurde dann das Geschäft in der Frankfurter Straße eröffnet. Bis heute ist der Laden erster Anlaufpunkt für Kunden, die in Siegen ein Klavier oder ein anderes Tasteninstrument kaufen möchten. Kerngeschäft sind neben den Klavieren, Digital-Pianos, Keyboards und Sacral-Orgeln. Und natürlich Noten. Die seien immer gut gegangen, auch dank der Schüler von der benachbarten Fritz Busch-Musikschule. 

Verkaufsfläche leert sich

Jetzt leert sich die rund 300 Quadratmeter große Verkaufsfläche; seit dem 4. November läuft unter dem Motto „Alles muss raus“ der Räumungsverkauf. „Ich habe jetzt noch zwei Klaviere; für eins hab ich schon Interessenten“, erzählt Füllengraben, der zuversichtlich ist, die Instrumente vor der Schließung an den Mann oder die Frau zu bringen. Nur ein Instrument bereitet ihm leichtes Kopfzerberechen: das Ibach Pianola (ein selbstspielendes Piano), das seit 40 Jahren im Besitz von Füllengraben ist. „Da habe ich schon als kleiner Knirps im Laden meines Vaters darauf gespielt und alle Kunden dachten immer, ich sei ein Wunderknabe“, schmunzelt der heute 70-Jährige. Immer wieder habe es in all den Jahren Kunden gegeben, die das Pianola kaufen wollten, aber es gab immer die gleiche Antwort: „Leider unverkäuflich“. Jetzt aber will sich Füllengraben von dem guten Stück trennen. „Und jetzt gibt es weit und breit keinen Kaufinteressenten“, ist Füllengraben etwas ratlos. 

Die Hoffnung, das eins seiner Kinder das Pianohaus mal irgendwann übernimmt, hatte Füllengraben bereits früh aufgegeben. „Alle drei Kinder haben sich für andere Berufe entschieden und das ist auch vollkommen in Ordnung“, hegt er keinen Groll gegen den Nachwuchs. Die Übernahme eines Außenstehenden habe sich aufgrund der Räumlichkeiten sehr schwierig gestaltet, so dass schlussendlich die Entscheidung getroffen wurde, die Geschäfte einzustellen und den Laden zu schließen. Was aber nicht heißt, dass der Klavierbauer, der seinen Beruf mit großer Leidenschaft und Herz ausübt, von heute auf morgen aufhört. „Ich werde meinen Beruf nun zu meinem Hobby machen“, erzählt er. Mal einen Transport oder eine Reparatur – so wie es passt und ich Lust habe“. 

Herzliches Dankeschön an die Kundschaft für jahrzehnte lange Treue

Jetzt wollen Klaus-Hermann Füllengraben und seine Frau erst einmal ihr Haus am Wellersberg umbauen. „Damit meine Tocher Uta, ihr Mann und unser Enkel etwas mehr Platz bekommen“. Die wohnen nämlich mit im Haus und vor allem der 5-jährige Oskar freut sich riesig, dass er jetzt mehr Zeit mit Oma und Opa verbringen kann. Außerdem wollen die rüstigen (Neu)-Rentner viel Wandern oder Radfahren. „Solange wir gesund sind, wollen wir natürlich die freie Zeit in vollen Zügen genießen“, sagt Elisabeth Füllengraben. Wer übrigens ein Klavier besitzt und bisher den Service von Klaus-Hermann Füllengraben in Anspruch genommen hat, der kann sich ab sofort an Piano Dubbel in Kreuztal wenden. „Wir arbeiten seit Jahren sehr eng zusammen und da sind meine Kunden bestens aufgehoben“, macht Füllengraben Werbung für den Kollegen, der ebenfalls bei Ibach in Schwelm gelernt hat. Mitte Dezember wollen die Füllengrabens nun die Tür von außen abschließen und was sie empfinden ist Vorfreude auf das Kommende und tiefe Dankbarkeit für das Vergangene. „Wir möchten uns bei allen Kunden, die uns Jahrzehnte lang die Treue gehalten haben,herzlich bedanken. Ohne sie wäre diese Erfolgsgeschichte nicht möglich gewesen."

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