Die Zersetzung dauert im Kompostierwerk zu lange

Rote Karte: Plastik-Biomülltüte hat nichts in der Biotonne verloren

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Bio-Müllbeutel wie diese sollten nicht mehr in die Biotonne geworfen werden. Sie werden im Kompostierwerk aussortiert.

Siegen – Immer mehr Bürger machen sich Gedanken um die Umwelt und versuchen im Alltag so gut es geht, nachhaltige Produkte zu verwenden. Aber: Was nachhaltig klingt, muss nicht immer gut für die Umwelt sein.

Bestes Beispiel: Der Bio-Müllbeutel. Er ist grün und suggeriert dem Käufer, besonders ökologisch zu sein, weil er aus pflanzliche Rohstoffen hergestellt, „kompostierbar“ und „biologisch abbaubar“ ist. Das Ganze hat aber einen Haken: In der Praxis werden diese Bio-Müllbeutel zunehmend ein Problem für die Kompostierwerke, die den Beutel als so genannten Störstoff aussortieren müssen. 

Biomüll landet im Restmüll

Vorneweg: Es stimmt und es ist keine Lüge – der Bio-Müllbeutel ist kompostierbar. Allerdings dauert es neun Wochen, bis er in seine Einzel-Bestandteile zerfallen ist. „Wir kompostieren, wie übrigens fast alle Kompostierwerke in Deutschland, aber nur vier Wochen. Und in dieser Zeit ist die dünne Folie eben nicht abgebaut“, erklärt der Betriebleiter des Olper Kompostierwerks, Klaus Remm. Hier landet der der komplette Bio-Müll aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein. Remm hat Verständnis für jeden Bürger, der den stabilen und wasserfesten Beutel nutzt. Er sei praxistauglich und man handele in dem guten Glauben, etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Was der Bürger aber anscheinend nicht weiß: „Der Biomüll in diesen Bio-Müllbeuteln landet am Ende im Restmüll. Damit wird die Mülltrennung ad absurdum geführt.

Das Kompostierwerk in Olpe stützt sein Handeln dabei nicht nur auf wissenschaftliche Studien. „Wir haben das selbst getestet und das Ergebnis war eindeutig. Die kompostierbaren Müll-Beutel sind nach vier Wochen nicht abgebaut“, so Remm. Bedeutet: Bereits im Vorfeld werden die Müllbeutel aussortiert, um diese Störstoffe am Ende nicht im Kompost in kleinen Teilen vorzufinden. Im Kreis Olpe hat eine Änderung der Abfallsatzung schon dazu geführt, dass die Quote der Störstoffe extrem gesunken ist. Denn: Dort sind die kompostierbaren Müllbeutel verboten. Auch im Kreis Siegen-Wittgenstein werde ein solcher Schritt derzeit diskutiert, weiß Remm. Ob und wann solch ein Verbot kommt, sei aber noch offen. Fest steht, dass der Kreis und die Städte in der Region eine Info-Kampagne vorbereiten, um die Bürger über die Folienbeutel aufzuklären. „Das wird noch im Laufe des Jahres passieren“, sagt der Leiter der Siegener Stadtreinigung, Elmar Diehl. 

Papiertüten oder Zeitungspapier sind Alternativen

Schon jetzt sind die Mitarbeiter der Stadtreinigung angehalten, die Bürger – wenn es möglich ist – auf den Sachstand hinzuweisen. Alternativen für den kompostierbaren Müllbeutel gibt es durchaus: „Am besten ist es, wenn die Bürger den Biomüll in normales Zeitungspapier einwickeln. Aber auch Papiertüten sind in Ordnung“, so Remm.

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