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Betrügerische Anrufe von falschen Polizisten: zwei Fälle besonders perfide

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Siegerland. In den vergangenen Tagen häufen sich die Anrufe von betrügerischen falschen Polizisten bei zumeist älteren Menschen in der Region. Die Masche ist immer die Gleiche: Ein falscher Polizist, oft in Verbindung mit einem falschen Staatsanwalt, ruft an. Angeblich ist die Polizei einer Einbrecherbande auf der Spur und man hätte erfahren, dass der Angerufene das nächster Opfer sein werde. Um diesen nun vor finanziellem Schaden zu schützen, würde die Polizei die Wertgegenstände und das Bargeld sicher an einem abgesprochenen Ort in Empfang nehmen. Dass das verbrecherische Unterfangen wenigstens einmal scheiterte, war letztlich nur einem Zufall zu verdanken. 

So auch am vergangenen Dienstag (11. Juni). Nachmittags rief der vermeintliche Polizist bei einem 83-jährigen Mann aus Weidenau an und erzählte wieder die Geschichte von einem angeblichen Aufbruch von Tresoren in der Sparkasse. Der nächste Tresor der aufgebrochen werden sollte, wäre der des angerufenen Mannes. Er müsse nun unbedingt die Wertgegenstände aus dem Tresor holen und diese einem Polizisten übergeben. 

Senior stundenlang am Telefon gehalten

Weiterhin sein ein Sparkassenangestellter ein Komplize der Verbrecherbande, so dass auf keinem Fall die Sparkasse davon erfahren dürfte, dass die Wertgegenstände aus dem Tresor geholt würden. Um seine Behauptung noch zu untermauern, wurde eine Verbindung zu einem erfunden Staatsanwalt hergestellt, der den Senior ebenfalls „bearbeitete“. 

In den folgenden 24 Stunden wurde der 83-Jährige permanent am Telefon gehalten. Er hatte gar keine Möglichkeit, den Anrufern zu entkommen und die Geschichte zu hinterfragen. Letztendlich ging der Mann am Mittwochnachmittag (12. Juni) zur Sparkasse, räumte seinen Tresor aus und übergab Goldmünzen, nur wenige Meter vom Geldinstitut entfernt, dem falschen „Polizisten“.

Mit der gleichen Geschichte rief am Donnerstag (13. Juni), zur Nachmittagszeit wieder ein falscher Polizist bei einem 78-jährigen Weidenauer an. Über Stunden wurde auch dieser Mann am Telefon bearbeitet, so dass er letztendlich auch zur Volksbank fuhr und seine Wertgegenstände und Goldmünzen aus dem Schließfach holte. Permanent am Handy gehalten wurde der Senior nun dazu gebracht, über Nebenstraßen zum vereinbarten Treffpunkt zu fahren, um dort die Sachen zu übergeben. 

Nur die Tatsache, dass die perfiden Verbrecher den Mann falsch durch eine Einbahnstraße lotsten und der 78-Jährige dort nicht entlang fahren wollte, ist zu verdanken, dass die Übergabe zunächst scheiterte. Da sich der Mann nun nahe der Polizeiwache in Weidenau befand, fuhr er dort auf den Parkplatz und wollte die Goldmünzen direkt auf der Wache an die Polizei übergeben. Die Beamten staunten nicht schlecht, als gegen 21.15 Uhr der Mann die Wache betrat und fast 90 Goldmünzen auf den Tresen legte um diese, wie am Telefon besprochen, sicher abzugeben.

Präventionshinweise der Polizei 

  • Wenn Sie selbst angerufen werden: Falls Sie in Ihrem Telefondisplay die Rufnummer der Polizei (110) ggf. mit einer Vorwahl sehen sollten, dann handelt es sich nicht um einen Anruf der Polizei. Bei einem Anruf der Polizei erscheint nie die Rufnummer 110 in Ihrem Telefondisplay. Legen Sie sofort auf. 
  • Gibt sich der Anrufer als Polizeibeamtin oder Polizeibeamter aus, lassen Sie sich den Namen nennen und wählen Sie selbst die 110. Schildern Sie der Polizei den Sachverhalt. Die Polizei erfragt telefonisch keine Bankdaten wie Kontonummer und Kontostand oder Inhalte von Schließfächern. 
  • Geben Sie unbekannten Personen keine Auskünfte über Ihre Vermögensverhältnisse oder andere sensible Daten. Öffnen Sie unbekannten Personen niemals die Tür oder ziehen Sie eine Vertrauensperson hinzu. Übergeben Sie unbekannten Personen niemals Geld oder Wertsachen. Wenn Sie Opfer eines solchen Anrufes geworden sind, wenden Sie sich in jedem Fall an die Polizei und erstatten Sie eine Anzeige.

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