„Projekt Curry“ macht Tour-Traum wahr

Fans holen indische Metal-Band nach Deutschland - Show in Siegen

Die Heavy Metal-Band „Against Evil“ aus Indien hat in ihrem Heimatland einen schweren Stand: Deshalb hat eine Facebook-Community kurzerhand eine Deutschland-Tour für die vier Musiker organisiert. Die Jungs spielen unter anderem auch im Siegener Musikclub Vortex.

Niederfischbach/Siegen. Eine indische Heavy-Metal-Band geht auf Tour in Deutschland – mit einem Konzert im Siegener Vortex. Ja, richtig gelesen. Jetzt ist Indien natürlich nicht unbedingt für Metal-Mucke bekannt, aber für vier headbangende und vor allem musikliebende Inder geht im Sommer dieser Traum in Erfüllung. Und 3000 Heavy-Metal-Fans auf Facebook haben das Unmögliche möglich gemacht – darunter auch der Niederfischbacher Alexander Christ. Dahinter steht eine Geschichte, die es in dieser Form wohl noch nie gegeben haben dürfte: Sie zeigt, was die Liebe zur Musik, Beharrlichkeit und Teamgeist in Kombination mit Social Media so alles können.

Vor rund einem Jahr wurden Mitglieder der Facebook-Gruppe „Heavy Metal Fans“ auf die Band aus Indien aufmerksam. „Die Gruppe hat momentan ungefähr 3000 Mitglieder“, erklärt Alexander Christ. „Einige Leute aus der Schweiz haben innerhalb der Gruppe das kleine Label ,Doc Gator Records’ gegründet. Die produzieren hauptsächlich unbekannte Bands.“ Im Vordergrund stehe hier die Begeisterung für die Musik: Hobby und Leidenschaft statt Geld und Musikindustrie. „Die meisten Platten gehen innerhalb der Gruppe weg.“

So auch das Album mit dem Namen "All Hail the King" von „Against Evil“. Ein Mitglied der Gruppe schlug die Metal-Band aus Indien für eine Produktion vor. Gesagt, getan: „Doc Gator Records“ produzierte daraufhin ein Album mit einer limitierten Stückzahl von 350 Platten. Und so tauchten die vier Musiker aus Indien nun endgültig auf dem musikalischen Radar der europäischen „Metaller“ auf.

Alexander Christ aus Niederfischbach ist begeisterter „Metaller“ und Mitglied der Facebook-Gruppe. Er hat das Konzert in Siegen organisiert. Foto: Tina Falkenhain

„Die Platte fand in der Gruppe wirklich guten Anklang“, erinnert sich Alex. So gut sogar, dass schnell der kollektive Wunsch aufkam, die Band mal live spielen zu sehen – und zwar beim jährlichen Fan-Treffen der Facebook-Gruppe. „Vom Label aus war es natürlich finanziell unmöglich, die Band hier rüber zu holen“ – nicht für einen einzigen Termin, und erst recht nicht für eine ganze Tour.

Aber die Facebook-Gemeinde gibt nicht auf: Was zuerst eine fixe Idee ist, wird schnell ernst. „Wir haben dann das ,Projekt Curry’ gegründet“, schmunzelt Alex. Das Prinzip: „In der Gruppe haben viele Platten und CDs versteigert – darunter auch ein paar alte Teile, für die es teilweise bis zu 200 Euro gab.“ Die Band wiederum versteigerte auch einige Requisiten aus ihren Musikvideos (zu sehen bei YouTube). Dabei kamen sage und schreibe 4000 Euro zusammen, der Erlös floss in das „Projekt Curry“. „Somit ist der Flug nach Deutschland schon mal safe.“ Auch die Band spare natürlich ihrerseits für den Deutschland-Trip.

Und es wird lange nicht bei einem Konzert bleiben: Einige Mitglieder der Gruppe nahmen das Heft in die Hand und gaben richtig Gas: Sie bildeten ein Orga-Team, das aus sechs Mitgliedern besteht – darunter auch Alex aus Niederfischbach. Mit der Unterstützung des gesamten Gruppen-Netzwerks organisierten die Metal-Fans gemeinsam eine komplette Tour für „Against Evil“ – mit insgesamt 15 Shows in ganz Deutschland und sogar einem Termin in der Schweiz. Auch in Siegen packen die vier Jungs aus der Stadt namens Visakhapatnam am 23. August die Instrumente aus, und zwar im Vortex Surfer Musikclub. „Wer auf klassischen Heavy Metal steht, dem wird ,Against Evil’ gefallen“, rührt Alex die Werbetrommel. Das Konzert in Siegen hat er selbst klargemacht: „Der Besitzer war sofort begeistert. Aber weil die Band so unbekannt ist, spielen an diesem Abend zusätzlich noch zwei heimische Bands.“ Infinite Horizon (Siegen) und Centrate (Dillenburg) sagten direkt zu. Große Überredungskünste seien gar nicht nötig gewesen, freut sich Alex: „Die Story allein hat überzeugt. Eine indische Heavy Metal-Band, die mit Hilfe einer solchen Aktion in Deutschland auf Tour gehe, das sei einfach vorher noch nie dagewesen.

Und auch bei der Unterbringung von Siri Sri (Vocals /Bass), Sravan (Vocals /Gitarre), Shasank (Lead-Gitarre) und Noble John (Drums) haben die 3000 Gruppen-Mitglieder Teamwork bewiesen: In den jeweiligen Konzert-Städten organisieren einzelne Mitglieder günstige Unterkünfte für die Band. Teilweise nehmen sie die vier Musiker sogar bei sich zu Hause auf – sofern sie denn genug Platz haben.

Die Planungen zur Tour haben bereits im vergangenen Herbst begonnen: „Es ist gar nicht so einfach, sowas zu organisieren.“ Aber warum eigentlich der ganze Aufwand für eine so unbekannte Band? „Weil die Band toll ist, die Leute sind einfach nur top. Für die Jungs geht ein Traum in Erfüllung. Die hätten sich doch nie träumen lassen, dass sie mal in einem der größten Heavy-Metal-Länder auf Tour gehen. Da will man natürlich helfen, vor allem weil man sowas wahrscheinlich nur einmal macht“, erzählt der Niederfischbacher, und man sieht ihm die Begeisterung förmlich an. „Die Jungs verlassen sich natürlich auf uns.“

Wichtig ist ihm aber, dass das „Projekt Curry“ nicht nur vom Orga-Team umgesetzt wurde: „Die Tour ist nur deshalb möglich, weil alle mitgeholfen haben. Jeder versucht, mit seien Möglichkeiten zu helfen.“

Auch die Bandmitglieder sind begeistert vom Einsatz der Metal-Fans: Sie leben und spielen in Indien. Dort haben sie es im Musikgeschäft allerdings alles andere als leicht, wie Gitarrist Shasank in einer E-Mail auf Anfrage des Kurier schildert. „Für jede Band ist es schwierig, außerhalb des eigenen Landes zu touren, aber in Indien ist es noch schwieriger.“

Es gebe sehr viele Bands, und das mache es schwer, global wahrgenommen zu werden. Bands müssten heutzutage wirklich hart arbeiten und qualitativ hochwertige Musik mit außergewöhnlichem Inhalt machen. Außerdem sei es viel zu teuer, eine solche Tour selbst zu stemmen. Alle Band-Mitglieder haben Vollzeitjobs, von der Musik können sie in Indien nicht leben. Gerade Heavy Metal sei in ihrem Heimatland so gar nicht populär. „Wir haben definitiv eine Menge Opfer gebracht, um weiterzumachen, egal wie schwierig es war.“ Musik zu machen und ihre eigenen Songs live auf der Bühne zu spielen, das sei ihre Leidenschaft. „Damit hören wir nicht auf“, so Shasank entschlossen.

Und diese Leidenschaft und Beharrlichkeit zahlen sich nun aus: „Wie man sieht, ist nichts unmöglich. Wir sind sehr glücklich, dass wir eine solche Möglichkeit bekommen und sind der europäischen Metal-Community wirklich dankbar, dass sie diese Tour Realität werden lässt.“

Der einzige, wenngleich relativ wichtige Baustein, der nun noch fehle, so Alex, sei ein geeignetes Tour-Fahrzeug bzw. ein Sponsor. „Die Jungs und das Equipment müssen ja irgendwie von A nach B kommen.“ Auch eine günstige Unterkunft im Raum Siegen werde bis August noch gebraucht. „Against Evil“ werden Alex zwar vermutlich besuchen, bei ihm wohnen werden sie aber wahrscheinlich nicht.

Wer also einen Vorschlag hat oder sich in Form eines Transportmittels oder einer Unterkunft am „Projekt Curry“ beteiligen möchte, der kann sich mit Alexander Christ in Verbindung setzen unter Tel. 0176/72332377.

Hier gibt es schonmal eine kleine Kostprobe:

Tour-Termine

6. August: Koblenz, Florinsmarkt

10. August: Vahle (Uslar), Elfies Rockscheune

15. August: Marburg, Szenario

16. August: Herborn, Greenrock Festival

17. August: Essen, Turock Open Air

22. August: Hamburg: Bambi Galore

23. August: Vortex Surfer/Siegener Metal Night

24. August: Duisburg, Charity Unchained Festival

24. August: Oberhausen, Emscherdamm

29. - 31. August: Oldenburg, City Festival (Stadtfest)

6. September: Köln, MTC/Cologne Metal Meeting

7. September: Oberhausen, Crowded House, Heavy Metal Fans Fest

20. September: Tennwil (Schweiz), Rocknacht Tennwil

Karten für das Konzert in Siegen gibt es für 9 Euro im Vorverkauf und für 10 Euro an der Abendkasse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare