Konzept wird auch 2019 fortgesetzt 

Die „pure Präsenz“ zeigt Wirkung: Polizei will Sicherheitsgefühl in der Innenstadt wieder stärken

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Nachdem es im Jahr 2017 zu immer mehr Beschwerden kam und es Hinweise auf Drogenhandel in der Innenstadt gegeben hatte, wurde im Mai 2017 erstmals eine große Razzia im Kunstweg durchgeführt. 

Siegen. „Wir hören nicht auf. Auch in diesem Jahr werden sich Kriminelle in der Siegener Innenstadt nicht sehr wohl fühlen.“ Landrat Andreas Müller erläuterte in der vergangenen Woche als Leiter der Kreispolizeibehörde wie mit Hilfe des so genannten Präsenz-Konzeptes das Sicherheitsgefühl der Bürger wieder gestärkt werden soll.

Im Rahmen der Vorstellung derKriminalitätsstatistik machte Müller klar: „Wir lassen uns nicht auf der Nase herumtanzen und gehen rigoros gegen Gesetzesverstöße vor“.

Zwar sei die Innenstadt laut Statistiken definitiv kein Kriminalitäts-Hotspot, aber „mein Eindruck ist, dass das Sicherheitsgefühl der Menschen schlechter geworden ist“, so Müller. Es habe 2018 vereinzelt Straftaten in der City gegeben, die sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätten. In Gesprächen und in den Sozialen Medien seien die Vorfälle intensiv diskutiert worden.

Und so habe sich das Bild entwickelt, dass man beispielsweise zu Stufen am Siegufer gar nicht mehr gehen könne – schon gar nicht als Familie mit kleinen Kindern. Dieses Gefühl könne man auch nicht mit tollen Statistiken weg diskutieren. „Das ist wie bei Flugangst. Auch die geht nicht weg, wenn man immer wieder darauf verweist, dass das Flugzeug das sicherste Verkehrsmittel ist“, so Müller weiter.

"Wir nehmen das Empfinden der Bürger ernst"

Und genau deshalb nehme die Polizei das Empfinden und das Gefühl der Menschen ernst. Mit einem so genannten Präsenzkonzept habe man Mitte 2018 damit begonnen, die öffentliche Sicherheit sichtbar herzustellen. In Kooperation mit Ordnungsamt, Schulamt, Jugendamt sowie dem Einzelhandel wurde das Konzept erstellt, das nun ein „völlig anderes Auftreten“ der Sicherheitskräfte zur Folge hatte. „Vorher liefen zwei Mann in blauen Uniformen durch die City und den Bahnhofsbereich; jetzt seien es Streifen in 5-Mann-Stärke, die in schwarzer Einsatzkleidung sowie mit Polizeihunden unterwegs sind. „Diese pure Präsenz wirkt auf Kriminelle einfach anders“, so Müller. Auch die Einsatzzeiten seien vor allem an den Wochenenden ausgeweitet worden. 3778 Stunden waren die Siegener Polizisten sowie Kollegen aus den Wachen im Innenstadtbereich unterwegs.

Unterstützung der Bereitschaftspolizei Köln

Unterstützung gab es außerdem von der Bereitschaftspolizei Köln, die seit Sommer insgesamt 969 Stunden im City-Areal ihren Dienst verrichtete.

Das Konzept habe bereits Wirkung gezeigt. Nach mehreren Razzien gebe es derzeit keinen offenen Verkauf von Drogen mehr und es seien weniger Störer oder aggressive Jugendliche unterwegs. Auch die Einsatzlagen an den Wochenenden seien merklich gesunken.

Müller: „Obwohl das ganze Konzept ein echtes Mammutprojekt ist und großen Einsatz der Kollegen erfordert, werden wir diesen Weg auch 2019 weitergehen“. Bereits jetzt habe das Land bewilligt, insgesamt 1800 Stunden mit der Bereitschaftspolizei abzudecken.

Das große Ziel müsse sein, das Sicherheitsgefühl der Bürger wieder zu stärken. „Es kann nicht sein, dass Bürger die Siegener Innenstadt meiden, weil sie Angst haben, Opfer einer Straftat zu werden“, machte Müller deutlich. Deshalb sei das Präsenzkonzept auch ein strategisches Ziel für 2019, das konsequent fortgeführt werde.

"Treffen die Kriminellen dort, wo es am meisten weh tut"

Ein weiterer Schwerpunkt für 2019 ist die so genannte Finanzermittlung. „Wir werden die Kriminellen dort treffen, wo es am meisten weh tut – beim Geld“, so Claudia Greve, Leiterin der Kriminalpolizei. Hintergrund ist eine Gesetzesänderung. Bisher habe die Polizei verdächtige Güter, bei denen es sich wahrscheinlich um Diebesgut handelt, nur beschlagnahmen können, wenn sie es einer Straftat zuordnen konnten. Konnten sie dies nicht, durfte der Tatverdächtige die Gegenstände behalten. Mit dem neuen Gesetz habe sich die Beweislast gedreht, erläuterte Greve. Die Polizei dürfe jetzt mögliche Hehlerware, Immobilien oder auch Autos einziehen. Nur dann, wenn der Betroffene nachweisen kann, dass er die Waren „aus unklarer Herkunft“ legal erworben hat, darf er sie behalten.

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