Entwurf des Rettungsdienstbedarfsplans vorgestellt 

Zusätzliche Wachen in Hilchenbach und Niederschelden - 22 statt 15 Rettungswagen

Siegerland. Der Entwurf des neuen Rettungsdienstbedarfsplans für den Kreis Siegen-Wittgenstein ist da. Die wichtigsten Eckpunkte: Der Bau von zwei neuen Rettungswachen sowie die Verlegung von vier Standorten. Außerdem: Die Zahl der RTW (Rettungswagen) wird von 15 auf 22 aufgestockt.

Der Reihe nach: Die politischen Gremien des Kreistages hatten im Juni 2017 beschlossen, einen externen Gutachter zu beauftragen, um den Ist-Zustand zu bewerten. Das Ergebnis, das im November vorgestellt wurde, brachte bedenkliche Erkenntnisse: In nur 75,9 Prozent ist der Rettungsdienst schnell genug am Einsatzort (vorgegeben sind 12 Minuten im Kreisgebiet; 8 Minuten innerhalb der Stadt Siegen). 

Kreistag könnte am 29. März den Plan beschließen

Der Gutachter empfahl eine Neuplanung der Rettungswachenstruktur sowie Verlegungen und Umbaumaßnahmen an bestehenden Standorten. Die Empfehlungen münden nun im Entwurf für den neuen Rettungsdienstbedarfsplan, der nun zunächst mit den Krankenkassen und der Stadt Siegen abgestimmt werden muss. „Wenn alles glatt läuft, kann der Kreistag den Bedarfsplan am 29. März verabschieden", so Landrat Andreas Müller. Zunächst wird der Entwurf im Gesundheitsausschuss am 13. März diskutiert. 

Bestehende Rettungswachen müssen umziehen

Konkret sieht der Entwurf eine zusätzliche Rettungswache in Hilchenbach (Richtung Allenbach) und eine weitere im südlichen Stadtgebiet von Siegen (Niederschelden) vor. Zudem soll die Rettungswache in Ferndorf in Richtung Kreuztaler Innenstadt verlegt werden. Die Wache an der Umgehungsstraße in Netphen soll einen neuen Standort in Deuz bekommen und die Rettungswache am Krankenhaus in Freudenberg soll Richtung Wilhelmshöhe umziehen. Zudem braucht die Wache in Bad Laasphe ein neues Gebäude. Die weiteren bestehenden Wachen sollen zum Teil erheblich modernisiert werden. Der jetzige RTW-Bestand wird von 15 auf 22 aufgestockt. Diese sollen jedoch bedarfsorientiert eingesetzt werden, nicht alle werden 24 Stunden und an allen Wochentagen bereit stehen. 

Kein zusätzliches Personal

Interessant: Zusätzliches Personal muss laut Plan nicht eingestellt werden. Der Grund: Die Vorhaltung der Rettungsmittel soll optimiert werden. Im Klartext: Die Zahl der Wochenstunden für den Krankentransportwagen (KTW) und das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) werden reduziert. Im KTW-Bereich um 206 Wochenstunden, beim NEF fallen 336 Wochenstunden weg. Gleichzeitig erhöht sich die Zahl der RTW-Wochenstunden um 396. „Deshalb wird auch in der nächsten Zeit das Thema Qualifizierung für uns eine noch größere Bedeutung bekommen, da ab dem Jahr 2026 jeder RTW mit mindestens einem Notfallsanitäter besetzt sein muss“, erläuterte Tremmel. 

Durch die Reduzierung der KTW- und NEF-Wochenstunden wird das frei werdende Personal im RTW-Bereich eingesetzt. Bedenken, ob es sinnvoll sei, das NEF in Standorten wie Kreuztal oder Netphen abzuziehen, entkräftete Tremmel. Hier gehe es auch um eine qualitative Verbesserung. Denn: Bisher besetzen in bestimmten Gebieten Hausärzte das NEF. Das bedeutet: In Notfällen muss der Arzt zunächst vom NEF-Fahrer zu Hause oder in seiner Praxis abgeholt werden. Erst dann geht's weiter zum Notfallort. Dies könne Zeitverzögerungen mit sich bringen. In Zukunft wird deshalb in Siegen ein zusätzliches NEF-Fahrzeug bereitgestellt, das dann fest mit einem Rettungsassistenten und einem Notarzt besetzt wird.

Für die Umsetzung des neuen Konzeptes ist ein Zeitraum von vier Jahren vorgesehen. Wenn alle Maßnahmen greifen, sollen künftig die Hilfsfristen von acht Minuten in den innerstädtischen Bereichen der Stadt Siegen und zwölf Minuten im übrigen Kreisgebiet zu 90 Prozent erreicht werden.  

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