„Dramatische Aufgabe bemerkenswert gelöst“

Innovativ und zum richtigen Zeitpunkt: Richtfest für die Klärschlamm-Trocknungsanlage der ESi

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Der Richtkranz baumelt vor der neuen Trocknungsanlage für Klärschlamm im Goldammerweg.

Siegen. Ende Juni 2018 gab es den ersten Spatenstich, jetzt – etwas mehr als ein halbes Jahr später – wurde beim Entsorgungsbetrieb der Stadt Siegen im Goldammerweg Richtfest gefeiert. Noch in diesem Jahr soll die neue Trocknungsanlage für Klärschlamm den ersten Probelauf bestehen.

Zahlreiche Gäste aus Politik und von den beteiligten Firmen kamen am Dienstag zum Richtfest, um sich einen ersten Eindruck von der Anlage zu verschaffen. „Die ESi muss innovativ bleiben, um den Versorgungsauftrag reibungslos sicherzustellen“, sagt Bürgermeister Seffen Mues. Und gerade die Entsorgung von Klärschlamm sei ein dramatisches Thema, das viele Kommunen derzeit beschäftige. Die ESi sei hier ohne Zweifel ein Vorreiter. „Es ist bemerkenswert, wie der Entsorgungsbetrieb diese große Aufgabe gelöst hat“, lobt Mues die rund 10 Millionen Euro-Investition. Denn: Aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht sei die Entsorgung immer problematischer und kostenintensiver geworden.

Hier können zukünftig rund 14.000 Tonnen Klärschlamm getrocknet werden.

Der Rohbau steht, nun wird die Firma Sülze-Klein aus Niederfischbach die Maschinentechnik des Klärschlammtrockners einbauen. Zum Bauprojekt gehört auch ein neuer so genannter Medienkanal, der sämtliche Kabel und Versorgungsleitungen bündelt.

Was aber macht eigentlich diese Trocknungsanlage und warum ist die Entsorgung von Klärschlamm so ein großes Problem? Bei der Abwasserreinigung entsteht Klärschlamm – eine breiige Masse, die immerhin noch 65 Prozent aus Wasser besteht. Jährlich bleiben in den drei Siegener Kläranlagen rund 8500 Tonnen Klärschlamm übrig. Dieser wird zurzeit noch in eine Verbrennungsanlage nach Werdohl gefahren und dort thermisch entsorgt. „Betrachtet man nur den Wasseranteil, bedeutet dies, dass pro Jahr rund 230 Sattelzüge mit purem Wasser von Siegen nach Werdohl transportiert werden“, so Mues. Und Betriebsleiter Ulrich Krüger ergänzte: „Wir müssen rund 65 Euro pro Tonne dafür zahlen. Sie können sich ausrechnen, was dies für ein Faktor ist, zumal die Kosten in der letzten Zeit um 20 Prozent gestiegen sind und auch immer noch steigen werden“. Dies hänge damit zusammen, dass immer mehr Braunkohlekraftwerke schließen und es somit einen Überhang von Klärschlamm gebe.

Zahlreiche Gäste nutzten die Chance, um sich einen Eindruck von der Anlage zu verschaffen.

Mit dieser Anlage ist es möglich, aus dem Klärschlamm Granulat zu gewinnen, der als Brennstoff weiterverwertet werden kann. Mit den 8500 Tonnen Klärschlamm aus Siegen arbeitet die Anlage zwar schon wirtschaftlich, doch sie kann insgesamt 14.000 Tonnen verarbeiten. „Aus diesem Grund können wir natürlich auch Klärschlamm aus anderen Kommunen trocknen.

Die Energie für die Trocknung wird von einem neuen Blockheizkraftwerk (BHKW) mit drei Gasmotoren geliefert. Das neue BHKW erzeugt soviel elektrische Energie, die aber nur zum Teil zur Trocknung benötigt wird. Der Rest fließt in den Betriebshof und die angeschlossenen Stadtgärtnerei. Mues freute sich sehr, dass nun aus „aus dem Kostenprodukt ein Ertragsprodukt wird“. Mues: „Es ist ein Projekt, das innovativ ist, zum Klimaschutz beiträgt, sich am Ende rechnet und genau zum richtigen Zeitpunkt kommt“.

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