"Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Bibo klaut!"

Schüler des Betzdorfer Gymnasium demonstrierten für ihre Schulbibliothek

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Protestmarsch durch Betzdorf: Die Schüler und Eltern des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums setzen sich für die durchgängige Öffnung der Schulbibliothek ein.

Betzdorf. Zahlreiche Schüler, Eltern und Lehrer versammelten sich am Donnerstagmorgen vor der Stadthalle in Betzdorf um gemeinsam mit einem Demonstrationszug „Demo pro Bibo“ein Signal an die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung, auf Kris- und Landesebene zu setzen. Damit wollen sie den langfristigen, vollständigen Erhalt der Bibliothek am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Betzdorf-Kirchen sichern.

„Wir protestieren für den vollen Erhalt mit ganztägigen Öffnungszeiten für unsere Bibo und hoffen mit dieser Aktion auf ein erneutes Gehör bei den Verantwortlichen“, so Sabine Alberts-Wingenfeld vom Schulelternbeirat, ehe sich der Demonstrationszug mit Sprechchören „Wir sind hier, wir sind laut weil ihr uns die Bibo klaut“ von der Stadthalle aus entlang der B62 bis zur Schule in Bewegung setzte. 

Seit über einem Jahr müssen die Schüler ohne eine vollständig betreute Schulbibliothek auskommen. Zwischenzeitlich sah es sogar so aus, als müsse mittelfristig die Einrichtung komplett schließen. Viele Eltern, Schüler, Lehrer und die Schulleitung hatten sich für eine an allen Schultagen nutzbare „Bibo“ ausgesprochen. „Trotz aller bekundeten Bereitschaft aus der Politik, die guten Argumente zu teilen, mussten sie leider feststellen, dass es außer Bekundungen weder eine Lösung noch eine verlässliche Perspektive dafür gibt“, resümierte Klaus Trudrung, Sprecher des Schulelternbeirates. „Es fehlt am Geld, bzw. an der Erlaubnis, das notwendige Geld ausgeben zu dürfen, wird als Grund der Misere einerseits angeführt. Die Erlaubnis sei grundsätzlich kein Problem, so wird andererseits entgegengehalten, es fehlt an einer zustimmungsfähigen Planung.“ 

Auch MdL. Michael Wäschenbach setzt sich als betroffener Vater eines Schülers des Gymnasiums seit über einem Jahr für den Erhalt der Bücherei ein. Laut seiner Aussage liege das Problem am Widerspruch der Landesregierung. Das Bildungsministerium habe die Erlaubnis gegeben, dass der Kreis die fehlende Bibliothekstelle besetzen dürfe. Im Dezember sei die Stelle im Kreistag in den Haushalt aufgenommen worden, mit allen Parteien im Konsens. Die Kommunalaufsicht habe diesen Haushalt beanstandet und die Ausgaben für die Bibliotheksstelle mit einem Sperrvermerk versehen. Jetzt müsse der Kreis begründen, warum die Ausgabe nötig ist. Die Grundsatzfrage, ob die Bibliotheksarbeit eine Bildungsarbeit ist, das verneine das Ministerium, die Arbeit sei eine freiwillige Leistung. Das sei aus seiner Sicht „ein Denkfehler von Beginn an“, so Wäschenbach. 

Schulleiter Heiko Schnare hielt sich auf Nachfrage des Kurier naturgemäß sehr bedeckt, brachte aber seine Bewunderung für die Schüler zum Ausdruck: „Ich finde es richtig klasse, dass sich Schüler und Schulelternbeirat für die durchgängige Öffnung der Schulbibliothek stark machen.“

 Im vergangenen Jahr war die „Bibo“ für die Schüler nur eingeschränkt nutzbar, nämlich in der Zeit zwischen 8 und 12 Uhr. Mit der Besetzung zumindest einer halben Stelle würde man wieder auf Öffnungszeiten zwischen 7.30 und 15.30 Uhr kommen, so Schnare im Gespräch. 

Hintergrund 

Ursprünglich gab es für die Bibliothek zwei halbe Stellen, eine davon war befristet. Sie lief Anfang 2018 aus und wurde nicht verlängert. Die Kommunalaufsicht des Landes hatte seinerzeit beim Schulträger (Kreis) moniert, dass zu viel Geld für freiwillige Leistungen ausgegeben werde und hinterfragte somit auch die Betreuung der Schulbibliothek

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